Den Oberhafen durchdringt eine unsichtbare Kraft, die manchmal die Neonröhren flackern lässt. Selbst eine Gruppe Physikstudenten wollen Nachbarn schon gesehen haben, die dem Phänomen mit Klemmbrettern bewaffnet nachspürte. Es könnte das Magnetfeld des benachbarten Umspannwerks sein, das die Hauselektrik durcheinander bringt. Aber ganz sicher sein kann man sich da nicht.

Die erste Ausgabe des Magazins 41–43 fängt die Spannungen und Potentiale dieses Ortes ein und arbeitet mit ihnen. Es zeigt den Oberhafen als Gegenwelt aus Pappmaschee und Paletten, irgendwo zwischen Wochenend-Rave und Kreativwirtschaft. Zugleich bildet es das Biotop Oberhafen ab, den erstaunlichen Lebensraum, der in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist.

Das Heft wagt eine Momentaufnahme und stöbert nach den Geschichten in diesem Mikrokosmos. Die Autorinnen und Autoren folgen ihnen bis in feuchte Keller, in denen sich kreuz und quer die Metallspinte früherer Bahnmitarbeiter türmen. Sie trauen sich unter die Brücken und in die Travohäuser, aus denen die Stadt gerade die letzten Landstreicher verscheucht hat.

Mit frischem Blick und vielfältigen Mitteln spürt das Magazin dem Transformationsprozess nach, der diesen fast vergessenen Ort zwischen Elbe und Hauptbahnhof in eine Perle für die Kreativwirtschaft verwandeln soll. Und es stellt die Frage, ob das ein Fluch oder Segen ist.

41–43 wurde im Rahmen der Indiecon Summer School 2015 produziert, einem Projekt von Die Brueder. Es ist als Teil der Workshopreihe Publish Yourself! unter der Leitung von Sebastian Pranz, Klaus Neuburg und Fabian Weiss entstanden. Dass das gesamte Heft von der ersten Idee bis zum fertigen Druck in nur fünf Tagen verwirklicht wurde, ist eigentlich nur mit der unsichtbaren Kraft auf dem Oberhafen zu erklären.

41–43 Magazin No 1

Gestaltung: Indiecon Summerschool
Herausgeber: Die BRUeDER
Verlag: Hybrid Verlag / Die BRUeDER
Veröffentlichung: August 2015
Umfang: 78 Seiten
Format: 22,5 x 33 cm
Sprache: deutsch
Preis: 6,- Euro

 

 

 

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