Das e-Mail-Thema scheint sich ja in verschiedenen Medien jetzt häschenmäßig zu vermehren. Eine inhaltlich als auch visuell sehr gelungene Variante fand sich letzte Woche in einem Essay mit dem Titel „Abfall an alle" von Adam Soboczynski im Zeit Magazin.

Die Illustrationen sind übrigens von Jody Barton. Bei der Gelegenheit möchte ich noch erwähnen, dass das einfach ein schönes Cover-Prinzip ist, mit dieser Doppel-Cover Lösung. Mit wenigen Ausnahmen gelingt es der Redaktion hier auch inhaltlich gute konzeptionelle Lösungen zu finden.

Bernie

Liebe Zeit,

Es ist sicherlich begrüssenswert, dass Ihr nach Jahren der Abstinenz Eurer Beilage eine Wiederkehr in den Publizismus beschert habt, und das in fulminant grandioser Layouttechnik. Dafür ein Applaus.

Aber … was wäre Optik ohne Inhalt, denn der Inhalt ist doch das was ich betrachte, wenn ich Euer kiloschweres Blättchen ab und zu aufblättere um zum eigentlichen Punkt des Interesses zu gelangen. Was mich so erstaunt ist die in hochintellektuelle Satzkunst verpackte Banalität bzw. Eure so erstaunlich verschleiernde Propagandatechnik. Glaubt Ihr im Ernst, Eure auf liberal getrimmte Hofprosa fällt einem nicht auf, jemand, der sich nicht unbedingt zwingend von Medienblättern den Lebens- und Denkweg diktieren lässt?

Sicherlich ist eine Massenmail mit Betreff "Alle" nebst uninteressantem Inhalt eine eher abtörnende Erfahrung, besonders dann, wenn man seinen Freunden und Bekannten die Postadresse des Arbeitgebers mitteilt oder sein Privatmailfach neben dem Arbeitsmailfach an besagter Arbeitsstelle laufen hat. Da machts Bing-Bing im Minutentakt, gelle?

Ist Euch Trivialliteraten mal in den Sinn gekommen, dass Menschen einander brauchen, und das solche Manöver versteckte Zaunpfahlwinkerei bzgl. eines Ausbaus der Sozialhemisphäre darstellen, sprich, die Leute zu Euch Kontakt suchen? Nö. Denn in Eurer unendlichen Arroganz bläht Ihr das Thema zu einem Aufreisser hoch und jeder schüchterne Mensch in Eurem Bekanntenkreis – denn sie werden in hoher Wahrscheinlichkeit, da sie Euch ja kennen, diese Artikel bzw. Eure Meinung zu lesen bekommen – wird sich in Zukunft zweimal überlegen, ob sie Euch nochmal anschreiben.

Wahre Freundschaft ist leise, zerbrechlich und braucht sehr viel Geduld. Und die meisten haben Angst vor solchen Schritten und versuchen sich über solche Aktionen wie dem E-Mail-Spamming. Was solls? Das Leben ist nicht perfekt und besonders nicht einfach.

Aber einfacher ist es darüber Häme auszukübeln und dazu bei Slanted für billige Werbung hierfür anzufragen.

CHris S

öhm bernie ... hast du die ausgabe eigentlich gelesen?

nora

@Bernie
Hier hat niemand billige Werbung angefragt. Hier ging es um Koinzidenz von Themen. Hier hilft manchmal lesen. Hier sind Leserbriefe bezüglich eines Zeit-Artikels an der falschen Stelle, abgesehen davon, dass es nicht sein kann, dass du den Artikel gelesen hast. So gut ist die Abbildung hier nicht ;-)

PS: Ich denke er würde dir gefallen. Der Inhalt des Artikels. Hämefrei übrigens.

Bernie

Liebe Nora, ich habe den Artikel hier liegen, er geht von Seite 11 bis 13, auf der nächsten fängt der noch uninteressantere Abriss über Madonnas Sexleben mit Jesus Luz an, Seite 14, nach der Werbung über 60 Jahre BRD, gesponsort von der ING DiBa, auf Seite (unmarkiert) 13.

Geplapper über Trivialität ist entweder lehrreich und erhellend oder einfach nur hochnäsig und flach. In jeder Firma dieser Welt ist ein interner Emailverkehr mit dutzenden wie hunderten an uninteressanten Flachsatzkonstruktionen ein alltäglich Ding. Darüber nun herzuziehen ist langweilig. Es ist eine Untugend und jegliches Naserümpfen darüber intensiviert die Trennung innerhalb der Gemeinde Mensch noch weiter, jegliche Differenz verstärkend.

Warum setzt sich der Autor hin und schreibt darüber? Weil er dafür bezahlt wird. Insofern verständlich. Aber Menschen sind Menschen. Und wenn man nicht anfängt für die Dinge die einen nicht sonderlich stören dennoch Verständnis zu zeigen, diesen lieber menschlich und statt (meisterlich umschrieben) abwertend gegenübertritt, können wir auch nicht die grossen Dinge lösen und uns weiterentwickeln.

Der Autor übernimmt lieber die Rolle eines Lästermauls, doch eine Lösung bietet er nicht, denn er hat sich bereits vorsorglich in eine Metaebene über den Kontext begeben, aus der er so wundervoll eloquent referiert. Somit gedenkt er uns als Leser die Rolle des stillen Beinickers zu, hoffend, dass sein Sermon uns derart beindruckt, dass wir weiterhin seinen Auslassungen folgen. Doch wenn man nicht über den Weg nachdenkt, kann das schnurstracks in eine Sackgasse, oder schlimmer noch, in einen Abgrund führen.

nora

Lieber Bernie: Noch immer: ich kann hier weder Häme kübelweise noch ein Lästermaul erkennen. Da sind eventuell die Geschmäcker einfach verschieden, was den Schreibstil anbelangt. Aber wie auch schon gesagt: Darum gings gar nicht explizit, sondern um die Zeitgleichheit von manchen Themen, die uns dann medial überrollen und überall mehrfach aufgekocht werden. Siehe dazu auch Posting von gestern bezüglich der Knigge-E-Mail-Publikation von Scholz.

lars

der titel ist mir auch gleich ins auge gefallen.

mit andré rösler beschäftigen wir uns auch gerade mit dem thema spam...
die sprache ist absolut herrlich...vor allem dann, wenn es darum geht die filter zu überlisten.

wer kennt gute theorie-bücher zum thema spam?
oder studien?

Edward

BERNIE: SUPER!

Auch wenn der Ort dafür falsch ist (Leserbrief an die Zeit) – macht aber nichts, die Gedanken sind klasse

Gast

naja, jedenfalls so ähnlich:
http://artschoolvets.com/store/show/1201198780

Sue

Es ist echt zum Haare raufen... nun hat mal den automatisierten Spam endlich durch intelligente Anti-Spam Programm im Griff.

Jetzt kommen die Angriffe aus den eigenen Reihen. Was die Kollegen doch immer an den Verteiler "alle" schicken. Kaum zu fassen... denken die es intressiert mich was die für langweilige Videos schauen wenn Sie mal wieder zu faul zum arbeiten sind?

Oder zum siebten mal Baby Bilder von einem Kollgen schicken den ich nicht ab kann? Mir doch Latte ob das Baby genauso dumm aus der Wäsche schaut wie sein Daddy ;-)

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