Interviews

ÜberSchatten – Beleuchtung eines Unbekannten / Diplomarbeit von Sebastian Schichel an der Bauhaus-Universität Weimar

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ÜberSchatten stellt eine persönliche, subjektive Sammlung freier Arbeiten zum Thema Schatten in annähernd chronologischer Ordnung dar. Im Rahmen seiner Diplomarbeit hat sich Sebastian Schichel mit dem Thema Schatten auseinandergesetzt, agiert, reagiert und interagiert: »In freien fotografischen und illustrativen Arbeiten befasse ich mich mit der Wahrnehmung von Schatten im Alltag. Demgegenüber stehen, teils begleitend, teils als autonome Aussagen, sachliche Texte zur Schattenwahrnehmung, die einige spannende Überlegungen und historische Fakten zum Phänomen Schatten aufzeigen.«


Wir haben Sebastian ein paar Fragen zu seiner Arbeit gestellt:

Slanted: Was hat dich am Thema Schatten besonders interessiert?

Das Thema Schatten ist einerseits ein sehr offenes, breit gefächertes Thema. Angefangen bei der Astronomie, über die Metaphorik, hin zu architektonischen Schattenkonstruktionen tauchen Schatten in allen möglichen Lebensbereichen auf. Andererseits beinhaltet es aber auch einen sehr persönlichen Aspekt, denn jeder von uns hat seinen eigenen Schatten, der ihn ständig begleitet. Dazu kommt, dass der Schatten ein rein visuelles Phänomen ist. Und genau das war es, was mich am meisten interessiert hat. Aspekte wie die »Schatten-Metaphorik« bleiben in der Arbeit fast ganz außen vor. Die freien Arbeiten beschäftigen sich mit dem, was sichtbar ist, und nicht mit dem, was in den Schatten reininterpretiert wird. Es geht um rein visuelle Aspekte des Phänomens, die ich in verschiedenen Umgebungen, wie beispielsweise in den Bergen und in der Stadt, aus verschiedensten Perspektiven »beleuchtet« habe. Ich habe den Schatten, der oft keine Beachtung findet, sozusagen einmal aus seinem eigenen Schatten geholt.

Slanted: Auf welche Besonderheiten oder lustigen Fakten bist du während deinen Recherchen gestoßen?

Überraschend für mich war es, zu erfahren, dass früher Versuche und Studien zur Schattenwahrnehmung und zur Erkenntnis des eigenen Schattens von Kindern durchgeführt wurden. Dass der Schatten eine so große Rolle in verschiedensten Lebensbereichen einnimmt und trotzdem niemand von uns ihm so recht Beachtung schenk war mir zuvor auch nicht klar.

Slanted: Du hast dich mit illustrativen und fotografischen Arbeiten den Schatten genähert. Dabei sind sehr unterschiedliche Arbeiten entstanden. Gibt es ein System, wie du an welcher Stelle einen bestimmten Stil gewählt hast?

Ich habe die meiste Zeit intuitiv gearbeitet. Die verschiedenen Umgebungen, in denen ich unterwegs war, bildeten den Rahmen für das Entstandene. Ich arbeitete mit den Schatten in meinem Umfeld - wo immer ich war, weil sie sowieso immer anwesend waren. Die Art der Visualisierungen hängt von den jeweiligen Umgebungen ab. Die Wahl des Mediums war dabei wie gesagt größtenteils intuitiv.

Ich spanne einen relativ großen Bogen, vom Medium der Fotografie ausgehend bis zur Zeichnung am Ende. Das hat sowohl ästhetische, als auch formale Gründe. Die Fotografie hält sichtbares Licht in Bruchteilen von Sekunden in einer Fixierung von Schatten fest. Erst durch die Schatten auf den Negativen entsteht ja das Licht auf den Positiven. So war die Fotografie für mich im ersten Augenblick die geeignetste Methode, den Schatten festzuhalten und zu »konservieren«. Die Zeichnungen stellen einen Kontrast dazu dar. Man könnte sagen: Meine Fotografien zeigen einen, und nur genau diesen Augenblick. Meine Zeichnungen sind eine Konzentration von unzähligen Augenblicken auf einem Blatt Papier. Jeder Strich und jede Schattierung, die ich aufs Papier brachte, markiert einen bestimmten Moment in der Vergangenheit. Dadurch strahlen sie eine Fiktivität aus. Die Fotos zeigen die Wirklichkeit so objektiv wie es nur mit diesem Medium festzuhalten möglich ist.

Slanted: Und welche Rolle spielen die Texte in der Zeitung bzw. welche Art von Texten kann man dort finden/lesen?

Bei den Texten handelt es sich um sachliche Texte zur Schattenwahrnehmung. Man findet darin, teils als autonome Aussagen, teils aber auch begleitend zu den freien Arbeiten, historische Fakten und spannende Überlegungen zum Phänomen Schatten. Der theoretische und der visuelle Teil gehören zusammen, können aber auch getrennt voneinander betrachtet werden. Die Texte dienen dabei nicht dazu, die freien Arbeiten zu erläutern. Die Bilder erhellen und befragen die Texte, die Texte erklären nicht die Bilder.

Kontakt zu Sebastian unter www.sebastianschichel.de

ÜberSchatten
Beleuchtung eines Unbekannten

 

Gestaltung: Sebastian Schichel
Veröffentlichung: 2011
Umfang: 48 Seiten
Format: 47 x 31,5cm (Schweizer Format)
Sprache: Deutsch
Specials: Limitierte Auflage, 100 Stück
Preis: 11 Euro

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