Die Böse Form / Design an der Grenze des guten Geschmacks

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Über Geschmack zu sprechen ist immer schwierig – doch vielleicht hilft die Frage nach der »Bösen Form« weiter. Hermann Broch war schon in den fünfziger Jahren der Ansicht, dass Kitsch eine Manifestation des radikalen Bösen sei. Zwischenzeitlich hat sich der Kitsch das Böse schon unterworfen. Kuckucksuhren ausgestattet mit Maschinengewehren und Totenkopf, Schmuck aus menschlichen Zähnen, einen Sessel in Bombenform, eine Tasse mit Schlagring-Griff – dieses Buch dreht sich um Blut, Gewalt, Waffen, Sex und Verwesung. »Böse Dinge« funktionieren ähnlich wie Witze: sie bringen moralische Normen auf den Punkt und provozieren Bewertungen.

Normal geht man davon aus, dass Konsumgegenstände körperliche und moralische unangenehme Gefühle vermeiden sollten. Der Kaufwunsch sollte nicht durch unangenehme Gefühle gestört werden. Freude, Liebe und Luxus sollten vermittelt werden. In der Realität der Konsumwelt sieht das aber ganz anders aus. Dort gibt es Penisse als Flaschenverschluss, Waffen als Lampenständer, blutiges Geschirr, abgehackte Köpfe als Handtaschen und herausgerissene Zungen als Sitzgelegenheit. Natürlich sind die WAHREN bösen Dinge echte Waffen, die töten, Luxusgüter, die Ressourcen verschwenden und von Kinderhand hergestellte Waren. Ein Objekt an sich ist nicht böse, nur was man damit tut kann böse sein. Dieses Buch stellt sich der Frage was es mit unserer Gesellschaft macht, wenn unsere Welt voller gewalttätiger und sexueller Motive ist?

Die Konsumgüter, die wir kaufen, sind Teil unserer Identitätssuche und unserer Positionierung in der Gesellschaft. So können Dinge der Gutbürgerlichkeit wie Gartenzwerge mit Häufchen oder Kuckucksuhren mit Maschinenpistolen und Totenkopf zum Zeichen für Individualität und Stärke werden.

Den ersten Teil des Buches bilden einführende Essays. Im zweiten Teil werden die Designobjekte auf Doppelseiten einander gegenübergestellt. Die Objekte sind unterteilt in Schusswaffen, Blut, Ekel, Sex und Fakalhumor, Triebkraft und Körperteile.

Auf 120 Seiten kann man für sich selbst entscheiden, ob man diese »Bösen Formen« nun geschmacksverletzend, grenzüberschreitend findet oder die Ästhetik des Hässlichen und die Schönheit des Schrecklichen für sich entdeckt.

Böse Form
Design an der Grenze des guten Geschmacks

 

Gestaltung: Modulator, Luzern
Herausgeber: Karen Bofinger
Verlag: Birkhäuser Architektur
Veröffentlichung: 2011
Umfang: 120 Seiten
Format: 16,2 x 23,8 cm
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-0346-0721-6
Preis: 29,90 Euro

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Gast

super!

Gast

Sehr schön

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