Convergence – das Thema der ATypI Konferenz 2016. Internationale Verbindungen mit und über Typografie – das zog die Teilnehmer aus der ganzen Welt zum 60. Jubiläum dieser hochkarätigen Veranstaltung vom 13. bis zum 17. September nach Warschau. Und tatsächlich wurde die ATypI ihrem Motto gerecht. Es stand besonders die Vernetzung und der Austausch der neusten Entwicklungen in den Bereichen Schrifthistorie, Font-Tools, Non-Latin-Schriftentwicklung und natürlich die Kommunikation mit Schrift im Vordergrund.
Die ATypI begann in diesem Jahr am 13. September im Polish Japanese Institute of Technology (PJAIT). Koryphäen auf ihren Gebieten, wie zum Beispiel Martin Majoor, Aleksandra Stępień, Georg Seifert und Rainer Erich Scheichelbauer, gaben 3–6 stündige Workshops in den Bereichen Type Design, Letterpress und der technischen Umsetzung asiatischer Fonts in Glyphs. Die Vielfalt an Workshops gab allen Teilnehmenden die Möglichkeit sich in dem persönlichen Interessengebiet weiterzubilden und den eigenen Horizont zu erweitern. 
Nach diesem intensiven, praktischen Tag fanden in den zwei Sälen des National Audivisual Institute (NInA) am Mittwoch, dem 14. September, zeitgleich Vorträge unterteilt in die Themenschwerpunkte Technology und Education & Business statt. Angefangen mit den aktuellen Entwicklungen von FontLab VI (Adam Twardoch) gleich gefolgt vom Konkurrenten Glyphs (Rainer Erich Scheichelbauer und Georg Seifert , fing der Tag im großen Saal »Technology« mit einem Kräftemessen der Softwaregrößen an. Bis zum letzten Platz gefüllt war das Auditorium bis zum Ende des Tages ein Ort für den professionellen Austausch der Technik-Elite. 

Für die Zuhörer der ATypI im Raum für Education & Business entfachte im Laufe des Tages eine Diskussion über die Rolle von Designern als Professoren und Dozenten an Universitäten. Sprecher wie Ashley Pigford und John Dowling berichteten von ihren Erfahrungen als Lehrpersonen in den Fächern Grafikdesign und Visuelle Kommunikation und den Aufgaben, die für sie damit einhergehen. Die Studierenden sollten auf ihre Zukunft als Kommunikatoren in der Gesellschaft vorbereitet werden und somit von der Macht im Umgang mit ihren Arbeitsmitteln wissen.

Ein anderes Thema des Tages, was sich allerdings durch viele Vorträge der Veranstaltung ziehen sollte, war der Umgang mit Font-Lizenzen und ihre Anpassung an die Bedürfnisse ihrer Nutzern. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik ist in Hinsicht auf die sich immer verändernden Anforderungen an Schriften notwendig. Roger Black machte in einem fünf-Minuten-Vortrag auf die Tatsache aufmerksam, dass in einer Zeit, in der Schriften umsonst genutzt werden können, sich Type Foundries Gedanken über ihre Stellung auf dem Markt sowie über neue Wege im Verkauf machen müssten. 

Einer der hochqualitativen, historischen Vorträge der Konferenz wurde am 15. September von Alice Savoie und Dorine Sauzet gehalten. Sie sprachen über ihre Arbeit an der Untersuchung von Ladislas Mandels Einfluss auf die Schriften, wie zum Beispiel die Galfra, die er für die gute Lesbarkeit in Telefonbüchern mit Schriftgrößen von 4–6 pt entwickelte. Dies war nur einer der vielen fundiert recherchierten Vorträge, die sich mit Schriftgeschichte beschäftigten. Später am Tag folgte hierzu ein wunderbarer Einblick in die geschichtliche Entwicklung von Layoutprozessen vor der Computerrevolution von Briar Levit, die mit ihrem sich noch in der Fertigstellung befindenden Film »Graphic Means«, abgeschlossen wurde.

Während dieses und der nächsten Tage, mit dem neuen Veranstaltungsort der Akademie der bildenden Künste in Warschau, war aber besonders ein Themenschwerpunkt zu erkennen: die Entwicklung von Non-Latin Schriften. Jan Charvat und Akaki Razmadze berichteten beispielsweise von ihren Fortschritten in der Ergänzung von Großbuchstaben für das georgische Schriftsystem und die damit verbundene Einbindung in das Unicode System. Sie betonten, dass die Entwicklungen in diesem Bereich wegen der eingeschränkten Nutzung noch nicht sehr fortgeschritten seien.

Ganz andere Herausforderungen stellten die Weiterentwicklungen von chinesischen, japanischen und hebräischen Schriften dar. Wie stets betont wurde, liegen die Wurzeln dieser Schriften in der langen Tradition der Kalligrafie, weshalb die Umsetzung für zum Beispiel Webfonts mit großem technischen Aufwand verbunden und deshalb sehr zeitintensiv sei.

Ganz andere Herausforderungen stellten die Weiterentwicklungen von chinesischen, japanischen und hebräischen Schriften dar. Wie stets betont wurde, liegen die Wurzeln dieser Schriften in der langen Tradition der Kalligrafie, weshalb die Umsetzung für zum Beispiel Webfonts mit großem technischen Aufwand verbunden und deshalb sehr zeitintensiv sei.

Auch die steten Entwicklungen der diakritischen Zeichen wurde zum Thema der Vorträge von u. a. Aleksandra Samulenkova und Zofia Oslislo, die auch die Bedeutsamkeit der Schrift als historisches Erbe jedes Volkes betonten.

Die unglaubliche Vielfalt der Vorträge wurde am Samstagabend mit einer besonderen Ehrung von David Lemon, der in diesem Jahr sein 20. Jubiläum bei Adobe Systems feiert, abgerundet. Dort ist er für die Produktion von Non-Asiatischen Schriften verantwortlich und ist seit der Geburtsstunde für OpenType verantwortlich.

In dieser feierlichen Stimmung ging die Veranstaltung nahtlos in die traditionelle ATypI-Party über, bei der bis spät in die Nacht die großartigen Ideen, Errungenschaften und Entwicklungen des letzten Jahres in der Welt der Typografie gefeiert wurden.

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