
Aktuelle Ausgabe + Poster (100 x 70 cm, 10 Euro plus 4,30 Versand)
Zuerst gab es Econy. Dann kam Brand Eins. Auch heute ist Mike Miré ArtDirector, alle Titelblätter stammen von ihm.. Dessen Handschrift hat das Editorial Design der letzten Jahre in Deutschland stark beeinflusst.
Heute, nach 50 Ausgaben, wird Brand Eins, ein Wirtschaftsmagazin, von vielen Gestaltern gekauft. Nicht nur wegen dessen Inhalt, sondern auch wegen dessen gutem Design.
Meine persönliche Meinung: Etwas zu spröde empfinde ich oft die Fotos...die Typo ist schon vornehm zurückhaltend, was ja gut ist. Da kann die Fotografie ruhig frecher, bunter, radikaler sein. Typo: im stillen liegt die Kraft! Herrlich, nach dem Lärm den andere Magazine veranstalten...
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CHR15
was bei brand eins seit jeher fasziniert ist die qualität bei der themenauswahl. fast ausnahmslos interessant und vor allem unkonventionell direkt und erfrischend polarisierend. die autoren haben rückgrat und schreiberische rafinesse.
interessant auch der ansatz einen illustrationsstil konsequent fortzuentwickeln. dies geschieht auch mit hilfe von künstlern, die immer wieder mit sorgfalt themen individuell umsetzen.
von einigen wegbegleitern mike meirés ist immer wieder zu hören, dass das französische mag 'purple' die visuellen anreize zu brand eins gab. keine ahnung, ob das stimmt; anreize gibt's immer.
meirés schreibtisch bleibt stringent aufgeräumt und bietet meist nur einem kleinen reclam-heftchen platz.
ruhe für das formen von information. welch ein luxus. ich beneide.
Robert
Gestalterisch war BrandEins seit der ersten Ausgabe ein Novum. Dennoch kann man und darf man ihm hoffentlich auch vorwerfen, dass es heute seine optischen Stilmittel (Fotodilletantismus, Mnmldesign, Typodominanz) ebenso wenig auffrischt wie sein sich selbst in Endloschleife replizierender neoliberaler Inhalt.
Ansgar Seelen
Als ehemaliger Art Director des Magazines MinInternational bei Meiré und Meiré habe ich naturgemäß auch einige BrandEins Ausgaben, speziell Titel dort hautnah mitbekommen. Mike Meiré ist sicher einer der wirklichen Creative Director, die diesen Namen verdienen (und sich selbst einen solchen niemals zulegen würden). Er hat das Gesicht von vielen Magazinen (Kid's Wear, MiniInternational, Econy, MCKay etc.) geprägt, unsere visuelle Publikationskultur nachhaltig beieinflußt und ist ohne Zweilfel ein Vorreiter – sprich AvantGarde – und damit ein "visual Leader" geworden. Aber ohne die Platform, die Gabriele Fischer und ihr Redaktionsteam ihm boten, wäre ein solches Wirtschaftsmagazin (ebenso wie das Vorläufermagazin "Econy") schwerlich aus rein aesthetischen Designambitionen entstanden.
Zur Präzisierung der Aussage Zitat "alle Titelblätter stammen von ihm" darf ich hinzufügen, dass Mike über einen Stamm kompetenter Art Direktoren verfügt(e), u.a. Alice Chi, Florian Lambl, Katja Fössel, Monika Schmidt etc. die sicher einige Ausgaben mindestens "beeinflußt" haben. Es wird Mike nicht an seinem verdienten Mythos kratzen, wenn man sich klarmacht, dass in der Funktion eines Richtungsweisenden (Directors) und Visionärs infolge von Unmengen an kreativen und nunmehr auch künstlerischen Projekten zwangsläufig auch kreative Kontroll-, Delegations-, und Selektionsaufgaben liegen - und dieser sich einem Stamm Gleichgesinnter, Meiré-Homegrown-Designer bedient um diese als Multiplikatoren seiner "gestalterischen Vision" einzusetzen. Übrigens sind alle genannten ADs nun äußerst erfolgreiche Studioinhaber (StudioLambl), Lehrbeauftragte (Alice Chi). Die BrandEIns Redaktion wiederum verfügt über eine eigene kompetente Grafikabteilung, die visuell geprägt, einen ebenso guten Job macht.
Zur "spröden" Fotografie: setzt man das Erscheinen der ersten BrandEins (und damit eine redaktionelle Formulierung der Bildsprache, nebst Auswahl der stilbildenenden Fotografen) in zeitlichen Kontext, so kann man eine klare Linie zur damaligen zeitgenössischen künstlerischen Fotografie (Düseldorfer Schule) und progressiven Modefotografie sowie zur Dokumentarfotografie erstellen. Diese dokumentarische, oft auch unaufdringliche "stille" Fotografie, dient eher als Ausdrucksmitel und Unterstützung des journalistischen Inhaltes, der publiziert wurde. Dagegen sind die Collagen und illustrativen Elemente der Publikation (sowohl Titel, als auch im Innenteil) alles andere als spröde: oft genug sind es popkulturelle, visuelle Zitate (Beispiel Hommage "Sex Pistols") oder reale Kunstwerke (Beispiel "Yves Netzhammer"), die in einem Wirschaftsmagazin so nicht erwartet werden. Interessanterweise sind genau diese Aspekte Differnzierungsmerkmal am Kiosk (POS), die die BrandEins im egalisierten (gleichgeschalteten) Blätterwald zu einer erfrischend nonkonformen Konsumentenwahrnehmung verhelfen.
Letzlich sind es aber Charaktere wie Meiré und Fischer, die ein enges Zeitfenster in der Geschichte der Wirtschaftpublikationen genutzt haben, ihren Markt trotz Widerstände gefunden und bedient haben. Dazu gehört Mut. Daher: Respekt vor dieser Leistung, in einer Zeit, in der allzu oft die Profitmaximierung vor Qualität gestellt wird.
Gruss, Ansgar Seelen
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