Am vergangenen Freitag und Samstag fand in Frankfurt parallel zur großen Buchmesse die First Issue Self-Publishing Book Fair (and Conference) statt. Anders als auf dem weitläufigen Messegelände konzentrierte man sich im Gebäude der basis Frankfurt ganz auf ein spezielles Thema – Print Culture: Dead or Alive!? –, das in der Konferenz von verschiedenen Seiten beleuchtet und an den einzelnen Ständen weiter diskutiert wurde.

Durch das Programm der Konferenz führte Petra Schmidt vom Design Verein Frankfurt (weitere Mitgleider: Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler (Pixelgarten), das Duo Doeller & Satter und Alexander Lis), der die Veranstaltung ins Leben gerufen hat. Eine der ersten Vortragenden war Charlotte Cheetham, die den Blog Manystuff betreibt. Neben dem Bloggen organisiert sie immer wieder verschiedenste Projekte, arbeitet mit Grafikdesignern zusammen – und veröffentlicht auch Gedrucktes. So zum Beispiel “About your Process”: Eine Sammlung von Interviews, die sie per E-Mail geführt hat und die als Printed Version erschienen sind.

Die Zusammenarbeit steht bei Jan Wenzel von Spector Books an wichtiger Stelle: Publikationen entstehen am besten, wenn alle von Anfang an an einen Tisch geholt werden; Designer, Texter, Drucker, Buchbinder, …. Nur so kann man voneinander lernen und neue Produktionsweisen erproben. In diesem Prozess wird der Verleger immer wichtiger und spielt, so Wenzel, heute die Rolle des DJs der 90er Jahren. Das Self-Publishing sieht er als große Chance, aus kleinen Bewegungen große zu machen. Und übrigens sei es sehr naiv, das Buch zu verabschieden: Das Theater war nach der Antike auch als tot angesehen worden – und ist heute sehr lebendig.

Am Samstag startete die Vortragsreihe mit Stefan Soltek vom Klingspor Museum. Er ging vor allem auf unabhängige Zeitschriften ein, die in der Vergangenheit ihr Potenzial nutzen, um auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen (unter anderem: The Next Call). In den 30er Jahren hatte eine Zeitschrift aus Paris gegen die deutsche Besatzungsmacht »gekämpft«, indem die den Lesern das Reichtum der französischen Kultur dem Nazi-Regime gegenüber stellte. Und in der DDR wurde die Kunst- und Literaturzeitschrift »Entwerter/Oder« gegründet, die sich politisch engagierte und inoffiziell erschien. Das Gedruckte war immer lebendig, wenn Aussagen dahinter standen und Ideen kommuniziert wurden. Und so kann man das heute immer noch sehen: Die Printing Culture ist auf jeden Fall am Leben, wenn sie Aussagen trifft und keinen reinen Formalismus betreibt (der keinen Mehrwert hat).


Dass es auf den Inhalt ankommt, sagt auch Kai von Rabenau, dem es außerdem auf die Frage der passenden Umsetzung ankommt. Er berichtete von mono.kultur, einem Magazin, dessen Ausgaben aus je einem einzigen Interview bestehen. Für das Gespräch mit Sissel Tolaas, die Gerüche sammelt, war die Umsetzung auf Papier zwingend: Jeder Leser kann die »eingearbeiteten« Düfte selbst riechen. Eine andere Ausgabe beschäftigte sich mit Manfred Eicher, dem Vordenker des Jazz und Klassik Labels ECM Records. Sie war die erste, die als App erschien – eben weil diese Form die passende Lösung für das Vermitteln von Musik und Ton (Eichers Arbeit) in Kombination mit Text (dem Interview an sich) ist.

Wer durch die Vorträge neugierig wurde und die erwähnten Publikationen gerne selbst in Augenschein nehmen wollte, konnte das gleich nebenan tun: An verschiedenen kleinen Ständen präsentierten sich sowohl Vortragende als auch andere Verlage ihre Magazine und Bücher. Diese kleine Messe der Selbstpublizierenden war außerdem perfekt dazu geeignet, die in der Konferenz angesprochenen Themen in kleineren Runden weiter auszuführen.

Die First Issue war auf jeden Fall sehr lebendig – und so freut man sich doch, zu hören, dass sie nicht die einzige Konferenz und Messe ihrer Art bleiben soll: Wie der Name schon andeutet, sollen “second” und “third” … bald folgen.


(Åbäke präsentierte übrigens sehr eindrucksvoll mithilfe einer kleinen Kamera, die mit dem Beamer verbunden war. So konnte er live in seinen Büchern blättern, Details zeigen und auf bestimmte Dinge eingehen – und ganz nebenbei auch noch zeichnen.)

Photos by Christiane Feser / Anja Neidhardt

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