Hier mal ein kleiner Leckerbissen für alle Comic-Fans unter euch (Paul Hoppe alias Nick Tornado sollte sich jetzt angesprochen fühlen :)
"Comicraft" ist sicherlich für viele die sich mit Comics und Typografie beschäftigen ein Begriff. Das amerikanische Studio wurde 1992 gegründet und vertreibt seit 1995 gezielt digitale Schriften für den Comic-Markt.
Auf ihrer Website www.ComicbookFonts.com findet man einen umfangreichen Katalog mit Schriften, die man zu verhältnismäßig günstigen Preisen für eigene Projekte erwerben kann.
Comicraft Fonts
Es begann eigentlich alles mit einem vermenschlichten Nilpferd namens "Hip-Flask", das der Comic- und Lettering Guru, sowie Begründer von Comicraft "Richard Starkings" ursprünglich als Maskottchen für die Firma erschuf. Der Werbeträger entpuppte sich als Kampfmaschine und entwickelte sich zur eigenen Comic-Serie. Die virtuose Gestaltung und Ausarbeitung der vermenschlichten Tierfiguren sorgten für ein breit gefächertes Interesse. "Hip-Flask" ist mittlerweile zum Kult in der internationalen Comic-Szene mutiert. Dieser ungeahnte Erfolg war auch der Wegbereiter für die Erfolgsgeschichte von Comicraft, die von da an für das Design, Lettering und Logos unzähliger US-Comics verantwortlich waren.
Der Schöpfer Richard Starkings blickt auf eine noch längere Erfolgsgeschichte zurück.
Er erlernte das Handwerk der Comic-Herstellung in den Zeichen- und Redaktions-Abteilungen von Marvel Comics in London. Starkings arbeitete als Cartoonist, Colourist, Writer und Produktions-Manager. 1989 zog er nach Kalifornien, wo er dann zusammen mit dem Typo-Experten John 'JG' Roshell das Studio "Comicraft" gründete. Schon damals lag die Priorität ihrer Arbeit darin, die Kunst des Letterings und Designs von Comics zu revolutionieren und US-Verlegern die Anwendung des digitalen Letterings nahe zu bringen.
Hip-Flask
Ihr Buch "Comic Book Lettering, The Comicraft Way"
(ISBN: 0974056731), gibt einen tiefen Einblick in die Welt des Designs und Letterings von Comics und führt durch den Produktionsprozess von den Skizzen bis hin zu den Lettering-Techniken. Das Buch gilt heute als Standard-Werk für die Industrie.
Auf einer weiteren Webseite von "Comicraft" namens "Balloontales", finden sich ebenfalls viele Informationen über das Lettering, sowie Antworten zu den häufigst gestellten Fragen über die Techniken der Lettering-Kunst.
Noch bis heute ist das kalifornische Studio überall auf dem Comic-Markt präsent und wird auch in Zukunft nicht von dieser Bühne weg zudenken sein. Zu ihren Kunden zählen unter anderem Konzerne wie: Adidas, Disney, Esprit, Hasbro, LucasArts, MTV, Nickelodeon, Nike und Universal Studios.
Weitere Informationen:
www.Comicraft.com
www.ComicbookFonts.com
www.Balloontales.com
www.HipFlask.com

Nick Tornado

Comicraft hat tatsaechlich den Look US-amerikanischer Comics veraendert. Die Logos, die dabei herausgekommen sind, sind oft erste Sahne. Wobei die Schriftzuege der US-Comics schon immer cool waren. Und es auch schon umgekehrt der Fall war: Comic-Typografie, wie Schriftzuege der alten Horror- und SiFi-Hefte, haben ihren Weg in die Fontkataloge renomierter Hersteller wie House gefunden (Spookhouse, House of Terror, House of Death...)

Moebius soll allerdings irgendwann gesagt haben, dass er sich wuenscht, dass jeder Zeichner sein eigenes Lettering machen sollte. Ist zwar ein Handwerk fuer sich, dass erlernt werden muss. Aber das Ergebnis lohnt sich: Der Strich der Zeichnung harmoniert mit dem Strich des Lettering, im Idealfall. Ein Lettering Font imitiert eine menschliche Handschrift, und Imitation ist meistens nicht medienadaequat. Schliesslich enthaelt ein Lettering-Font auch weniger "Leben" als eine echte Handschrift. Aber was auf den Europaeischen Autorencomic oder alle Independent-Publikationen anwendbar ist, funktioniert halt anderswo... anders.

Comicraft ist perfekt auf den Amerikanischen Massenmarkt abgestimmt. Hier muss es zack-zack gehen. Viele Comics werden sozusagen am Fliessband gemacht. Arbeitsteilung zwischen Idee, Plot, Vorzeichnung, Tusche, Coloration und Lettering ist an der Tagesordnung, und digitale Fonts passen prima rein in diese schnelllebige Comic-Industrie. Comicraft sind in dieser Hinsicht Pioniere, und haben das traditionelle Handwerk bestmoeglichst in die digitale Aera uebertragen. Ihr Katalog enthaelt, vor allem im Haedline-Bereich, etliche typografische Perlen.

Vor allem, wenn man "Rrrrummms!" schreiben moechte.

Fussnote:
Habe damals bei meiner Diplomarbeit selber Comicraft Fonts verwendet (Demo unter www.lucyskymond.de, don't safari). Fand ich ganz passend durch den cartoonigen Look.

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