Nicht wirklich neu, aber dafür sehr erfolgreich (bei der jüngeren Frauen): Retro-Style und Kosmetikprodukte ist eine neue Variante, die in England und Amerika schon seit Jahren funktioniert, in Deutschland aber erst seit kurzem den Markt erobert.
Benefit fällt auf weil es im Kontrast zu dem edel-glam Look anderer Marken steht. Das interessante an dem Konzept: jede Verpackung sieht anders aus, wird mit andeneren Fonts und Illus bestückt. Die Retro-Thematik hällt die Kollektion zusammen.



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in Schriften






HD Schellnack
Obwohls mir rein handwerklich und visuell ja gefällt: Ich hab die Nase SO voll von Retro, daß ich keine Luft mehr kriege.
Im Kino laufen nur noch Remakes und Sequels, die Charts bestehen zu 80% aus lauwarmen Aufgüssen, die Architektur und Kunstszene kocht alten Tee auf und im Design ists nicht sonderlich anders.
Letztenendes ist solches Schulterblick-Design das Verwerten kollektiver Kindheitserinnerung, einer dumpfen vaguen Nostalgie, einer Sehnsucht nach Harmonie und Ornament. Umso interessanter, wie stark die deutsche Designszene ausgerechnet auf amerikanisches Retro abfährt. Starbucks olé. Da werden nicht einmal mehr wirklich egene Erinnerungen verarbeitet, sondern mediale Implantate aufgearbeitet. Was hier passiert ist wenig mehr als Kitsch in seiner schlimmsten Form, süßlich und bejahrend wie ein Meg-Ryan-Film. Design, das dich im Schlaflied einlullt und dir verspricht, daß alles alles gut wird.
Was alles recht cool ist und nett ausschaut, aber vergißt, daß wir als Designer – Architekten, Industrial und Grafik – eigentlich über die Zukunft nachdenken könnten und vielleicht auch sollten. Dass wir nicht Bewahrer sind, sondern Zerstörer und Aufbauer, praktische Futurologen.
Ah, ich bin nur mies gelaunt, weil im Kino von 4 Trailern 2 Filme reine Remakes waren und 2 Sequels einer etablierten Serie. Wir stehen jeden Tag ein bißchen mehr auf der Stelle und dann und wann nervt das schon ein bißchen.
Ich hab dann manchmal ein bißchen Heimweh nach der Zukunft.
Thierry
HD:
«Umberto Eco hat gesagt, dass unsere Zeit sich dadurch von anderen unterscheidet, dass unser Leben durch schon gesehene Bilder gefiltert ist. Er nennt das Lebensweise aus zweiter Hand»
(«Es könnte so oder auch anders sein, Nachdenken über Grafik-Design» von Manfred Kröplien)
Max
Wahre Worte, HD Schellnack. Unsere Kultur versumpft im Niemandsland zwischen Remake, Kitch und Imperial-CopyPaste und produziert sich im Abkupfern von alten Zitaten. Unsere Sprache wird MS-Spellcheckerkompatibel gemacht, unsere Kinder trainieren für ein zukünftiges Ghettoleben, in dem sie bereits jetzt ihr ganzes Geld für Schlabberlook und Assi-Style zum Fenster rausschmeissen. Die Eltern geben einfach auf, Angst, dass ein paar saftige Ohrfeigen oder Stubenarrest eine Schmerzensgeldklage mit sich ziehen könnte. Unsere Designer, die imgrunde aus einem Herr von halbausgebildeten Mediengestaltern besteht, dümpelt dem Ausguss von Altknochen wie David Carson hinterher, sich wundernd, warum unter der ersten Schicht nur gähnendes Nichts zum Vorschein kommt aber nie, nie, nie irgendeine Konsequenz aus diesem zieht, geschweige den eine Erkenntnis. Es ist schade. Aber das ist das Ergebnis, wenn man nicht wirklich ein Resümee zieht sondern die Augen vor der Realität verschließt, sich albernen Diskussionen hingibt, imgrunde null Ahnung von nichts einbringend, denn es ist ja entlarvend, einfach mal zu sagen: Ich hab keine Ahnung. Im Gegenteil. Es wäre erfrischend! Aber wir sind ja alle darauf konditioniert, eine zu haben, oder? Aber das ist ja etwas, was keiner hören will.
Max
Eines muss ich hinzufügen, um das gesagte etwas relativieren: Unsere Arbeit besteht ja hauptsächlich aus dem Zitat alter Dinge. Schrift ist auch nichts weiter als Zitat. Oft aber wird eine neue Form verworfen, da klassisches meist besser wirkt. Warum auch nicht. Das heute kaum noch was geht, liegt an der Multiplikation der wirksamen Konzepte. Wieviel tausend Filme gibt es, die das gleiche Strickmuster enthalten? Wieviel Logos, wieviel Häuser? Beton? Heute geiles Material, früher zum Bunkerbau. Es kommt darauf, wie man es macht. Die oben gezeigten Samples sind nicht wirklich repräsentativ, mehr American Design an sich. Aber die wollen auch nicht die Welt neu erfinden sondern verkaufen. Und je schneller man ein Konzept eruiert, desto schneller hat man den Paycheck in der Hand.
Ein bisschen heulen auch Sie der alten Zeit hinterher, HD. Oder? Ich auch.
Micha Heidinger
Selbst wenn Du recht haben solltest, Max: was Du in Deinem ersten Post schreibst klingt ein bisschen zu verbittert und desillusioniert. Und Verbitterung ist definitiv nicht sexy. Führt auch nirgendwo hin.
Ich denke, wir können unsere Zeit und das Design unserer Zeit nicht objektiv beurteilen. Wir wissen nicht, was bleibt und was in 30 Jahren relevant erscheinen wird. Ist auch nicht unser Job.
Ich bin mir nicht sicher, ob beim Gestalten von Kosmetik-Verpackungen die Welt neu erfunden werden muss.
Meine zwei Cent...
lars
@ micha: Ich bin mir nicht sicher, ob beim Gestalten von Kosmetik-Verpackungen die Welt neu erfunden werden muss.
doch. sie muss es. das ist doch unsere aufgabe. ist neu gestalten nicht auch in frage stellen?
dazu siehe mein heutiges posting: autowerbung.
Thomas
> Ich hab dann manchmal ein bißchen Heimweh nach der Zukunft.
HD, das ist herrlich paradox … dein kommentar verbindet auf eigenartige weise launiges, mit einwänden die faktisch nicht von der hand zu weisen sind. ich finde, denken und fühlen sind in solchen momenten zwei seiten der gleichen medallie …
du fragst nach nicht weniger, als nach dem was zeitgenössisches design ausmachen sollte. eine harte nuss, die wir wohl am besten dadurch knacken, das wir immer wieder erneut versuchen zeitgenössisches design zu machen.
was die retroschiene angeht … klischeehaftes zitieren kann mal ganz lustig sein, ist aber nu wirklich keine perspektive. andererseits entsteht selten etwas total aus dem off, das auch noch substanz hat … es sei denn, man hat das talent und den ehrgeiz, sich in der gestaltung sozusagen als 'erfinder' zu betätigen. ich denke öfter, designer sollten in mancher beziehung ruhig etwas verrückter sein!
Micha Heidinger
»doch. sie muss es. das ist doch unsere aufgabe. ist neu gestalten nicht auch in frage stellen?
dazu siehe mein heutiges posting: autowerbung.«
ok, sie muss es. ich finde, innerhalb des komsetik-universums tun es diese aber verpackungen auch.
Gast
Ich komme aus Österreich und wüsste gerne wo ich speziell in der Steiermark oder in Wien Benefit Produkte bekomme.
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