Vom 22. bis 26. April fand in Berlin der ADC Gipfel mit Ausstellung, Kongress und Award Show statt.

Was »Die Kreative Revolution« für Amir Kassaei, ADC Vorstand und Kreativchef von DDB bedeutet, machte er in seinem Vorwort des Festival Planers und seiner guten Rede auf der ADC-Show deutlich (Auf YouTube gab es noch keinen Mitschnitt, dafür ein Interview auf idee09.tv). Che und andere Revolutionäre mussten dagegen in der Moderation der Preisverleihung etwas zu oft herhalten. Das Design aller Medien (Strichpunkt) hat das Thema Revolution überhaupt nicht aufgegriffen.

Im Max Creative (die »Sparversion« zum ADC Buch), welches zur ADC Show erschien, heißt es im Artikel »Neue Nasen – alte Hasen«: »Frische Impulse erwartet der ADC von seinen neuen Mitgliedern – für den Club und für die deutsche Kreativwirtschaft (15 neue Mitglieder – wie z.B. Kai Diekmann/Bild, Phillipp Welte/Burda, di Lorenzo/Zeit – gebildet aus Chefredakteuren und Medienmanagern der Medienbranche lassen den ADC auf 557 Mitglieder anschwellen)...Neu bleibt die von Präsidenten Amir Kassaei losgetretene, dann aber wieder eingefangene Debatte über Relevanz. Die Frage nach der Wahrhaftigkeit von Arbeiten ist nicht vom Tisch. Zwar bleibt es im Wettbewerb noch bei den alten Kriterien Originalität, Klarheit, Kraft, Machart, Freude, dennoch schwangt bei jeder Entscheidung die R-Frage mit. Das Relevanz-Ranking könnte zum Jahresende kommen, wenn die Fachpresse mitspielt.«

Neu in diesem Jahr und in der Wettbewerbsausschreibung nicht deutlich formuliert war auch, dass nur noch Gewinnerarbeiten ausgestellt wurden. 446 von 6.832 schafften es auf die Shortlist: ein Fünftel weniger als im Jahr zuvor. Es wurde also gespart. So musste auch der ADC sparen. Der Besuch der Ausstellung kostete 15 €, die 2-Tageskarte für den Kongress 350 €, die ADC Awards Show 260 €, die After Show Party 95 € oder alles zum Gesamtpreis von 595 €. Eine Einreichung kostet 95 bis 660 € (je nach Kategorie), bei Veröffentlichung im ADC Buch 330 bis 660 €(je nach Einzel- oder Doppelseite). Die Show war gestopft voll. Berlin von oben bis unten mit ADC Plakaten tapeziert.

Jeder der 323 Juroren der 20 Kategorien reist auf eigene Kosten an und ist dem Agenturbetrieb 3 Tage fern. Die Jury 17 (in der ich als Rookie war) durfte Arbeiten aus sechs Kategorien (Corporate Design, Grafik, Typografie, Packaging/Produktdesign, Kalender, Public Areas) auf Biergartentischen beurteilen. Kalender stapelten sich, Produkte standen dichtgedrängt nebeneinander wie auf Wühltischen im Schlussverkauf. Ein Kraftakt, in diesem Chaos arbeiten in Ruhe beurteilen zu können. Logisch, dass dabei die kleinen, leisen Dinge zunächst nicht so ins Auge springen. Kein Wunder also, dass wettbewerbs-erfahrene Agenturen ihre Arbeiten auf Pappen ziehen und zum Teil mit erläuternden Texten versehen.

In der Rubrik Zeitschriftengestaltung und Titel haben Magazine wie Human Globaler Zufall (eingestellt), Liebling (wie geht es da weiter?) und Zeitmagazin gepunktet. Ohne Frage, die Arbeit von Mirko Borsche ist Gold. Doch wie relevant sind diese Auszeichungen in dieser Rubrik? Die einen Titel wurden oder werden eingestellt. Und die anderen haben keine wirkliche Daseinsberechtigung. Als es dem Zeitungsdruck nicht möglich war, 4-farbige Anzeigen in guter Qualität zu drucken, waren Magazin-Beilagen die Idee, um genau dies zu tun. Heute bringen – vermute ich mal – Beilagen kein Geld. Sie kosten.

In der Rubrik Typografie kamen Audi/Coastline Marina (Mutabor Design), Feld Hommes/Das Spiel ist aus (Loved), Mercedes Benz/Read the Street (BBDO Germany), Augsburger Allgemeine/Typographische Verbrechen (Scholz & Friends) und Rowohlt Buchtrailer/Dinge geregelt kriegen (iRead Media) auf die Shortlist. Pikant: der Rowohlt Typofilm ist dem Pulp Fiction Typofilms sehr ähnlich.
Gute Typo sieht man im TDC.

Die am Häufigsten ausgezeichnete Arbeit gab es für Hornbach/Heimat (Das Haus der Vorstellung). Ein zur Sanierung leer stehendes Berliner Mietshaus wurde in einen Aktionsraum für Kunst und Kultur verwandelt. Das Heimat-Team um Chef Guido Heffels hat allen Applaus verdient. An diesem Beispiel wird jedoch auch deutlich, wie Werbung in jeden Kommunikations-Kanal drängt. Kanal und Kanäle (wie oft habe ich diese Wörter auf dem ADC Gipfel gehört), mindestens so wichtig wie Relevanz! Es gibt keinen Fleck, der nicht von Werbung besetzt wird. Das macht sie für viele auch so unerträglich. Kein Kino-Film ohne Productplacement, keine Turnhalle, kein Skilift, kein Schwimmbad, kein Golfplatz ohne Banner. Kunst, Streetart, Poesie, Literatur, Tanz und Theater – alles wird von der Werbung eingenommen. Selbst Wandern ist nicht mehr Wandern (Sony Ericsson Walkman Mobiltelefone/Fan Walk 2008). Und wir machen alle schön mit.

Versöhnlich: Der Vortrag von Till Hohmann (Regional Kreativchef von Memac Ogilvy & Mather Dubai). Einer der wenigen, der das Thema Revolution in seinem Vortrag aufgegriffen hat. Spannung, Neugierde, Zuversicht, Experiment, Tradition, Moderne, Umbruch, Familie, Freundschaft bilden täglich die Themen der Region Arabische Golf. Dr. Angelika Taschens amüsantes und sehr sympathisches Gespräch mit Jochen Rädeker zum Thema »Revolution? Aber bitte mit Hochglanz« führte zur Aussage »Kreativität hat hauptsächlich mit Fleiss und Disziplin zu tun, sonst nutzt einem auch das Größte kreative Talent nicht«. Das lassen wir, »am Ende des Tages« mal so stehen. Auch ein Satz, der bei diesem Gipfel zum geflügeltem Wort wurde.


Jury 17





Vortrag Till Hohmann

Richard Pandiscio

Die Chefs führender deutscher Werbeagenturen im Gespräch

Taschen/Rädecker

Sophie Clements

Raban Ruddigkeit, Freistil Präsentation in der Focus Lounge


Bildlegende ganz unten, unlesbar.













Ausstellung

Die Arbeit PIE BIBLE wurde, weil zu Pornographisch, in der Ausstellung nicht gezeigt.

Signierstunde Freistil Illustratoren



Bücherbogen

Das social-art-project www.think-new.org hat den Gipfel der Kreativität wörtlich genommen. Rebellische Aktion - Initiatorin Gabi Lück.

Gast

Armes Design-Deuschland! War auch da ... hab viel Geld ausgegeben um mir viele mittelprächtige Arbeiten anschauen zu können. Dieser ganze JvM-und-Konsorten-Kram ... schrecklich.

Der Typo-film hat mich fast umgehauen. So dreist zu klauen muss man sich auch erst mal trauen.

PS: Die interessantesten Arbeiten waren draussen in hässlichen Containern "ausgestellt". Da hat man nämlich die Studenten-/Nachwuchs-Arbeiten (dicht gepfercht, auf Spanplatten gepinnt) hin verbannt. Tja, oben ist auch kein einziges Bild einer Nachwuchsarbeit, dafür das Slanted im Bookstore ... na ja. :/

Riedel

Ich frage mich, wieso die Werbung für Schokoladenzigaretten ausgezeichnet wurde. So eine Arbeit einzureichen finde ich schon dreist.

Gast

die schokoladenzigaretten wurden in der kategorie »fotografie« ausgezeichnet und dort völlig zurecht, wie ich finde.

Gast

war schon eine schwierige situation für die jurys, gerade bei kategorie 17, ich denke das wurde auch an die ADC leute herangetragen und wird sicherlich nächstes jahr optimiert werden.

was ich aber definitiv beeindruckend fand, ist die tatsache, dass zwischen dem zustand auf bild 1 und dem zustand auf bild 12 gerademal 12h verstrichen sind, respekt!, das in dieser zeit so schnell hinzustellen.

Bernie

ADC, der Affenhügel der Kreativität, da kann man nur mit dem Rollstuhl vorbei, denn das Hirn hat schon längst die weisse Flagge gehisst.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Werbung nichts weiter als eine zivilere Form von Propaganda ist, so wie 12V-Strom einen kitzelt, statt wie Starkstrom einen röstet, ist Werbung ergo eine milde Form von Gehirnwäsche.

Eine sachliche "Information" wird anders bewertet als eine mit Highglossbildchen, Teasertexten und Grafikgimmicks angefüllte "Vision", sei sie jetzt medial oder printtechnisch multipliziert in den Äther geworfen. Man kann ja bspw. sagen: Schaut Euch den Film mit Brad Pitt an. Solide gemacht und gut ist. Die andere Variante ist, dass man in Jungmädchenpostillen jahrelang Bildserien über ihn bringt, mit nacktem Oberkörper und so fort, und somit eine Prägung erzeugt, so wie man ein Tier auf Verhaltensformen prägt.

Brad Pitt steht als Schauspieler seit ca. 18 Jahren im Rampenlicht (seit Thelma & Louise). Das ist eine sehr lange Zeit. Insofern baut unsere Werbewirtschaft durch ihn ein bestimmtes Rollenmodell auf, multipliziert es auf alle möglichen Werbeträger wie Magazine, Film, Video, Radio und prägt somit eine sowie mehrere Generationen auf dieses Bild auf. Jetzt ist er mit seinem Counterfit, Angelina, verheiratet. Der Gegenpol. Zwei nichtssagende Gesichter, die Archetypen des Herrenmenschen in Reinform, per Nip/Tuck optimiert, Botoxgefüllt, von jeglicher Lebensfreude entleert. Click, Print, Multiply.

Somit wird eine Abhängigkeit von einem Rollenmodell aufgebaut und Filmkonsum ist nicht mehr als objektives Amüsement sondern als Kittung des brüchigen Selbstwerts anzusehen bzw. eine Rückversicherung für den (durch Werbung) programmierten Konsum. Man stellt somit sicher, dass die Zielgruppe alles konsumiert, wo Brad Pitt draufsteht, ohne darüber nachzudenken, denn Nachdenken würde ggf. bedeuten, dass man sich seiner (von der Werbung) zugedachten Rolle bewusst wird. Und dann schlägt das Pendel meist unerbittlich in die andere Richtung. Kunde verloren.

Wenn sich nun die Werbeindustrie selbst feiert, wie soll sie das machen? Kann ja nicht hingehen und die Fakten auf den Tisch legen, denn intern tun sie es ja und jeder nickt zustimmend. Aber was macht man für das gemeine Volk? Ein bisschen Show! Ein paar verklausilierte, nichtssagende Platitüden, ein bisschen "Was ich gelernt habe" – als ob sie nur Kuchen backen würden und den Hefeteig verbessert hätten. Man stellt sich als kleines Männchen dar, das die Welt mit grossen Knopfaugen betrachtet und nur das Beste für die Menschen will. Aber man umschmeichelt sich erstmal selbst.

Das hat Stefan Sagmeister auf sehr brilliante Art vorgelebt. So baut man sich eine Aura auf: The loving and caring designer. Stefan schreibt z.B. auf seiner Webseite: "Branding is overrated, outdated crap." Nun ist aber Stefan der Prototyp des Selbstbranders; trieb es sogar so weit, sich selbst zu »ritzen«. Und das ist zugegeben sehr fein ausgedacht. Er schafft den Spagat zwischen Systemkritik und Selbstverherrlichung in einem Sujet. Er opfert sich auf dem Altar des Mammons. Sich selbst zu kreuzigen wäre zu banal, sich selbst zu ritzen hingegen auffällig, weil neu. Inhaltlich aber das gleiche Spiel, doch besser verpackt.

Schaut man sich die Exponate an, und erkennt, an welcher Stelle die Grosskupferten stehen, und an welcher die neuen, ggf. interessanteren, Beiträge hinverfrachtet wurden, fällt eine gewisse Hierachisierung auf.

Abteilung Grosskupferten: Bilderserien mit rauchenden Kindern? Interessant, denn das Gehirn klebt das Lieblingslogo gleich mit dazu. Invisible Branding. Wonderful. Solche Exponate informieren kaum, aber sie erinnern das Gehirn an die Prägungen der vorangegangenen Jahre, treiben zu merkwürdigen Gedanken, und dann zum Konsum. Genauso wie man jahrelang in Filmen die Hauptdarsteller rauchen lässt, weil man weiss, das die Zuschauer automatisch zur Kippe greifen werden, denn man inhaliert ja mit ihnen mit.

Zudem ist Form, Haltung und Beleuchtung der Menschen gleich derer in der Werbung von JOOP, BOSS etc. – zurückzuführen auf die Formgebung von Leni Riefenstahl, und die wiederum zurückzuführen auf die der alten Griechen, wobei der Unterschied dahingehend besteht, dass die Griechen den Menschen verehrten, wohingegen Leni einen Idealtypus, einen Archetyp des Herrenmenschen schuf. Wie schon erwähnt, ist unsere Werbung heute nichts weiter als ein Instrumentarum der Idealisierung des Produkts und seiner Wirkung auf deren Besitzer sowie seiner Umwelt. Nicht der Mensch steht in der Werbung auf dem Thron sondern das Produkt; und der Mensch kniet vor ihm, wie vor einem König. Es ist eine subtile Aufforderung zur Unterwerfung. Nur, wir merken sie nicht. Werbung fordert uns auf, dem Idealtypus zu folgen, das Produkt zu kaufen, um dem Ideal nahezukommen, aber nicht voranzuschreiten, was ja die Intention negiert. So wie unsere christliche Religion uns auffordert, den Lehren Jesu zu folgen, sie nie in Frage zu stellen, was einer Sünde beikäme. Man kann in der Abfolge der Aufforderung und Intention sowie Konsequenz eine Übereinstimmung von Religion und Marketing beobachten.

Bsp: Gabi Luecks "Think New" Kampagne. Mit "religösen Eifer" fordert sie die Menschen zu einem Umdenken auf, ergo, sie geriert sich als Neo-Jesusfigur. Ihre Botschaft beginnt mit einem Sermon über das Leid der Welt: der Verschmutzung der Meere, der Umwelt, der Luft. Die Lösung: Denke Neu! Denke anders! Denke um! Die unausgesprochene Konsequenz ist natürlich die, dass man sich versündigt, lehnt man dieses "Konzept (= die Predigt) ab, denn man steht ja ganz schön dumm da, wenn man nicht, wie gewünscht, mit seinem Wahlschein (seinem Generaleinkaufsbon) zwischen Gut und Böse unterscheiden will. Ist das eine moderne Form des Ablasshandels? Momentan kann man das nicht festschreiben, denn es fehlen ja die "Think New" Sponsoren, die zukünftigen Benefitoren. Oder?

Abteilung Neulinge: Das die an den Nebentisch, sprich Container, verfrachtet wurden, wird wohl mit "organisatorischen Gegebenheiten" verklauseliert – aber, man soll ja trotzdem sehen, wo sie stehen: Draussen vor der Tür, wartend auf Einlass. Das man hier einwenden kann, dass Slanteds Neotittentypoporno ebenso im Container verweilt, ist dahingehend logisch, weil in den Containern die Souvenirs feilgeboten werden, während im Tempel die Messen, also die neuen Deals, zelebriert werden.

So funktioniert nunmal die Welt. Denn Werbung ist kein Metier für anspruchsvolle Grafik. Grafik dient nur als Vehikel für die Botschaft, und solange die jungen Wilden meinen die Welt umkrempeln zu müssen (was sie meiner Meinung auch sollen), werden sie nicht an den Futtertrog der grossen Etats rangelassen, denn ein Etat hat eigene Regeln zu vertreten. Wenn man sich dann endlich bückt, bekommt man hinten erstmal einen rein, wenn man sich weiter bückt, ein Stück Kuchen. Und dann, vielleicht, seine eigene Kuchengabel.

Jetzt wisst Ihr auch, warum es Flüssigseife gibt. Cremig sanft. Flutscht.

So long, B.

lars

> was ich aber definitiv beeindruckend fand, ist die tatsache, dass zwischen dem zustand auf bild 1 und dem zustand auf bild 12 gerademal 12h verstrichen sind, respekt!, das in dieser zeit so schnell hinzustellen.

ja, fand ich auch beachtlich.

René

> So funktioniert nunmal die Welt. Denn Werbung ist kein Metier für anspruchsvolle Grafik. Grafik dient nur als Vehikel für die Botschaft, und solange die jungen Wilden meinen die Welt umkrempeln zu müssen (was sie meiner Meinung auch sollen), werden sie nicht an den Futtertrog der grossen Etats rangelassen, denn ein Etat hat eigene Regeln zu vertreten. Wenn man sich dann endlich bückt, bekommt man hinten erstmal einen rein, wenn man sich weiter bückt, ein Stück Kuchen. Und dann, vielleicht, seine eigene Kuchengabel.

Schreibt das einer der noch im Studium steckt oder der echte Ché Guevara, der es glaubt nicht nötig zu haben sich selbst zu zitieren? Was willst du mit diesem Text inhaltlich überhaupt zum Ausdruck bringen? Als ob es reines Grafikdesign gäbe das keinen werblichen Zweck verfolgt.

Abgesehen davon wüsste ich nicht was es schlechtes an einem Hornbach-haus zu finden gibt, wenn es ein Angebot schafft, das die Menschen fasziniert, inspiriert und spaß macht.

Gast

na ja bernie, zumindestens wurde keine arbeit ausgezeichnet, die so ziel- und sinnlos vor sich hinblubbert wie dein text. ist doch auch was.

Gast

amen

Sharif

Als ob es reines Grafikdesign gäbe das keinen werblichen Zweck verfolgt.

Dafätist! Ja, natürlich ist Grafikdesign nicht nur ein Verkaufsargument. Das man wie @bernie mit seinem guten Kommentar erst einmal darauf hinweisen muss, stimmt mich traurig (ich weine jetzt aber deshalb nicht gleich). :)

Bernie

Es geht darum aufzuzeigen, dass Werbung einen eher unrühmlichen Ursprung hat, weil die Marketingtechniken abgeleitet sind aus den Propaganda-Handbüchern Goebbels'.

Sicher kann ein Hornbachhaus interessieren, aber das hat mit Werbung nichts zu tun. Ich sagte ja, dass eine sachliche Information (Haus, 2-stöckig, mit Garten, etc.) etwas anderes ist als eine Vision, die mir Dinge vorgegaukelt, die ich mit dem Haus dazukaufen würde (Ruhm, Ansehen, Weiber, Glück, Wohlbefinden, etc.) Und Werbung ist nunmal darauf konzipiert, mir diese Vision zu suggerieren. Wenn ich einem Mädchen permanent suggeriere, dass es zu dick sei oder dass sie nur glücklich sein kann, wenn sie bestimmte Sachen auftragt, dann ist das Manipulation. Wenn ich es hinkriege soviel Medienkontrolle auszuüben, dass fast jeder Beitrag irgendeine Form von Werbung ist, kann ich eine ganze Bevölkerung brainwashen. Und das ist nunmal mein Gefühl, wenn ich in die Medienlandschaft schaue.

B.

René

@Sharif
Meinten Sie: Defätist?
Wer hat den behauptet Grafikdesign wäre NUR ein Verkaufsargument? Niemand. Man kann es aber auch nicht davon freisprechen, denn sonst wäre es Kunst.
Und da man Form und Zweck im Grafik Design nicht trennen kann, frage ich mich warum man es überhaupt vom Begriff "Werbung" abgrenzen muss als wäre es etwas besseres oder das nonplusultra. Keines von beiden schließt das andere aus.

Wer Angst vor "Kommerz" hat sollte Künstler werden, aber bloß kein Guter. ;-)

@Bernie
Ist dein Beitrag wirklich so eindimensional das man Reaktionen darauf so zweidimensional klassifizieren kann? Das entbehrt tatsächlich jeder Diskussion.

René

>> Es geht darum aufzuzeigen, dass Werbung einen eher unrühmlichen Ursprung hat, weil die Marketingtechniken abgeleitet sind aus den Propaganda-Handbüchern Goebbels'.

Das ist Historisch aber nicht ganz richtig. Werbung gab es allerdings auch schon vor 1933.

All die Strategien denen Marketingtechniken folgen sind vor allem aus einem abgeleitet. Aus dem Verhalten der Menschen die man versucht anzusprechen. Reines Balzverhalten. Das machst du nicht anders wenn du versuchst eine Frau anzusprechen und Sympatisch auf sie zu wirken. Nur das es da eben dann um dich geht und nicht um eine Marke oder ein Produkt.
Die frage ist ab wann das ganze denn unrühmlich wird.
Etwa ab dem Punkt in dem du um eine Frau buhlst die dich gar nicht haben will? Das kann man gerne diskutieren und hinterfragen. Aber der Ursprung ansich kann eigentlich nicht unrühmlich sein.

Bernie

Du solltest meine Zeilen etwas genauer lesen: Ich sprach von Techniken des Marketing; Vermarktungsstrategien, Selbstdarstellung, Werbung für sich, für Produkte, für Lebensweisen. Und deren Anwendung in der Öffentlichkeit.

Das habe ich in dem oberen, längeren Artikel bereits an Beispielen festgehalten.

Werbung gab es schon vorher, richtig. Aber erst Ende des II. WK konnten die Kommunikationskanäle dahingehend aufgebaut bzw. verfeinert werden, damit diese Menge an Kontaktmöglichkeiten (TV, Radio, Magazin, Kino, etc.) erst richtig möglich wurde. Und auch die Geschwindigkeit, mit der es möglich wurde, fast überall Nachrichten bzw. Botschaften zu senden.

Bsp Radio: Es weiss wohl kaum einer, dass Radionachrichten für alle Radiosender in Deutschland aus einem Nachrichtenticker kommen. Das ist der Verteiler. Aus diesem Verteiler werden auch Nachrichtensendungen für das Fernsehen gespeist. Somit liefert wirklich nur eine Stelle das gesamte Nachrichtenangebot. Die Sender bereiten die Informationen nur noch nach ihrem Design hin um.

Und genau so funktioniert das Marketing bzw. die Werbung.

Und viele dieser Techniken kommen nunmal aus unserer dunklen Periode, weil Goebbels objektiv gesehen ein genialer Marketer und Werber war. Sozusagen der Prototyp dessen.

Und ist es nicht wirklich stramm, wenn ein Stefan Sagmeister sich selbst ritzt? Ich verherrliche es nicht, aber ich verdamme es auch nicht. Ich sag es nur, wie ich es sehe: Was man nicht alles für Aufmerksamkeit macht.

B.

René

Aber demnach hätte nicht Werbung den unrühmlichen Ursprung sondern das moderne Marketing. Unpräsize Formulierung, unpräzise aufnahme der Informationen. Egal aus welchem Kanal sie stammt ;-)

gabi

NEO-Jesusfigur?

Ich wußte garnicht, das ich einen Heiligenschein habe,
muss noch mal nachschauen, ob ich da was übersehen hab.
Vielleicht sollte ich auch mal versuchen, übers Wasser zu laufen.
Aber was Predigten angeht, kennst du dich ja offensichtlich gut aus.
Ich fand Deine auf jeden Fall sehr erleuchtend. Eine rhetorische Meisterleistung.
Aber sag mal, tust auch was oder redest nur? Ich versuch’s immerhin.
Ohne den Anspruch zu erheben, die Lösung für alle Probleme gefunden zu haben.
Von meinem Standpunkt ausgesehen habe ich keine hidden Agenda,
nur Impulse, Wünsche und Visionen. Was ist eigendlich die Ursache allen Übels? Hat das System Kapitalismus einen Ewigkeitswert?
Es ist doch unglaublich wieviel Kapital aufgebaut wurde,
ohne realen Gegenwert.
Müssten wir nicht das Zinssystem eliminieren?
Wer sind den die Nutzniesser der Krise? Die Hochfinanziers?
Geld zurück an Sparer geben, nicht an alle Banken?
Zurück zur Tauschwährung gehen? Warum sind die Gehälter
vom Manager zum Handwerker so gravierend?
Wer legt den Wert dafür fest? In Norwegen ist der Unterschied
nicht so krass, auch nicht zwischen Mann und Frau.
Müssten wir nicht die Vorschriften vereinfachen? Geld abschaffen,
weil wir eigendlich noch nicht reif dafür sind? Egal,
wenn wir wählen würden, würde das System nicht doch das Gleiche
bleiben? Ist da die Schweiz nicht viel basisdemokratischer?

Und sollte nicht auch die Werbung und Design neu laufen lernen?
verantwortungsbewußter, nachhaltiger und wie Du selbst sagst nicht
von oben herab, sondern auf einer Ebene?
Und ja hier Sponsoren zu finden, die ethisch moralisch “sauber” sind,
ist auch ein Kunststück. Deshalb bastel ich
an einem -code of conduct- für Sponsoren von www.think-new.org,
wenn mir bis dahin nicht die Puste ausgeht.

Bernie

Du hast recht, René, Marketing und Werbung kann man trennen, ich sehe es jedoch oft im Verbund, gerade heutzutage. Aber, ich hatte bereits im ersten Abschnitt einen Unterschied definiert, indem ich zwischen sachlicher Information und fabrizierter Vision sprach. Mir gefällt eine sachliche und gute Werbung, oh ja, aber Blödsinn, bspw. über einen 2.5 Tonnen schweren SUV von Audi, mit BlueMotion oder BlueTec oder oder oder GreenEnergyRedistribution und so'n Zeug ist einfach dummes Gelaber, weil diese Kisten mehr Dreck generieren als ein Kleinwagen von Opel, und viermal soviele Resssourcen fressen – in Produktion und späterem Gebrauch. Allein in den Reifen könnte man ja schlafen gehen.

Und noch was, meine Kommentare sind natürlich meine subjektive Meinung und wenn einige denken, dass ihre unqualifizierten Gegenkommentare - so wie der dieses Gastes – mich in irgendeiner Weise formen, liegst Du etwas daneben. Es macht mir einfach Spass, solchen Dampfplauderern, solche mit grosser Fresse und null Eigenmeinung, dementsprechend zu begegnen. Aber da dies nichts nutzt, und ich auch nicht in Fahrt war, habe ich ihn gelöscht/geändert.

Gabi, wir hatten das Thema doch woanders eingehend durchdiskutiert und ich hatte genau dargelegt, was ich von all dem halte. Das Problem sind nicht wir sondern das industrielle System, richtig. Aber das soll sich bitte zu Lösungen verpflichtet sehen, und nicht uns als Verbraucher dazu verdammen, ewig und drei Tage dagegen angehen zu MÜSSEN. Es hat was ermüdendes. Und wenn Du jetzt auch noch damit ankommst, höre ich zwar zu, aber wirklich rühren werde ich mich kaum noch. Bin nämlich müde.

Weisste Gabi, es hat was lächerliches, wenn ich sehe, dass ich Plastikmüll trenne, damit der, statt in den Brennofen, gehäkelst im Pazifik landet. Das ist unglaublich toll, da gebe ich Dir recht, aber was kann ich denn tun? Einen THINK NEW Aufkleber basteln? Ist auch Plastik.

Schaut mal den Film "Free Rainer". Ziemlich gute Ansätze.

Gast

Danke für den Film Tip , werd ich mir auf jeden Fall ansehen.

Was kann man tun? Du hast Recht die Industrie sollte sich vorrangig darum kümmern! Was aber, wenn hier zu wenig passiert?
Sollte man sich nur darauf verlassen? Richtet sich die Industrie nicht nach den Bedürfnissen? Ist denn hier ein breites gesellschaftliches Bewusstein der Zusammenhänge vorhanden? Ja, ja die Lohas. Gähn. Weiss das Gros, vom Plastikteppich, oder davon, dass man z.B. mit jeder gekauften Billigmilch, den Bauern das Leben
schwer macht? Und was das dann für Folgen hat? Liegt es daran, dass uns die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, noch soschön, ungreifbar weit weg sind? Schieben wir es hier hin, dort hin, weg von einem selbst, hin zur Industrie? Fängt nicht
Veränderung bei einem selbst an?

Wir MÜSSEN GARNIX , als MENSCHEN KÖNNEN WIR HALTUNG und RESPEKT ZEIGEN.
Und können wir das u.a. Nicht auch, indem wir lernen Kontexte mehr zu hinterleuchten, wacher zu werden – und strategischdie Bösen, von den Guten zu unterscheiden wissen?

Wer schreiht denn jetzt auf, wenn einer z.B. Discounter- Milch mitbringt, die den Bauern das Leben schwer macht? Du? Oder NPD-gesponserte Produkte? Denkst Du nicht , dass die Zeiten des COVER YOUR AS MANAGEMENT ausgedient haben? Ist es nicht längst überreif, ehrlich zu werden? Kein Aufkleber der Welt mag das als Aufkleber ändern, aber als
Signal-Aussage stehen Menschen, die bei sich anfangen dahinter.
Und auch der thinknew- Aufkleber wird noch nachaltiger.

Eine Druckerei in der Hinsicht zu finden, war auch eine lange Suche.
Was neu für mich war, ist die Tatsache, dass man sogar auch Vegan drucken kann.

CHR15

… ja und woher stammen eure informationen bzgl. der milchbauern, der finanzkrise, der ökologie? wir hatten das thema bereits bei der sinnentleerten publikation DESIGN ECOLOGY (oder so).

bernie hat insofern recht als das er der informationsquelle als solcher einen hohen stellenwert einräumt. und genau daran führt kein weg vorbei, wenn jemand die mitunter verdammt lange kette an fakten, die eigentlich mal mythen waren, nachvollziehen will.

dieses utopistengeklüngel, think new-getue und nachhaltigkeitsgefasel – es tut mir leid, aber bleibt doch mal kurz stehen und hinterfragt. es gibt auch in deutschland inzwischen wieder genügend gute journalisten.

und selbst, wenn man (noch!) gar nicht so recht weiss, was von einer sache zu halten ist: KIND OF BLUE hören und mal kurz die klappe halten, bevor man sich der nächsten bewegung anschließt – sicherlich nicht das schlechteste. nicht umsonst steht THINK vor NEW.

hans schumacher

Danke, Chris, (wieder mal) eine gute Empfehlung ;-)

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