Ich kann euch nicht versprechen, dass dieser Beitrag ein aktueller ist. Aber darum geht es nicht. Es geht um viel mehr. Um Herz. Dieses Design berührt Herz. Eine Reihe schöner Studentenarbeiten, die tatsächlich meist das halten, was der Titel verspricht.
»Vieles von dem, was im Beruf stehende Grafikdesigner so machen, ist professionell ausgefuehrt, gekonnt illustriert und ordentlich fotografiert. Obwohl die Gestaltung passt und das Problem geloest wird, laesst das fertige Produkt oft die Betrachter kalt - noch ein Ding, das um unsere Aufmerksamkeit wirbt, ohne uns zu beruehren. Nun gibt es viele Buecher, die unsere Herzen berueheren, Musikstuecke zuhauf, die Aehnliches erreichen und einige Filme, die das immer wieder schaffen.
Das Ziel der Sagmeister-Klasse auf der UdK Berlin ist, zu untersuchen, ob dies nicht auch mittels Grafikdesign zu erreichen«
Klasse, Sagmeister! Und/oder: Klasse, Klasse Sagmeister!
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Joerg
Aber ist nicht das Problem dass das alles schöne "Sozialbeiträge" sind, die man immer mal machen kann, aber dass die "kalten" Designersachen eben bei Produkten entstehen, die ganz andere Vorraussetzungen haben ? Von Kunden mal ganz abgesehen, ist es nicht so, dass das dann gleich wieder als ranschmeisserisch, "gewollt authentisch", "Marketingtricks" usw usw usw gelten würde ?
thomas
@joerg
ich sehe das ähnlich problematisch. andererseits, können die studenten echt froh sein ein projekt zu machen, das ihnen solche sichtweisen eröffnet.
in der werblichen kommunikation wird es wahrscheinlich so sein, das ein kommerzieller hintergrund die 'authenzität' der kommunikation mehr oder weniger unglaubwürdig macht. aber zum glück findet grafik auch noch in anderen bereichen der kommunikation statt, als in der werbung.
abgesehen davon, sehe ich aktuell eigentlich selbst in der werbung eine hinwendung zum 'authentischen'. irgendwie funktioniert das auch, weil das oft mit humor und ironie gepaart ist. natürlich kann jeder davon halten was er will ... am ende steht halt in der regel ein produkt das über den tisch gehen soll ... wir arbeiten in solchen fällen nunmal für die marketingabteilung.
Joerg
ok, hast recht, mit humor ist es natürlich erträglich ;-)
und ja, sowas im studium ist gut, ich studier ja auch noch
Roman Bittner
Ich war auch bei der Ausstellung - war aber ehrlich gesagt nicht nur etwas enttäuscht, ich fühlte mich auch diffus an das Buch "die Welle" aus den Achzigern erinnert. Der grosse Guru macht wieder einmal sein Lebensmotto "HbD" zum Thema (obwohl das meiner Meinung weder besonders orginell, noch neu, noch schon an sich schon in eine positive Richtung weist – im Grunde ja fast alle Desigern seit jeher den Leuten ans Herz, an die Gefühle wollen, der zynische Werber ebenso wie die Gestalter von Massenaufmärschen in Diktaturen) und alle dackeln hinterher. Was wäre wohl rausgekommen, wenn Sagmeister das Thema "Design rockt", "Design tritt in den Arsch" oder "Design haut in die Fresse" ausgegeben hätte? Am deutlichsten fiel mir auf, das hier etwas nicht stimmen kann, bei der Arbeit, bei der eine Studentin Püppchen für ihre Bekannten genäht hat, die jeweils nach Zentimetern Kleidung in bestimmten Farben trugen, Orange für Humor, Blau für Loyalität, Grün für Freundlichkeit, Gelb für Zuverlässigkeit (oder so ähnlich) - ich meine hallihallo - Charaktereigenschaften von Freunden in Zentimetern?!? Da würde ich mich aber schön bedanken, wenn mir das einer auflisten würde!
Alles was mit Stoff, weich, Schäfchen, Blümchen, Watte, selbstgemacht, Freundschaft und Liebe zu tun hatte, wurde mit einem Mal ganz unreflektiert als die idealen Mittel angesehen "das Herz zu berühren" - ohne noch einmal einen Blick auf das tatsächliche Ergebniss zu werfen. Dabei frage ich mich, ob wirklich niemand in der Klasse in seinem Leben auch von Dingen berührt wurde, die hart, ironisch, kühl, schroff und gefährlich sind? Was ist mit Tarantino, Müller-Brockmann, Metropolis, Hugh Ferris, Odysse im Weltraum, The Who, Sergio Leone, Nirvana, Fleckhaus und Edelmann?
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