FIKTIVE KREATIVITÄTSFÖRDERUNG / Diplom von Corinna Seichter

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_ Licht aus – Kopfkino an _ Verschaffe dir einen Knick in der Optik _ Schreibe mit Senf auf dein Brot _ Benutze die 3 Wünsche um dein Problem zu lösen _ Mache Urlaub in Gedanken

Was braucht ein Student, um eine schöne Diplomarbeit zu gestalten?!!...
Richtig – Kreativität. Diese hat Corinna Seichter selbst zu ihrem Diplomthema gemacht. Hier eine weitere schöne Diplomvorstellung für euch.. viel Spaß damit!

FIKTIVE KREATIVITÄTSFÖRDERUNG

Kreativität ist die Fähigkeit, produktiv gegen Regeln zu denken und Neues zu schaffen, indem man bereits vorhandenes Wissen auf ungewöhnliche Art und Weise kombiniert. Bei dieser Arbeit wurde bewusst gegen Regeln verstoßen und Kreativität, welche farbenprächtige Bilder im Gehirn hervorruft, durch die Abstinenz von Farbe und durch außergewöhnliche haptische und visuelle Eindrücke dargestellt. Sie soll einen Anreiz geben um gegen angelernte Verhaltensweisen zu protestieren und neue Wege zu finden.

Das Diplom gliedert sich in drei aufeinander basierende Teile, welches ein Buch, ein Fächer und ein Kit sind... was ihr alles im Folgenden bestaunen könnt.

Die Zielgruppe ist sehr weit gefächert und bezieht jeden mit ein, der kreativ werden möchte / mit kreativen Neuerungen sein Geld verdient / einen kreativen Studienzweig belegt / oder "nur" ein kreative Hobby ausübt. Somit geht die Spanne vom Schreiner über Friseure, Visagisten, Dekorateure bis hin zu Grafikern, Textern oder Dichtern.

1 /// BUCH
In dem Buch „fiktive kreativitätsförderung“ wurden ausgewählte individuelle kreativitätsfördernde Mittel unter wissenschaftlichen und fiktiven Aspekten analysiert. Denn kreative Menschen haben Tricks, ihrem Gehirn auf die Sprünge zu helfen. Schiller z.B. dachte durch die Gärungsdämpfe eines Apfels kreativer zu werden. Einstein soll die ersten bahnbrechenden Ideen entwickelt haben, während er am Küchentisch seiner Berner Wohnung das Kind schaukelte. Die einzelnen Artikel des Buches basieren auf einem Fragebogen, welcher an verschiedene Künstler, Studenten in kreativen Studienzweigen, Dozenten, Grafiker und Werbetreibende gesendet wurde. Nach der Auswertung dieses Fragebogens wurden wissenschaftliche Berichte oder Studien gesucht, die entweder die Kreativitätsfördernde Wirkung der meist genannten Antworten bestätigen oder wiederlegten. Somit gliedert sich das Buch in 2 Teile: zum einen die wissenschaftlich belegten Mittelchen und Wege um kreativer zu werden, zum anderen die fiktiven. Am Ende des Buches befindet sich eine Zitatsammlung zum Thema Ideen / Kreativität (welche mit Namen, Titel und Agentur bzw. Hochschule wiedergegeben wurden) und um dem Leser noch einen Einblick in die Vielfalt der Antworten des Fragebogens zu gewähren, ein kleines Sammelsurium aus Fragen und Antworten.

Im Allgemeinen könnte man sagen, dass die Gestaltung des Buches ein "Durchblicken" und begreifen der Kreativität darstellt. Aber auch der Aspekt, dass Kreativität nichts Greifbares ist, wird durch die Leichtigkeit, welche durch die Transparenz der einzelnen Seiten entsteht, vermittelt. Im Buchrücken befinden sich zwei Knicklichter um nochmals eine Verbindung zur gängigen Assoziation von Ideen (Glühbirne, ein Licht aufgehen) herzustellen.






Inhaltliche Beispiele des Buches mit Nennung bekannter Persöhnlichkeiten:

Koffein // wissenschaftlicher Teil
... Beethovens unentbehrlichstes Nahrungsmittel schien Kaffee gewesen zu sein. Er brühte seine Tasse mit exakt 60 Bohnen auf. Der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire habe seine 50-70 Tassen am Tag getrunken, und Kafka entwickelte angeblich seine bizarren Vorstellungen erst nach dem Einfluss des "schwarzen Goldes"...

Sich selbst beklauen // fiktiver Teil
...Gute Ideen wollen aufgeschrieben werden. Leonardo da Vinci war dafür bekannt, eine große Zahl von Zeichnungen und Notizen zu produzieren. Im Haus von Thomas Edison wurden nach seinem Tod 1931 mehr als 3.500 Notizblöcke gefunden....

2 /// FÄCHER
Darauf basierend entstand ein 112-seitiger Fächer für kreative Notfälle. Man wählt (aus den) 112 für eine schnelle Hilfe, alarmiert durch frischen Wind die Leitstellen im Gehirn, um durch Irritationen von Text & Vektorgrafik oder durch Handlungsaufforderungen, neue Wege zu finden und auf unkonventionelle Lösungen außerhalb des „kreativen Arbeitsraumes“ zu stoßen.

112 ist der Euronotruf. Unter dieser Nummer ist eine Leitstelle zu erreichen, welche je nach Notfall die zuständigen Organisationen wie Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr alarmiert. Die 112 Seiten wurden jeweils mit einem Satz versehen und mit einer Vektorgrafik im Hintergrund unterstützt. Diese Grafik wurde mit durchsichtigem Mattlack auf das glänzende Papier gedruckt, und wird erst durch genaueres betrachten ersichtlich. Der Fächer hilft uns dabei aus unserem "normalen kreativen Arbeitsraum" auszubrechen. Denn genau dann haben wir einen Moment, in dem unser Verstand ausklingt, wir in das kollektive Bewusstsein eintauchen und bestenfalls einen entsprechenden Fetzen mit hinausnehmen können. Durch gezielte Veränderung der eigenen Einstellung und der "Umgebungsbedingungen" kann man - da sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig - die nötigen Voraussetzungen schaffen, um aus seinem schöpferischen Potenzial das Maximum herauszuholen.

Ein Fächer mit Anregungen, um Gelerntes zu vergessen und Gesuchtes zu finden.



3 /// KIT
Das Thema „frische Ideen“ wurder auch in dem dazu passenden Kit weitergeführt. Daher war es naheliegend, einen Kühlschrank zu bestücken. Darin sind 34 Dinge zu finden, welche die Umsetzung der dazugehörigen Sätze aus dem Fächer ohne Umschweife möglich machen. Die einzelnen Komponenten wurden entweder mit weißer Farbe besprüht, oder wenn es die Substanz zuließ, in weiß besorgt. Die Verpackungen wurden auch nach dem Thema gewählt - so findet man Polystyrolschalen mit Frischhaltefolie abgedeckt oder Reagenzgläser wieder. An jedem "Produkt" wurde ein Anhänger angebracht, welcher nochmals die dazugehörige Fächerseite aufzeigt und somit eine leichtere Zuweisung von Handlung und Produkt gibt.
Auf den einzelnen Komponenten des Kühlschranks sind zudem kleine Aufkleber eines Leitsystems zu finden. Hierbei wird durch bereits Bestehende Symbole (aus dem Bereich Haushalt) aufgezeigt, welche der 5 Sinne mit dem jeweiligen Produkt angesprochen werden. Durch die Verwendung bekannter Symbole findet beim Betrachter eine gewollte Irritation statt, welche neue Gedankenassoziationen zulassen und Ideen neuen Nährstoff geben.

_kühlschrank

_vergrabe deine nase in gerüchen

_besuche freunde in einer anderen stadt

_nimm ein schluck vom schwarzen gold

_baue ein luftschloss

_baue eine skulptur aus kartoffelbrei

_mache urlaub in gedanken

_falte einen papierflieger

_esse ein stück von der götterspeise

_schnupper am waschpulver und schau der maschine zu
_nimm ein bad im schonwaschgang
_lass dir ein licht aufgehen - zünde eine kerze an
_mache ein kurzes nickerchen auf dem tisch

_kreiere seifenblasenwünsche
_schaue ideen beim wachsen zu

_licht aus - kopfkino an

_schmelze eiswürfel in deinem mund
_tauche in nebelschwaden ein

_feier dich mit einem glas wein selbst
_verschlinge buchstaben und mache worte
_rufe eine unbekannte nummer an - frag einen fremden
_finde ein neues wort im wörterbuch

Das komplette Diplom wurde von Corinna Seichter selbst gewählt, geschrieben, gebunden, gestaltet und gedruckt.
Das Buch kann hier gelesen werden: http://issuu.com/dieina/docs/fiktive_kreativitaet_1, der Fächer hier: http://issuu.com/dieina/docs/frischer_wind
(bitte bei beiden Dokumenten "view mode" auf "presentation view" einstellen).

simon1978

klasse ich bin richtig! richtig!!!!!! begeistert.

unsereins

sehr beeindruckend!

Bernie

Eine sehr auffällige Arbeit trotz seiner bewusst manifestierten Schlichtheit. Auch ist sie nicht leicht einzuordnen.

Der erste Gedanke, der mir kam, war ein Ausspruch eines S&J-Soldaten, der anführte, dass bei besagter Agentur alle Tische, Wände, Räume komplett entschlackt wurden … die Designer sollten auf reines Weiss starren und somit nicht mehr abgelenkt sein von Deko und Verzierung. Seltsamerweise sollten aber die Macs AUF DEN TISCHEN stehen, was wiederum Sorgen bzgl. einer progressiv verlaufenden Hirnstromlinie aufkommen lässt.

Wie dem auch sei. Bei diesen gezeigten Bildern gehen der Blick unter in einem Meer von Produkten und Details, deren Container aber befreit wurde von den Markierungen des allgemeinen Werbesehens, also von Logos, C.D. Branding, Colors, Styles und dergleichen. Es bleibt eine rohe Schale, die nun, nach Aufforderung der Diplomandin, befüllt werden soll mit "Soul", mit dem Geist des Betrachters. Ich bin aber etwas skeptisch, denn eine so ausdrucksvolle Aufforderung funktioniert nur in wenigsten Fällen, denn das Setting muss stimmen, und es gehören mehrere Faktoren dazu, bis sich ein Organismus dem gewünschten Wellnessdiktat auch fügt. Jedoch ist das ist mehr dem Zufall, als einer Berechnung zuzuschreiben, was wiederum normal ist, denn sonst könnte man ja alle Agenturen dichtmachen, wüssten sie das Patentrezept.

Somit ist diese Arbeit eine wohltuende Neuerung im allseits gesehenen Diplomgewurstel. Denn normalerweise bekommt man ja fast nur grafischen Overkill serviert; ein leerer Teller für ein zu imaginierendes Buffet war aber bisher noch nie dabei.

Und deswegen: Note 1. Glatt.

Pascal

Das Transparente und kalte Farblose ist auf eine gewisse Art beängstigend und wunderschön zugleich.
Gefällt mir sehr gut!

christoph

sehr intelligent, sehr eigenständig, sehr schön.
eine wirklich tolle diplomarbeit!

Gast

sehr, sehr schoene arbeit... wei hast du das weiss auf die transparentboegen gedruckt? offset? bei der auflage einer diplomarbeit wohl kaum... siebdruck?

corinna seichter

///

Ich danke euch recht herzlich für eure Kommentare. Es war mir sehr wichtig, den "Betachtern" meiner Diplomarbeit einen Mehrwert zu vermitteln.

Da, wie schon angesprochen, die Auflage einer Diplomarbeit sehr niedrig ist, habe ich mich eingehenst mit den verschiedenen Drucktechniken auseinandergesetzt. Das Buch wurde weder mit Offset, noch mit Siebdruck gedruckt. Es kam ein sehr altes Verfahren zum Einsatz - Drucken mit weißem Toner. Dieser wird nicht mehr Hergestellt, jedoch hortet ein einziger Copyshop in Deutschland noch die Restbestände und verfügt über die Möglichkeit in weiß zu kopieren.

Falls weitere Fragen aufkommen, würde ich auch diese gerne beantworten.

///

An dieser Stelle möchte ich auch gerne nochmals meinen Professoren der HOCHSCHULE MANNHEIM für ihre Unterstützung danken.

Frau Veruschka Götz & Herr Papin - Danke für die anregenden und inspirierenden Gespräche!

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