Interviews

»EIGENTLICH NUR WÖR|TER« / EINE PUBLIKATION ZUR DEUTSCHEN SPRACHE

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Die deutsche Sprache ist ein wertvoller Schatz und, wie Theodor Fontane sagt,
»das Menschlichste, was wir haben«. Melanie Grob, taufrische Diplom-Designerin hat
bei ihrer Abschlußarbeit, an der HS Niederrhein in Krefeld, ein "interaktives Buch
zum Lesen, Anschauen und Mitdenken erschaffen".

Melanie Grob möchte in ihrer Diplomarbeit die spannenden und humorvollen Aspekten der deutschen Sprache aufzeigen. Dies hat sie mir geringem Einsatz von Mengentexten und teilweise stichwortartigen Darstellungen umgesetzt: Der Leser soll auf eigene Art und Weise interessante Spracheigenschaften entdecken. Ebenso wichtig war es ihr auf die gesellschaftlichen Veränderungen Rücksicht zunehmen und dadurch eine Verbindung einer traditionellen Publikation mit den Vorzügen der digitalen Welt zu schaffen.

Inhalt & Gestaltungsmerkmale:

Diese zehn Kapitel und deren Unterkapitel bauen inhaltlich nicht aufeinander auf.
Der Leser kann nach Belieben in das Buch einsteigen.

...Vorwort
...Wortwörtlich
Schreibsprechweise | Eindeutig doppeldeutig |
Moblierte Furienwohnung
...Wortwechsel
Eintauschen | Einwandern | Auswandern | Aussterben
...Wortschöpfung
Unten im Schrank | Hyper Mega Geil |
Pimp my Wortschatz
...Wortspalterei
Zer-tei-len | Einfuegen | Ver rücken | Taschuen
...Wortwahl
Das schönste deutsche Wort | Der schönste deutsche Satz |
Wörter des Jahres | Was wäre wenn ... | Das schönste bedrohte Wort
...Wortarm
Abk. | Ohne Worte | Aktionsgrammatik | Dingsbums
...Wortschatz
Literatur | Musik | Comedy
...Wortbildung
Zahlen Daten Fakten | Mittel für mehr Stil | Sprachspiele
...Wortlos
Auf den ersten Blick | Auf den zweiten Blick | Blickwinkel


Zehn umsponnene Gummibänder halten die als Broschur gebundenen einzelnen Kapitel im Buchrücken. So können auch einzelne Hefte für unterwegs entnommen werden.


Jedem Kapitel ist eine Farbe zugeordnet. Dies bildet ein internes Leitsystem und dient der Orientierung.


Icons verknüpfen die Publikation mit der dazugehörigen Webseite. Sie verweisen auf nähere Informationen (s.o. Link und Video).


Eingewanderte Wörter


Verleser durch unterschiedliche Worterkennung


Satzzeichen erschaffen eine neue Kommunikationsform


Stilmittel


Sprachrätsel


der Unterschied zwischen Wort und Bild


Webseite

Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich und/oder die Firma, für die Du arbeitest.

Melanie Grob, 26 Jahre, ausgebildete Mediengestalterin für Digital- und Printmedien und nach 8 Semestern an der Hochschule Niederrhein frisch gebackene Diplom-Kommunikationsdesignerin. Diverse Praktika und freie Mitarbeit u.a. bei Ogilvy & Mather in Düsseldorf, der Zeitschrift Glamour in München und der Designagentur designiert in Düsseldorf. Neben freiberuflichen Tätigkeiten bin ich zurzeit auf der Suche nach einer passenden Festanstellung.

Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?

Gutes Grafikdesign ist für mich durchdacht, klar und so einfach wie möglich. So würde ich auch meinen eigenen Stil beschreiben, welcher weniger überladen und mehr strukturiert ist. Meine Stärken liegen im konzeptionellen Bereich, in typografischen Feinheiten und in fotografischen Umsetzungen.

Wo arbeitest Du am liebsten?

Ich denke, als Designer arbeitet man überall und den ganzen Tag lang - Ideen treten eben oft sehr spontan auf. Gerne grübel ich während der Bahnfahrt, an meinem Mac oder mit Kollegen.

Was inspiriert Dich?

Alltägliche Dinge und Fragen, Diskussionen mit Freunden und anderen Designern und Schokolade!

Welche Bedeutung hat für Dich Design?

Für mich ist gutes Design konsequent durchdacht und hilfreich. In erster Linie muss das Design aber zu dem passen, was es vertreten soll.

Kannst Du uns eine kleine Beschreibung Deiner Arbeit geben?

Meine Diplomarbeit mit dem Titel "Eigentlich nur Wör|ter" ist eine Sammlung spannender Eigenschaften der deutschen Sprache in Form einer Publikation und der dazugehörigen Webseite.

Inhalte wie der Unterschied zwischen Schreibweise und Aussprache, Doppeldeutigkeiten von Wörtern und Sprache im Kontrast zu Bildern, tauchen unter anderem in zehn einzelnen Kapiteln auf.

Der Inhalt der Publikation überzeugt durch den Einsatz geringer Mengentexte und teilweise stichwortartigen Darstellungen. Es ist kein reines Lesebuch, sondern vielmehr ein interaktives Buch zum Lesen, Anschauen und Mitdenken. Um die heutige Gesellschaft gezielt anzusprechen, müssen die neuen Medien mit eingebunden werden. Es wird daher eine Verbindung geschaffen zwischen einer traditionellen Publikation und den Vorzügen der digitalen Welt. Parallel zur Publikation erscheint eine Webseite, auf welcher der Leser Videos anschauen, Musik hören, Bücher bestellen und Links weiterverfolgen kann. Der Inhalt des Buches und der Inhalt der Webseite sind dabei mit Hilfe von Icon verknüpft und werden zusammen zu einem zeitgemäßen, multimedialen Produkt.

Flexibilität, als zentrale Anforderung der heutigen Gesellschaft, spiegelt sich in der Bindung der Publikation wider. Die zehn Kapitel stehen linear nebeneinander und bauen nicht aufeinander auf. Jedes Kapitel wurde als Broschur gebunden und kann wie ein einzelnes Heft behandelt werden. Diese Kapitelhefte werden mit Hilfe von zehn Gummibändern in einen festen Buchrücken geschoben. Der Leser besitzt so die Freiheit, das Buch wie gewohnt von vorne nach hinten zu lesen oder einzelne Kapitel für unterwegs zu entnehmen. Bei der Orientierung helfen zehn unterschiedliche Kapitelfarben, welche als internes Leitsystem fungieren.

Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?

Unsere Sprache ist ein Medium, durch welches Gedanken, Gefühle und Informationen ausgedrückt und vermittelt werden können. Laut Theodor Fontane ist sie "das Menschlichste, was wir haben".

Leider wird die deutsche Sprache heute aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen mehr und mehr zur Nebensache. Neue Medien und Kommunikationsformen ermöglichen einen schnelleren Informationsaustausch, was sich negativ auf die Sprache auswirkt: Wörter werden abgekürzt oder komplett ausgelassen, SMS und E-Mails müssen ohne einen einzigen Großbuchstaben auskommen und immer mehr deutsche Wörter werden durch englische ersetzt.

Nach vielen haarsträubenden sprachlichen Erlebnissen im Alltag entschied ich mich, meine Diplomarbeit der deutschen Sprache zu widmen und die heutige sprachliche Situation ein Stück weit zu verbessern.

Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?

Mit meiner Arbeit möchte ich das Interesse an der deutschen Sprache wieder erwecken. Schon in ersten Recherchen offenbarte sich eine Menge an spannenden sprachlichen Aspekten, welche vielen Bürgern unbekannt sind. Durch das resultierende stärkere Interesse und eine größere Wertschätzung unseres Sprachschatzes soll ein sensiblerer sprachlicher Umgang im Alltag erzielt werden.

Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?

Natürlich wäre es toll, wenn meine Publikation durch einen Verlag veröffentlicht wird und ich mein Ziel, die deutsche Sprache "zu retten", ein Stück weit verwirklichen könnte.

Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?

Die grundlegende Konzeption ist, meiner Meinung nach, das Wichtigste einer Arbeit. Ist diese konsequent durchdacht, können sich alle weiteren inhaltlichen und gestalterischen Mittel davon ableiten und erklären lassen.

Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?

4 Monate: 2 Monate Recherche, Konzeption und Text, 1 Monat Gestaltung und 1 Monat Produktion.

Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?

Meine Diplomarbeit wurde von Prof. Nora Gummert-Hauser und Diplom Designer Bernd Grellmann betreut. Die Zusammenarbeit mit beiden verlief sehr gut und hat viel Spaß gemacht. Es war schön, sehr selbstständig arbeiten zu dürfen und gleichzeitig durch gezielte Kritik und Anmerkungen noch mehr aus mir heraus zu holen.

Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?

Gerade bei der neuartigen und komplizierten Bindung war ich froh, eine erfahrene Buchbinderei an meiner Seite zu haben. Auch den Druck habe ich bei einer professionellen Druckerei machen lassen.

Einige Stellen im Buch sind zusätzlich durch eine glänzende schwarze Folie hervorgehoben. Diese habe ich in unserer Hochschule zunächst plotten lassen und dann die einzelnen Segmente selbst in das Buch übertragen.

Hast Du Vorbilder? Was interessiert Dich an dieser/n Person/en? Welche Arbeiten gefallen Dir?

Konkrete Vorbilder habe ich nicht. Viele Designer und Designagenturen haben mindestens eine Arbeit gemacht, die mir gut gefällt.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Eine Festanstellung in einer Designagentur mit interessanten Projekten und netten Kollegen!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Gast

Als Vorbilder sollte man wohl Beat Gloor nennen ... StaatSexAmen ...

Thomas

Wieder so eine Diplomarbeit, die ich gerne in meinem Buchregal stehen hätte...
Besonders die Idee mit der Bindung gefällt mir sehr gut.

Jill

mehr von Melanie und ihren Arbeiten gibt es unter:

www.eigentlich-nur-wörter.de
www.melaniegrob.net

Dietmar Haucke

Sehr interssante und spannende Arbeit.
Ich frage mich, ob man sie irgendwo einsehen kann?

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