Am 1. Juni 2010 fand an der FH Mainz die zweite Corporate Identity Konferenz statt. Vorab stellte sich die Frage, was erfrischendes zu erwarten ist, wenn man überlegt, dass Corporate Design für ein konsequentes und einheitliches Erscheinungsbild steht und sich unter anderem etablierte Kunden wie Heidelberg oder o2 vorstellen ...

Zu Beginn ist das Präsentationsprinzip zu erwähnen – Gestalter und Kunde stellten gemeinsam und im Dialog ein ausgewähltes Projekt vor, der Entstehungsprozess konnte also jeweils aus 2 Perspektiven beleuchtet werden. Folglich stand nicht nur das Design als reine grafische Überlagerung einer Thematik im Vordergrund – es ging unter anderem auch um die bekannten Alltagsprobleme der Branche, um Kommunikation, Analysen, Einschränkungen und Überzeugungsarbeit.

Rückblickend standen folgende Themen bei den Sprechern im Vordergrund:
- die Option bzw. Notwendigkeit eines dynamischen Erscheinungsbildes, welches eine Varianz von Form, Farbe, Bild und Positionierung erlaubt
- die Integration des Kunden und der Zielgruppen in den gesamten Gestaltungsprozess
- eine inhaltlich relevante Gestaltung die nicht nur an der Oberfläche bzw. optisch überzeugt

Gary Holt (SomeOne) und Lioba Scherzer: o2
"Who cares, the customer or the designer?" auf Grundlage dieses Statements wurde über die Progressivität und Flexibilität von Markenauftritten diskutiert - sind Guidlines für die Wiedererkennung des Absenders wertvoll oder wirken diese gar langweilig und einschränkend? o2 trennt sich zumindest von einer einheitlichen Platzierung oder Größe des Logos, auch die Kampagnen werden stärker variieren.

Peter Vetter (coande) und Hansjörg Goldener: Rapperswil-Jona
Zielsetzung war die grafische Vereinheitlichung zweier Städte innerhalb eines neuen Erscheinungsbildes. Coande beteiligte sowohl auf lokaler und regionaler Ebene die Zielgruppen und implementierte auf diese Art die Neugestaltung. Ergebnis ist die Zusammenführung der Anfangsbuchstaben beider Städte zu einem ausgewogenen und zeitgenössischen Monogramm, welches in seiner Farbgebung variiert und somit unterschiedliche Bereiche des städtischen Lebens widerspiegelt.

Gregor Ade (Peter Schmidt Group) und Mirja Kloss: Weleda
Weleda bekommt ein neues Gesicht und der Beitrag gab erste Einblicke in den noch nicht beendeten oder gar öffentlichen Entwicklungsprozess. Die historisch fixierte und grafisch unterschiedlich gewachsene Marke soll global vereinheitlicht werden. Verraten werden darf, dass sich am Logo lediglich das Spacing ändern wird, dennoch ... eine absolut sehenswerte Präsentation!

Christoph Rohrer (KMS Team) und Adriana M. Nuneva: Heidelberger Druckmaschinen
Die Drupa bietet Heidelberg eine "überlebenswichtiges" Forum, dementsprechend fällt die Gestaltung des Messestandes ins Gewicht. Grundlage des Auftrittes war der Wortteil "HEI" welcher als Basis für Konzept und Auftritt genutzt wurde (HEI Tech, HEI Performance).

Robert Stulle (Edenspiekermann) und Manuel Demetz: sentres
Interessant war bei diesem Projekt die Distanz (Berlin/Bozen) die via Skype-Konferenzen überwunden wurde und auf diese Weise trotzdem eine intensive und effiziente Zusammenarbeit zwischen Agentur und Kunden ermöglichte. Generiert wurde ein Portal zur Tourenplanung innerhalb Südtirols - ein sehr schönes und gut umgesetztes Projekt.

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Charmant und kompetent führte der zusätzlich eingeladene Moderator Holger Volland durch das Programm. Allerdings hätte ich mir auch an dieser Stelle von einer (durch eine Design FH organisierte) Konferenz ein wenig mehr Charakter und Mut zur Eigenständigkeit gewünscht ...

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Fast zeitgleich ist nun auch eine Dokumentation zur vergangenen cxi_09 erschienen. Diese präsentiert in komprimierter Form die Vorträge des letzten Jahres und gibt Einblicke in die Beweggründe und Vorgehensweisen namhafter Agenturen und Unternehmen.

Pressetext:
Identität schafft Unterscheidbarkeit – aber vor allem auch Sicherheit und Vertrauen: in das Unternehmen, in die Produkte und Dienstleistungen. Und gerade in Krisenzeiten brauchen Kunden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit ein eindeutiges und vertrauenswürdiges Zukunftsbild. Corporate Identity als strategisches Führungsinstrument erweist sich hierbei als ein unentbeherliches Werkzeug.

cxi_09 Dokumentation

Hrsg.: Prof. Robert Paulmann
Gestaltung und Produktion: Sonja Hahn, Carina Schweitzer, Sven von Werner
Ausführung: Broschur, Fadenheftung, Offset, 4-farbig, zahlreiche Abbildungen
Umfang: 76 Seiten

Format: 21 x 27 cm
Text: Deutsch/Englisch
ISBN 978-3-936723-24-3
Mainz 2010
Preis: 9,00€ (inkl. 7% USt. + 2,80€ Versand innerhalb Deutschlands)

Zur Bestellung einfach eine Email schicken an: doku@cxi-konferenz.org

Gast

Zitat "Allerdings hätte ich mir auch an dieser Stelle von einer (durch eine Design FH organisierte) Konferenz ein wenig mehr Charakter und Mut zur Eigenständigkeit gewünscht ...

Wie genau ist das zu verstehen? Auf welche Aspekte bezieht sich die Aussage?

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