Interviews

Élisa Géhin / French Illustrators Special

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Paris, die große französische Stadt an der Seine, ist ein Magnet für Menschen sämtlicher Himmelsrichtungen und Lebenslagen: auf den Straßen begegnen dir energische afrikanische Geschäftsfrauen im Chanel-Kostüm, Stadtteilpolitiker erkären dir warum ihr Arrondissement das beste von Paris ist, chinesische Touristen eilen begeistert von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, für junge Leute aus ganz Frankreich ist Paris immer noch die Stadt in der man eine Karriere beginnt. Und natürlich hat Paris eine lebendige, professionelle, international vernetzte Design-Szene, die wir euch im kommenden SLANTED Magazin #25 – Paris  vorstellen werden. Am 7. Mai organisiert SLANTED mit der HFG Karlsruhe zusätzlich eine eintägige Konferenz, zu der namhafte SprecherInnen aus Paris eingeladen wurden: Chacun à sa façon – Graphic Design in Paris. Spannend ist auch die Arbeit der Pariser Illustratoren und Illustratorinnen, die wir in den nächsten Wochen auf dem Blog etwas genauer betrachten möchten.

Élisa Géhin, Eins, zwei ... und die ganze Welt, Prestel 2015

Élisa Géhin ist 30 Jahre alt und lebt in Paris. Seit wenigen Jahren setzt sie als Illustratorin neue Maßstäbe für extrem liebenswerte Kinderbücher. Ihr bisher größter Erfolg ist das Kinderbuch « Dans l'ensemble » (2013), was so viel heißt wie »insgesamt«, »im Großen und Ganzen« oder »in der Menge«. Es zeigt Menschen und Dinge zunächst einzeln, dann als Teil von kleinen und größeren Gruppen. Es gibt auch ein Video dazu. Élisa wird in ganz Frankreich zu Zeichen-Workshops mit Kindergärten und Schulklassen eingeladen. Die Kinder lieben das - meistens, wie sie uns erklärt. Élisa Géhin studierte an der hervorragenden Pariser Hochschule für Buchgestaltung, der École Estienne / École Supérieure des Arts et Industries Graphiques (2004) sowie an der ebenfalls sehr renommierten ESADS École supérieure des arts décoratifs de Strasbourg (2007). 

Was war bisher dein schönstes Projekt?

« Dans l’ensemble ». Das war nicht nur ein Illustrationsprojekt, sondern auch begleitet von einer Ausstellung – zwei selbständige Teile eines zusammenhängenden Gestaltungsprojekts.

Wo hast du daran gearbeitet?

Insgesamt habe ich zwei Jahre daran gearbeitet. Zunächst während eines Stipendienaufenthalts in Troyes (2012), dann in der Siebdruck-Werkstatt von Freunden und im Centre de créations pour l’enfance in Tinqueux. Zurück in Paris habe ich in meinem Atelier daran gezeichnet. Ich mag es in einem Skizzenheft zu zeichnen, meistens in meinem Atelier, und ich liebe es morgens zu zeichnen, weil das Licht dann erstklassig ist.

Was ist stärker: Papier, Stift oder Vektor?

Papier ist das Wichtigste. Die Form der Farbe auf dem Papier schlägt alles andere. Ich kenne viel mehr unterschiedliche Stifte, als ich das mit Vektor-Grafiken umsetzen kann. Ich brauche das Zeichnen, denn nur so kann ich mir die Form aneignen. Es ist auch viel lustiger zu zeichnen. Drucken macht auch Spaß.

In welcher Projektphase arbeitest du am liebsten mit anderen?

Ich mag es, andere dann einzubeziehen, wenn ich eine klare, einfache und beständige Idee von meinem Projekt habe, wenn ich weiß, dass sie eigenständig genug ist, um sich zu bewähren. Ich liebe die Vorstellung zusammenzuarbeiten, aber ich habe noch nicht die Person gefunden, mit der ich dieselbe Auffassung von Projekten teile. In der Produktion bin ich oft ungeduldig, das Projekt mit einem Verlag umzusetzen. Ich bin neugierig auf den technischen Aspekt und seine Realisierung. Ich mache auch Serigraphien und sooft ich kann arbeite in einer Werkstatt mit anderen Illustratoren und Grafikern.

Élisa Géhin, Eins, zwei ... und die ganze Welt, Prestel 2015

Ist die Arbeit mit Kindern einfach?

Das ist nicht einfach, weil es eine Menge Vorbereitung erfordert. Sobald man vor Ort ist und alles vorbereitet ist, dann ist es großartig. Es kann auch daneben gehen – manchmal funktioniert die Begegnung nicht gut. Wenn man Lust darauf hat, geht es aber. Kinder sind einfacher im Umgang als Verleger.

Wer lädt dich zu Workshops mit Kindern ein?

Auf Buchausstellungen, zu denen ich eingeladen wurde, begegnete ich immer wieder Kindern. Da sie oft klein waren, hatte ich Lust ihnen einen Workshop anzubieten, um etwas gemeinsam zu machen und zu diskutieren. Schließlich bot mir die Maison du Geste et de l’Image einen zweimonatigen Workshop (in einen Pariser Kindergarten) an und vor kurzem habe ich im Rahmen eines Arbeitsstipendiums mehrere Schulklassen über mehrere Monate begleitet. 

Diese Arbeit ist im Ablauf und in der Kommunikation ganz anders als ein Buch. Aber genau wie ein Buch braucht es eine Idee, einen roten Faden, der alles zusammenfügt. Ich fühle mich nicht als Expertin für Workshops mit Kindern, aber sie sind wichtig für mich, um Ideen vorzustellen und auszuprobieren.

Wer ist der beste Illustrator / Illustratorin der Vergangenheit?

Ich liebe alles von Franciszka Themerson was ich gesehen habe, auch wenn ich nicht alles von ihr kenne.

Erinnerst du dich wo du am 7. Januar warst?

Ich war in meinem Atelier in der Nähe der Place de la République, hatte das Radio an und zeichnete meine Neujahrskarte.

Ausstellung « Les ensembles » in der Mediathek Grand Troyes, Troyes, 2013

 

« Dans l’ensemble » erscheint im September 2015 beim deutschen Prestel Verlag unter dem Titel »Eins, zwei … und die ganze Welt«, 80 Seiten, EUR 14,99. 

 

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