Dualität im Schriftbild / Duality in type / Diplomarbeit von Gina Odathuparambil an der Hochschule Darmstadt

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»Das Ergebnis meiner Diplomarbeit ist ein Schriftentwurf, welches sich aus der Südindischen Schrift Malayalam (Mala = Berg, Sprache aus der Berglandschaft) und lateinischen Buchstaben zusammensetzt. Es handelt sich um eine form-gebundene Komposition verschiedenartiger Schriftzeichen. Diese neue Schrift steht im Auftrag meine kulturelle Identität widerzuspiegeln.«

»Sie sieht aus wie Malayalam, trägt jene Charakterzüge und ist auch typografisch so zu behandeln. Wenn man allerdings den Kopf kippt und somit den Blickwinkel ändert, werden lateinische Buchstaben sichtbar.

Mein ganzes Leben ist von solch einer Dualität geprägt. Der Begriff Dualität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „zwei enthaltend“. Geboren in Südindien und aufgewachsen in Deutschland, bin ich heute weder als Inderin noch als Deutsche zu beschreiben. Ich bin eher etwas dazwischen oder eben beides.

Mit meiner Arbeit möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die Unterschiede von Kulturen oft nur scheinbare Gegensätze bilden. Vielmehr sind es Ergänzungen, Varianten und Inspirationen, die sich gut zusammenfügen lassen, um Neues zu erschaffen.« (Gina Odathuparambil)

Im Interview mit Gina:

Slanted: Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich und/oder die Firma, für die Du arbeitest.
Zu mir:
Gina: 2003 Praktikum bei Sudler&Hennessey,
2003-2007 Studium Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt,
2003-2007 Praktika bei MT Druck , C&MDesign, Designraum.
2007 Freelancer bei C&MDesign
seit 2007 Dezember angestellt bei Helden&Mayglöckchen,

Slanted: Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?
Hauptsächlicher Arbeitsbereich: Corporate Design und Editorial Design sowie in Schriftdesign; Mir ist wichtig: Gestaltung im Dialog mit Inhalt, erkennbare rote Linie, durchdachtes intelligentes Konzept,

Slanted: Wo arbeitest Du am liebsten?
Zuhause an meinem Schreibtisch.

Slanted: Was inspiriert Dich?
Alles, was uns umgibt kann inspirieren. Man muss nur die Augen aufmachen.

Slanted: Kannst Du uns eine kleine Beschreibung Deiner Arbeit geben?
Das Ergebnis meiner Diplomarbeit ist ein Schriftentwurf, welches sich aus der Südindischen Schrift Malayalam (Mala = Berg, Sprache aus der Berglandschaft) und lateinischen Buchstaben zusammensetzt. Es handelt sich um eine form-gebundene Komposition verschiedenartiger Schriftzeichen. Diese neue Schrift steht im Auftrag, meine kulturelle Identität widerzuspiegeln. Sie sieht aus wie Malayalam, trägt jene Charakterzüge und ist auch typografisch so zu behandeln. Wenn man allerdings den Kopf kippt und somit den Blickwinkel ändert, werden lateinische Buchstaben sichtbar.
Mein ganzes Leben ist von solch einer Dualität geprägt. Der Begriff Dualität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „zwei enthaltend“. Geboren in Südindien und aufgewachsen in Deutschland, bin ich heute weder als Inderin noch als Deutsche zu beschreiben. Ich bin eher etwas dazwischen oder eben beides.Mit meiner Arbeit möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die Unterschiede von Kulturen oft nur scheinbare Gegensätze bilden. Vielmehr sind es Ergänzungen, Varianten und Inspirationen, die sich gut zusammenfügen lassen, um Neues zu erschaffen.

Slanted: Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter? Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?
Es handelt sich um ein Thema, was mich mein ganzes Leben lang begleiten wird. Lange Zeit habe ich gebraucht um zu begreifen, dass es nicht negativ, sondern bereichernd ist, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen, auch wenn es oft schwierig ist. Diese Dualität in meiner Identität wollte ich festhalten, visualisieren. Mit meiner Arbeit habe ich entdeckt, dass sich meine beiden Schriftsysteme gar nicht so weit unterscheiden wie es auf den ersten Blick erscheint. Ich glaube, dass trifft auf viele Bereiche zu. Um Ähnlichkeiten und Parallelen zu finden muss man manchmal die Blickweisen ändern. Mit meiner Arbeit will ich dazu anregen öfter mal den Blickwinkel zu ändern, um Vorurteilen entgegenzuwirken und Neues zu entdecken zu können.

Slanted: Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?
Es handelt sich um eine sehr persönliche Arbeit. Es ging mir nicht darum eine Schrift zu gestalten, die anderen Schriften gegenüber besser lesbar ist oder für ein bestimmtes Medium zugeschnitten ist. Mir ging es in erster Linie um die Analyse beider Schriftsysteme und schließlich eines experimentellen Versuches beide Formsprachen zu verknüpfen.

Slanted: Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?
Erst braucht es einige Zeit das Ziel zu begreifen und zu definieren. Die Idee – der richtige Weg – kommt dann ganz plötzlich, und dann arbeiten meine Hände zu langsam um alles umzusetzen.

Slanted: Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?
Mein Schrift würde ich längst nicht als fertig bezeichnen. Eine Schriftgestaltung ist sicherlich ein Lebenswerk , aber der Anfang steht fest; Diplom 2007.

Slanted: Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?
Betreuung: Prof. Sandra Hoffmann. Die Zusammenarbeit mit Frau Hoffmann hat mich immer motiviert. Ihre analytischen Rückfragen, ihr präzises Augenmaß und ihre Begeisterung und Interesse sind Gold wert. Nach jeder Besprechung war ich von Neuem mit Inspiration und Motivation geladen. Danke.

Slanted: Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?
Die Arbeiten sind hauptsächliche am Rechner erstellt. Skizzen halfen bei den ersten Versuchen der Formfindung. Danach der übliche Weg; Zeichnen am Rechner, ausdrucken, kontrollieren, verbessern, korrigieren, wieder ausdrucken,.....zum Schluss ist die Arbeit in einem Ordner festgehalten. Jeder Buchstabe wird detailiert auf Einzelblättern erläutern. Jedes Blatt kann einzeln herausgenommen werden, sodass der Ordner stets mit Verbesserungen und neuen Zeichen aufgefüllt werden kann.

Slanted: Hast Du Vorbilder? Was interessiert Dich an dieser/n Person/en? Welche Arbeiten gefallen Dir?
Mein Vorbild ist meine Professorin, Sandra Hoffmannn, von Ihr habe ich gelernt, was Sehen bedeutet, was Ordnung und saubere Ausführung ausmachen. Wie wichtig das Wissen zu jedem Thema ist, um es im Ganzen zu erfassen. Sie sagte immer wir müssen alles über das ausgesuchte Thema in Erfahrung bringen – wir müssen die Spezialisten in dem Gebiet werden.

Slanted: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Mein Ziel ist nicht, bekannt und reich zu werden. Ich werde glücklich mit schönen Projekten, in denen ich meine Ideen voll ausleben kann. Mein Ziel ist daher den geeigneten Platz für mich zu finden, wo immer es auch sein wird.

Danke für das Interview und viel Glück!







Wolfgang

Ein sehr schönes Projekt.
In wie weit die Zeichen denen der Malayalam-Schrift ähneln weiß ich nicht, aber sie sehen für mich schon sehr indisch bzw. fremdartig aus. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, meinen Kopf zu drehen und dort lateinische Zeichen zu vermuten.
Jetzt bräuchte man nur noch worte, die in beiden sprachen das selbe bedeuten, dann wäre die dualität perfekt.

Gast

Die Frage, die sich mir stellt ist ganz einfach: Warum?

Wozu braucht man eine südindische Schrift, die gedreht auch noch lateinisch ist? Was für einen Sinn macht das?

Ich verstehe es wirklich nicht, aber grafisch sieht es sehr konsequent und ordentlich aus.

Julia

@Gast: Gina hat im Interview eigentlich schon konkret auf Deine Sinn-Frage geantwortet. Aber die Frage, warum meine eine südindische Schrift benötigt, die gedreht lateinisch ist, ist an sich, glaube ich, irrelevant...Warum nicht?!

Sie schreibt dazu:

"Es handelt sich um ein Thema, was mich mein ganzes Leben lang begleiten wird. Lange Zeit habe ich gebraucht um zu begreifen, dass es nicht negativ, sondern bereichernd ist, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen, auch wenn es oft schwierig ist. Diese Dualität in meiner Identität wollte ich festhalten, visualisieren. Mit meiner Arbeit habe ich entdeckt, dass sich meine beiden Schriftsysteme gar nicht so weit unterscheiden wie es auf den ersten Blick erscheint. Ich glaube, dass trifft auf viele Bereiche zu. Um Ähnlichkeiten und Parallelen zu finden muss man manchmal die Blickweisen ändern. Mit meiner Arbeit will ich dazu anregen öfter mal den Blickwinkel zu ändern, um Vorurteilen entgegenzuwirken und Neues zu entdecken zu können."

Gast

warum nicht?

weil sie banal ist. keiner braucht diese schrift. inder können sie nicht lesen. und für die lateinischen letter wurden zeichen ersetzt, die formal ähnlich sind. das ist unnötig.

Julia

ich glaube kaum, dass es Gina um die Leserlichkeit der Schrift für Inder oder wen auch immer ging, sondern eben um die Verschmelzung zweier Schriftkulturen. Das ist ihr meiner Meinung nach gelungen und ihr Konzept geht auf.

Gast1

@ imdesignrausch:

"Gina hat im Interview eigentlich schon konkret auf Deine Sinn-Frage geantwortet. Aber die Frage, warum meine eine südindische Schrift benötigt, die gedreht lateinisch ist, ist an sich, glaube ich, irrelevant...Warum nicht?!"

"Warum nicht" ist eine Frage, die man sich als Designer wohl nie stellen sollte. Oder anders formuliert: Ein Diplom, dass man mit "Warum nicht" erklärt, kann ich nicht ganz ernst nehmen. Dann reduziert es sich auf pure Deko, auf überflüssige Deko und das kann nicht der eigene Anspruch sein. Schon gar nicht im Diplom.

"Sie schreibt dazu:

'Es handelt sich um ein Thema, was mich mein ganzes Leben lang begleiten wird. Lange Zeit habe ich gebraucht um zu begreifen, dass es nicht negativ, sondern bereichernd ist, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen, auch wenn es oft schwierig ist. Diese Dualität in meiner Identität wollte ich festhalten, visualisieren."

Sie schreibt selber, sie wollte die Dualität in ihrer Identität visualisieren... Hm, wo hat sie das gemacht? Wo sieht man denn Identität?

"Mit meiner Arbeit habe ich entdeckt, dass sich meine beiden Schriftsysteme gar nicht so weit unterscheiden wie es auf den ersten Blick erscheint."

Aha... nur etwa 90° oder was?

"Ich glaube, dass trifft auf viele Bereiche zu. Um Ähnlichkeiten und Parallelen zu finden muss man manchmal die Blickweisen ändern. Mit meiner Arbeit will ich dazu anregen öfter mal den Blickwinkel zu ändern, um Vorurteilen entgegenzuwirken und Neues zu entdecken zu können."

Klingt super, aber den Bezug zur Arbeit sehe ich nicht.

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