Comic Fonts / Alles nur Boom, Zoing und Wusch?

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Donald Duck schimpft nicht in Futura. Garfield denkt nicht in Garamond. Superman rettet die Welt nicht mit der Helvetica. Hierfür gibt es schließlich Fonts mit so schön plakativen Namen wie "BlahBlahBlah!", "Monster Fonts", "Atomic Wedge", "BIFFBAMBOOM" u.v.m.

Comic Fonts dürfen und sollen mehr Eigencharakteristik haben, verspielter sein als andere Schriften. Sie werden schließlich quasi Teil der Bildsprache. Besonders wenn sie eine onomatopoetische Funktion erfüllen, also eine lautnachahmende, lautmalende. Ein "BUMM" soll natürlich so richtig schön knallen und nicht harmlos in Univers daherkommen.
Man neigt zur Annahme, im Comicbereich gäbe es mehr Spielraum bezüglich der Schriftwahl. Doch in den jeweiligen Sparten wie z.B. Science Fiction oder Gothic wird man ähnliche Fonts antreffen. Gerade Sprechblasen sind normalerweise recht schlicht gehalten, die Lesbarkeit soll schließlich gegeben sein. Meist fällt die Typografie in Comics auch nur dann ins Auge, wenn sie schlecht gewählt ist. Schade eigentlich.

Herrscht auf diesem Sektor also wirklich mehr Freiheit in der Wahl der Schrift, mehr Phantasie? Ich persönlich glaube nicht, jedes Medium hat schließlich seine eigenen Regeln.

Noch eine Fragen möchte ich hier aufwerfen: Werden Comic Fonts überhaupt ernst genommen? Sind sie schön oder nur zweckerfüllend?

Folgende Font-Beispiele sind von Comicraft – "The world´s greatest comic book fonts":




boomerang

ich denk´, dass grad ihre font-beispiele zeigen, dass comic-fonts recht hübsch sein können.
asterix und auch calvin-and-hobbes beweisen, dass die font im sprechblaserl sehr wichtig ist - sprechen doch asterix´ germanen in fraktur oder die griechen bei seinem auftritt bei den olympischen spielen in einer "helenika" (was für ein font-name, der kalauer musste sein).
comoc-font ist nicht gleich comic-sans - die font ist wie ein instrument und muss zur stimmung des comic passen.

HD

Comic-Schrift ist ein Kapitel für sich und kein kleines. Zumal gerade in den USA seit etwas über 15 Jahren ein gewaltiger Umbruch vom manuellen Lettering zum computergenerierten Lettering stattfindet, so wie analog derzeit der Inker langsam aber sicher ausstirbt und lange davor die klassische Coloration verschwunden ist zugunst von Photoshop-Effektorama. Es gibt noch versprengte Letterer, die auch in kommerziellen Comics von Hand arbeiten, aber im modernen Workflow ist das nicht nur unbezahlter Arbeits-Overkill, sondern eigentlich auch eine Komplikation in der Produktion, da es viel effizienter ist, direkt in Photoshop mit einem Font zu arbeiten. Spannend wird hier die Frage, ob man mittels intelligenter Fonts – etwa mit Hilfe der Flipper-Technologie von Letterror – dem dann oft allzu toten Lettering wieder Leben einhauchen kann. Ein Trend bei Marvel Comics war vor etwa einem Jahr, von durchgehenden Versalien, die die Sprechblasen in den USA seit den 30ern dominieren, auf gemischte Groß- und Kleinschreibung umzusteigen, was auf sehr gemischte Kritik gestoßen ist, so daß Marvel den Plan, diese Umstellung auf alle Comics des Verlages umzustellen, inzwischen aufgegeben hat. Mainstream Comics sind ein seltsames Medium, immer gefangen zwischen (oft virtuellem) Aufbruch und einer ewigen Nostalgieschleife, die verlangt, daß die Helden sich nicht allzusehr verändern dürfen. Das betrifft dann oft auch Papier, Farben, Schriftarten, Inking und Formate, bei denen die Fans allergisch auf allzu drastische Evolutionssprünge reagieren.
In deutschen Comics habe ich als Kind Ehapa stets gehasst, die einfach brutalst eine Druckschrift für Soundwords und für Sprechblasen verwendet haben. Übel. Zwar werde ich heute nostalgisch, wenn mir in einem kellerstaubigen Lustigem Taschenbuch Dröhn Schepper Klirr in serifenlosen Beamtenversalien entgegenprallt, aber trotzdem... es war schon besser, wie es der Williams-Verlag gemacht hat, der die Marvel-Comics liebevoll neu gelettert hat und dabei sogar aus dem H auf der Maske von Hawkeye jedesmal (und oft gruselig schlecht ;-)) ein F für Falkenauge zu retuschieren versuchte. Das ist doch fast so schön wie ganz alte US-Filme, bei denen die deutschen Verleiher noch Zeitungen und Schilder übersetzt, neu gefilmt und zwischengeschnitten haben.

Alejandro Ahumada

Hi, I don´t speak German, but I saw the image of comic fonts and they are great !! I want to know where can i get them for me to download, or if someone could send them to me.

THx
mau+

Dav, formlos

Alejandro, Welcome to Slanted.. :)
There is a link within the above post, directing you www.comicbookfonts.com, where you are able to purchase / download the fonts.. BlamBot ( www.blambot.com ) may be another nice resource for comic lettering type..

Gast

Hi lieber HD,

im Rahmen unseres Typographieunterrichts entwerfen wir ein Schulmagazin und unsere Gruppe widmet sich der Zeichensprache in Comics.

Wir fanden Ihren Kommentar zum modernen Lettering interessant und würden ihn gerne ins Magazin aufnehmen.

Wäre es in Ordnung für Sie, dass wir Ihren Beitrag abdrucken?

Vielen Dank

Freundliche Grüße
Katja Bazashvili, Sebastian Vogel

HD Schellnack

Huch, sorry, dass ich mich jetzt erst melde - das ist natürlich absolut okay. Danke an Tanja für den Link :-D Wenn ihr noch mehr braucht - mailt mich an ;-D. Ich glaube, Nora hat auch noch einen Text von mir zu Papier, bei dem es etwas um Comics geht (glattes Papier vs rauhes und so).
Viel Erfolg!!!
HD

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