Interviews

François Chalet / Special Schweizer Illustration

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Slanted ist seit der neuen Ausgabe des Slanted Magazins #23 – Swiss Issue vollkommen auf die Schweiz eingestellt. Im Rahmen der Veröffentlichung findet am 5. Juni 2014 zudem eine Konferenz zum Thema Schweizer Grafik gestern und heute statt, die wir gemeinsam mit der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe organisieren. Ab sofort und in den kommenden Wochen stellen wir euch hier auf dem Portal spannende Illustratorinnen und Illustratoren vor, ohne die die Schweizer Grafik-Welt nicht die selbe wäre. 

François Chalet hat eine sympathische, charakteristische Figurensprache die man schnell wiedererkennt, hat man sie einmal gesehen. Das ist wichtig, denn die Arbeiten von François begegnen dir überall. Auf Kulturfestivals in Frankreich macht er Projektionen auf Hochhauswände, und in einem Pariser Restaurant gestaltete er mit dem Designer Philippe Starck eine verwirrende, atmosphärische Video-Installation, bei der animierte Grafiken über die »Screen-Tische« huschen, an denen die Restaurantbesucher essen. Bei so viel Multi-Plattform und Multimedialität freut man sich aber auch, wenn man seine Illustrationen gelegentlich in der Mitarbeiter-Zeitung der Zürcher Kantonalbank sieht. François Chalet war Professor für Motion Design an der Berliner Technischen Kunstschule, Dozent für Animation an der Zürcher Hochschule der Künste und doziert derzeit Expanded Animation an der Hochschule Luzern. Er lebt und arbeitet in Zürich.

Wir haben François Fragen zu seinem neuen Buch »Caspar« gestellt, das gerade erst auf dem Fumetto-Festival 2014 in Luzern und auf dem Pictoplasma-Festival 2014 in Berlin präsentiert wurde.  

Was war das Spannendste an der Aufgabe?

Seit der Geburt meines Sohnes Caspar im Dezember 2010 habe ich jeden Tag eine Illustration gezeichnet und auf Facebook  hochgeladen. Es sind bis heute über 1 300 Illustrationen entstanden. Mir ging es darum etwas zu produzieren, das vielleicht auch andere Eltern interessieren könnte, anstatt einfach nur Fotos von Caspar hochzuladen. Ich dachte mir auch, dass ich vielleicht irgendwann daraus einen Trickfilm entwickeln könnte. Es sollte aber ganz anders kommen. Der Verleger vom Echtzeit Verlag, mit dem ich auch über Facebook befreundet bin, meldete sich vor ein paar Monaten und schlug mir vor ein Buch mit den besten Illustrationen herauszugeben. Mein erster Gedanke war, das passt sehr gut, denn der Name des Verlages ist die Essenz meines Projektes, nämlich Echtzeit.

Welche Fähigkeiten konntest du dabei nutzen?

Ich versuche tägliche Situationen auf den Punkt zu bringen, und das formal möglichst reduziert - ganz in der Tradition des Swiss Graphic Designs: “Reduced to the max”. Eine weitere Fähigkeit ist sicherlich das Durchhaltevermögen. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine Geschichte zu erzählen auch wenn ich keine Idee habe. Das hat mehr oder weniger geklappt. Auch geht es um Einschränkung, eine Tugend des Schweizer Grafikdesigns: Ich realisiere jeden Tag eine Illi und habe nur begrenzt Zeit. Manchmal arbeite ich im Zug, manchmal um sechs Uhr, bevor mein Sohn aufsteht.

Hat dich das Ergebnis überrascht?

Ich bin sehr stolz über das Buch. Es ist ein schönes Objekt geworden, sehr sorgfältig und liebevoll gemacht. Die Macher hinter dem Verlag (Wendelin Hess und Beat Müller) sind sehr gute Grafiker und Typografen. Es ging teilweise um Fragen wie, noch zwei Prozent Cyan mehr, oder zwei Prozent Yellow weniger? Ich bin einfach nur begeistert!

Das Buch:

François Chalet: Caspar. 
208 Seiten, durchgehend farbig illustriert.
Echtzeit Verlag 
Preis: 22,- Euro

 

Illustrationen © François Chalet  

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