Designklicks mit André Rösler / Weihnachten ist kein progressives Fest, es beruht auf Traditionen.

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Bastard Illustrator André Rösler gibt in SpiegelOnline DesignKlicks seine Meinung zum besten.
Alle Jahre wieder... Wir fragten André Rösler, einen renommierten Illustrator, zum Kreativpotential von Weihnachten und nach seiner persönlichen Einschätzung unserer visuellen Kultur.
„Weihnachten – alle Jahre wieder“ Verfolgt einen das als Illustrator?
Ja, gewissermaßen schon. In der Regel gilt es eine ganze Menge Coca-Cola Weihnachtsmänner und Rentierschlitten zu zeichnen. Das Problem ist, dass Weihnachten eine konservative Sache ist. Ich denke, in jeder guten Illustration steckt eine kleine Erfindung und der Weihnachtsmann will nicht wirklich neu erfunden werden. Weihnachten ist kein progressives Fest, es beruht auf Traditionen. Die Menschen wollen sich zurückziehen und vertraute Dinge genießen. Als Illustrator ist es da nicht angebracht etwas spannendes, neues zu entwerfen. Alleine durch die Farben rot weiß ist man ja schon ziemlich festgelegt. 
Nervt Sie Weihnachten?
Nein, persönlich nervt mich das überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich genieße es.
Das Thema Religion spielt gesellschaftlich und politisch zunehmend eine Rolle. Wirkt sich das auch im Bereich Illustration aus? Wenn ja, wie wird das thematisiert?
Spielt das Thema Religion gesellschaftlich und politisch wirklich eine zunehmende Rolle? Okay, im Rahmen der Terror Debatte schauen wir uns notgedrungen um, was wir denn in diesem Bereich einer radikal religiösen Haltung entgegen zu setzten haben. Prinzipiell würde ich aber eher behaupten die Religion geht uns langsam aber sicher flöten. Es gibt Illustratoren die sich mit dem Thema beschäftigen wie zum Beispiel „Friends With You“. Das ist aber ein sehr spielerischer Umgang mit dem Thema, bei dem es auch eher um Religiosität und Spiritualität als wirklich um Religion geht. Vermutlich gibt es da eine starke Sehnsucht nach Intensität und Wahrhaftigkeit.
Welches Thema reizt Sie als Illustrator persönlich zur Zeit am meisten?
Das Thema der zunehmenden Vernetzung und Vermischung hat mich in diesem Jahr sehr beschäftigt. Ich denke jedoch dass mich künstlerisch prinzipiell mehr eine Haltung interessiert, die ich dann in verschiedenen Themen wieder finden kann.
Im Frühjahr 2006 ist Ihr Gemeinschaftswerk „Choose my identity“ erschienen. Es besteht aus einer irren Mixtur von Grafik, Illustration, Typografie, Fotografie und Literatur. Angesichts Ihrer stilistischen Vielseitigkeit könnte man meinen, der Titel des Buches sei Ihr persönliches Credo. Wie wichtig ist jedoch eine eindeutige Handschrift zur Wiedererkennung?
Aus künstlerischer Sicht finde ich es zu aller erst wichtig viel zu experimentieren. Das kann mit der Zeit dann tatsächlich zu einem dichten individuellen Stil führen, muss es aber nicht zwangsläufig. Für den Illustratoren als Marke ist die eindeutige Handschrift sicherlich ein wichtiger Faktor für den Erfolg am Markt. Einerseits wegen dem höheren Wiedererkennungswert, andererseits aber auch weil er  von den Agenturen gezielter eingesetzt wird. Dadurch kann er auch wirtschaftlicher arbeiten. Experimentieren kostet ja schließlich auch sehr viel Zeit. Ich denke, das gilt aber nur in einem lebendigen großen Markt in dem Illustration als Kommunikationsform etabliert ist. In Deutschland gibt es immer noch viele Illustratoren die mit einer großen stilistischen Bandbreite gut über die Runden kommen.
Was das Buch „Bastard – Choose My Identity“ betrifft, war für uns ja genau das Mischen und die vielen verschiedenen Stile das Thema. Wir sind zu dritt – ein Grafiker, ein Fotograf und ein Illustrator – in drei Wochen einmal um die Welt gereist. Sechs Mega-Citys in 21 Tagen. Wir haben Illustration, Fotografie, Grafik und Literatur vermischt. Es ging uns um Tradition, Reizüberflutung, Vernetzung, Mischung, Sampling, Geschwindigkeit und Schlafentzug .

Welches Medium halten Sie denn derzeit für am Stil prägendsten in unserer visuellen Kultur?

Ich glaube nicht, dass wir eine einheitliche visuelle Kultur haben. Es gibt viele. Dort wo es Tendenzen zu einer Vereinheitlichung der visuellen Kultur gibt, ist es mit Sicherheit das Internet.

Finden Sie nicht, dass gerade das Internet aufgrund seines immer wieder ähnlichen Gestaltungsrasters andererseits auch die kreativsten gestalterischen Ausbrüche hervorbringt?

Eine Einschränkung in den Mitteln und Möglichkeiten führt sicherlich oft zu erstaunlichen kreativen Höchstleistungen. Was das Internet betrifft, denke ich aber, dass wir auch visuell noch immer in der Erkundungsphase sind. Ich glaube, zur Zeit sind es in erster Linie die immer neuen Möglichkeiten des Mediums welche die kreativsten gestalterischen Ausbrüche hervor bringen.

Sehen Sie in den immer größer werdenden Stock-Agenturen, die neben Fotografie auch zunehmend Illustration anbieten, eine Konkurrenz oder ist das für Sie ein vielleicht sogar interessanter Zweitmarkt?

Ich glaube, dass sich Illustration nur sehr begrenzt als Stockmaterial nutzen lässt. Bei einer gestalterischen Dienstleistung ist der Hauptteil der Arbeit doch immer mit dem Kunden eine spezifische, genau für ihn passende Lösung zu finden. Dies ist ein schwieriger Prozess, auch wenn man alle gestalterischen Möglichkeiten zur Hand hat. Mit Konserven funktioniert das nur sehr selten. Wenn ich nun davon ausgehe dass sich unsere visuelle Kultur in den kommenden Jahren auch weiterhin noch mehr ausdifferenzieren wird, dann mache ich mir keine Sorgen dass sich das entscheidend ändert. Trotzdem, die immer häufiger werdenden Anfragen von verschiedenen sich gerade bildenden Pools deuten darauf hin, dass es wohl einen Markt für Stock gibt, beziehungsweise dass da einer entsteht. Eine Konkurrenz für Illustratoren muss das aber nicht sein. Letztlich ist ja die Frage wer die Rechte hat und unter welchen Konditionen die Rechte veräußert werden. Es gibt unter Illustratoren Überlegungen als Urheber durch Zusammenschlüsse am Stockmarkt direkt selbst teil zu haben. Die frisch gegründete Illustratoren Organisation IO ist meiner Meinung dafür mit Sicherheit der richtige Zusammenschluss.

Was machen Sie wenn Ihnen mal nichts einfällt – woher kommen dann Ihre Inspirationen?

Manchmal kommt Inspiration beim Duschen, oder beim Joggen. Das ist aber die Ausnahme. In der Regel entsteht sie durch die Auseinandersetzung mit einem Thema. – Zehn Prozent Inspiration, neunzig Prozent Transpiration...

Abschließend noch irgendeinen Wunsch an den Weihnachtsmann für die Ästhetik von morgen?

Nein, ich bin mir sicher es bleibt auch weiterhin ohne Wünsche spannend. Vielleicht kommt ja auch das seit Jahren prognostizierte Revival der Illustration. Oder haben wir das schon???
Das Interview für DesignKlicks führte Felix Dobbert

nora

glückwunsch andré!

...in jeder guten Illustration steckt eine kleine Erfindung und der Weihnachtsmann will nicht wirklich neu erfunden werden.

das halte ich für ziemlich gewagt. ist wirklich in jeder guten illustration eine kleine erfindung? und ist der von dir gezeichnete weihnachtsmann dann deifinitiv keine gute illustration, weil er nicht neu erfunden ist? das wäre ja dann die logische schlußfolgerung deiner aussage.

Der Rösler

Danke, Nora!

ja stimmt, ist gewagt... immer dick auftragen!! :-)

Mit der kleinen Erfindung meine ich in erster Linie eine formale Erfindung. Beim Weihnachtsmann also z.B. wie ist der Bart im Gesicht? Wie sind die Proportionen? Wie hängen die Ohren am Kopf?? Das ist bei einer etablierten Figur immer schwerer.

Der Uli

Beim Weihnachtsmann frag ich mich auch: Muss da unbedingt von Re-Design die Rede sein? Und: Was geht uns der Weihnachtm an? Er sieht eben wie Nikol aus. Aus.

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