Freistil und Slanted suchen Antworten! / Rock oder Roll? Idee oder Umsetzung? Oder und?

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Freistil, das zweijährig erscheinende Jahrbuch der jungen, europäischen Illustration, überrascht mich als Herausgeber jedesmal von neuem. Denn immer wieder tauchen neue Namen und Handschriften auf, die den Bereich der Gestaltung schon in jungen Jahren bereichern. Sie verändern schneller und intensiver unsere Wahrnehmung, als das Fotografen oder Grafikdesigner zur Zeit tun.
Aber wie wird aus einer Mode ein nachhaltiger Beitrag innerhalb des ständig wachsenden Bilderhungers? Wieso schauen wir, wenn wir über Illustration reden, noch immer voller Begeisterung nach England, Frankreich und Amerika? Vielleicht, weil in unserem von Kastendenken geprägten Kulturkreis zwei Dinge noch immer nicht zusammenkommen wollen;
Eine gute Idee und eine gute Umsetzung.
Wie viele der Illustrationen sind pure Oberfläche, die nichts weiter sein wollen, als hübsch. Und wieviele tolle Ideen müssen es sich antun, in schlechtem Stil und Handwerk daherzukommen? Nur in der Kombination werden Stars geboren. Die wenigen Illustratoren, die man heute noch aus der Designgeschichte kennt, waren Meister dieser Verbindung. Und die Zeichner, die heute länger überleben wollen als eine Softwaregeneration, müssen sich sputen. Denn ein Sound wird schnell vergessen, eine gute Geschichte nie.
Also. Woran liegt es, daß in der Illustration diese Verbindung so selten stattfindet? An der Ausbildung, an den Kunden, am Geld?
Gibt es an den Unis getrennte Welten? Konzeptionelle Ausbildung hier, handwerkliche da? Sind Werbeagenturen phantasielos und Zeitschriftenredaktionen konservativ? Ist der unausgesprochene Kampf zwischen Designbüros und Reklamemachern nicht auch ein Teil dieses Krieges. Eines Krieges zwischen guten Ideen und gutem Geschmack.
Für unser nächstes Buch (erscheint im März 2007 im Verlag Hermann Schmidt Mainz) wollen wir einen Text zu diesem Thema veröffentlichen. Und zwar mit euren Statements, euren Erfahrungen und - natürlich - euren Ideen.
Die Diskussion ist eröffnet. Die besten Antworten, Statements und Kommentare werden in Freistil 3 veröffentlicht!

hans schumacher

Auch wenn die Eröffnung 'durch die deutsche Kommunikationslandschaft geht ein Riss' ein wenig plakativ daherkommt (ruckt es mal wieder?) – dass mit dem Kastendenken, ob nur hierzulande oder auch anderswo – stimmt sicher bezüglich der manchmal unseeligen Trennung von Schrift und Bild im hiesigen Grafikdesign. Niemand würde z.B. bei Peter Saville an das Wort Illustrator denken – dabei sind einige seiner Entwürfe extrem bildlastig, oder reine Bildkompositionen. Bei Peter Saville denkt man an den typografisch ausgebildeten Designer, der eben alles zum Entwerfen verwendet, was die visuelle Pandora hergibt: Buchstaben, Fotografie, Malerei, Skulptur …

'der Illustrator' könnte sich sowas kaum leisten – Illustratoren sind insofern arme Schweine, als dass ihre Arbeit vielfach nur aufgrund stilistischer Kriterien gewählt wird oder gefragt ist – nach dem Motto: da brauchen wir etwas in der Art von …
Da wird die Illustration dann schon im Vorfeld zur Dekoration herabgewürdigt – mit Entwurf oder Gestaltung hat das dann nicht mehr viel zu tun.

Shimun

Ich finde dass sich die deutschen Illustratoren schon lange sehr gut gegenüber den Stars aus Übersee behaupten können, das Problem in Deutschland ist leider immernoch diese Trennung zwischen Grafik Design und Illustration in den Köpfen der Konsumenten...Diese ganze Streetart/Collagenschiene die seit ein paar Jahren läuft hat das Ganze etwas gelockert und neue Wege geöffnet bleibt zu warten was die nächsten 5 Jahre bringen werden und welche Gestaltungsform dann den hippen Mainstream beglücken darf, entweder wir kriegen was schickes Neues oder es gibt ne neue Retrowelle...time will tell.

christoph

was konkret ist gemeint mit »tollen Ideen« die »in schlechtem Stil und Handwerk daherkommen«? solange man das nicht mit beispielen präzisiert, bleibt unverständlich, worum es hier eigentlich geht. möglicherweise finden andere das ja einen tollen stil, was hier angeprangert werden soll.

Raban Ruddigkeit

Spiegeltitelbilder? Sterntitelbilder? Focustitelbilder?

hans schumacher

well, vielleicht ist das mit der tollen Idee ja so gemeint wie in dem alten Witz mit dem Leutnant und dem Rekruten: Krüger, was ist eine Idee? Herr Leutnant, eine Idee ist … (hier jetzt eine lange und umfangreiche philosophische Ausführung einfügen) Ok, Krüger, dann rücken sie ihr Gewehr mal eine Idee höher. Nehmt dies als Parabel auf ein imaginäres Gespräch zwischen Werbeagenturchef und Reinzeichner.

Naja, dann haben wir hier noch ein beispiel für tolle idee, schlechten stil und mieses handwerk:
lightsabre cocksucking blues sung by kittens http://www.rathergood.com/lightsabre/

christoph

ach so, das ist gemeint. bei den titelillustrationen solcher magazine kann man aber selten von schlechtem handwerk sprechen, in der regel beherrschen die leute, die das machen, ihren stil schon ziemlich gut. das problem dürfte wohl eher sein, dass der von solchen illustrierten eingesetzte stil zumeist ziemlich altbacken ist. das passt allerdings auch zu deren bildideen, die themen stets auf ganz klassische weise verdichten, sehr symbolhaft und in der regel auch etwas platt.

was ist also gewünscht? bildideen die so symbolhaft wie beim stern daherkommen, aber stilistisch so cool sind wie die bei den inhaltsfreien grafikerdesigner-selbstdarstellungs-magazinen?

Raban Ruddigkeit

Ja ich wünsch mir schon, dass diese beiden Welten ein bisschen näher zusammenrücken. Finde es einfach schade, daß in diesem Bereich immer nur das eine oder andere gilt. Frag mal einen Musiker, ob er lieber einen Song machen möchte oder eine n guten Sound.

lars

es gibt mehr gründe, warum es hier in deutschland mit der illustartion nicht immer so klappt.
- an unseren schulen wird kunstunterricht kaum gefördert. eine stunde pro woche, wenn überhaupt (mein sohn hat seit 2 jahren keinen strich in der schule gemalt, besser gesagt malen dürfen!!!! er ist in der 5. klasse). nen: es lebe die mathe, die gemeinschaftskunde, die sprachen...
- der staat hat kein bewußtsein für gestaltung. überall dort, wo gestaltungsbedarf herrscht, werden die augen (geldtöpfe) geschlossen. keine briefmarke, kein schöner reisepass (vergleich holland!), keine mut bei redesign von institutionen wie bahn, polizei etc. merkwürdige wm-logos. die lise ist lang. ist das kanzleramt schön? ist magenta die richtige farbe für ein telekommunikations unternehmen? wie soll der bürger/auftraggeber bei solcher prägung in der lage sein, einen guten geschmack zu entwickeln? wie soll er den mut haben, wenn er von sohn zu papa mercedes fährt, mut für neue formen und farben haben?
- wir deutschen sind kopf-menschen. mit klaren bildern (sprich fotos) kommen wir besser klar als mit bauch/emotion gesteuerten bildern/illustrationen.
- das 3. reich hat alle wichtigen künstler entweder ins exil oder in den tod geschickt. diese lücke ist natürlich und zm glück geschlossen worden, aber irgendwie spielt diese epoche immer noch eine rolle. die nachrückende junge generation wird oft von der älteren nicht verstanden. mehr vielleicht, als in anderen ländern. (bringt mich um für diese these... :-)

und es gibt viele ansätze, bei denen ich denke, dass es dennoc sehr gut klappt und bei dem es nichts zu tun hat mit nationalität oder land. ich beobachte, dass es sehr gute leute gibt, mit guten ideen und gutem style, diese aber nicht unbedingt und ausschließlich in deutschland publizieren und arbeiten. web und globalismus haben im positiven sinn dazu beigetragen, dass es keine grenzen für die zusammenarbeit zwischen kreativen mehr gibt. vor kurzem haben wir für ein bayrisches pfarrkabaret ein buch gestaltet. der illustrator (paul hoppe) ist deutscher und lebt in new york. es war ein tolles projekt, er hat sehr schöne, humorvolle und subtile illus geliefert. so gesehen: sooo wichtig ist es doch nicht mehr, wo wer sitzt in welchem land...

klar, dass in der werbe- und magazin-szene ein stück schönere, hochwertigere illustrations-kultur wünschenswert wäre...aber so what? dazu kommt es doch von alleine. ganz einfach durch globalismus.

und: illustartion kann auch, genau wie typo und foto nur dem anspruch gerecht werden, dekorativ zu sein. nur ein beispiel: vor 2-3 jahren sahen skier oft sehr gleich aus: sport, race, woosh reisebus design. und dann, mit der freerider szene ist ein markt entstanden, bei dem eine riesen nachfrage nach street-art motiven entstand. und die frauen wurden als zielgrupe auch noch entdeckt und es wurden bretter mit blumen und ranken designt (ja..habe ich auch schon gemacht für atomic und blizzard!).. illu als deko. why not?

im editorial design hat sich die illustration doch etwas bemerkbarer gemacht, oder nicht? leider auch dort oft mit dem anspruch, die bleiwüste nur etwas aufzulockern...auch hier wieder: why not?

timm

>> illustartion kann auch, genau wie typo und foto nur dem anspruch gerecht werden, dekorativ zu sein.

nein, illustration kann wie typo und foto auch ebenso dem anspruch gerecht werden, die informationen lesbarer zu machen, zu ergänzen und zu vertiefen. oder selbst der informationsträger sein. das kannst du in der young miss natürlich nicht erwarten.

das der "globalismus" (ich glaube du meinst hier "globalisierung") alles regelt, ist liberalismus oberflächlichster sorte.

alles klar, ich setz mich vor die glotze und dreh mir einen, der globale markt führt schließlich automatisch zu einer schöneren, hochwertigeren illustrations-kultur!

lars

> das der "globalismus" (ich glaube du meinst hier "globalisierung") alles regelt, ist liberalismus oberflächlichster sorte.

auf der weltreise die wir mit dem bastard-team gemacht haben, hatten wir einen, zumindest was gesatltung angeht, sehr positiven eindruck was "globalismus" angeht. durch web und email haben sich uns im vorfeld viele türen geöffnet und super kontakte zu uns vorher unbekannten büros und designern ergeben. auf den regalen der büros sind zwar überall die gleichen bücher und figuren, aber die leute ticken durchaus anders. und alle wollen eins: ihre wurzeln, ihre identität, ihren geist sichtbar machen...global - ich beziehe das eher auf die möglichkeiten, sehr unkompliziert mit leuten aus aller welt zusammen kommen zu können und arbeiten zu können. da sind für mich nationale grenzen unwichtig. und warum sollte ich nicht, (genau so wie es konzerne auch machen), über den tellerrand schauen und versuchen heraus zu finden, wer da draußen gute illus macht? ob der nun in hamburg oder ny sitzt, das spielt keine rolle.

> nein, illustration kann wie typo und foto auch ebenso dem anspruch gerecht werden, die informationen lesbarer zu machen, zu ergänzen und zu vertiefen. oder selbst der informationsträger sein. das kannst du in der young miss natürlich nicht erwarten.
ja. aber das ist doch kein widerspruch zu der aussage, dass illu (genau wie foto, typo, malerei, tanz, musik...) auch nur deko sein darf.

Ida

Wir Deutschen sind keine "Genießer"-Kultur. Wer gibt schon gerne etwas mehr Geld aus für ein schönes Buch etc. Wir leben in der "Geiz-ist geil"-Gesellschaft. Wer will Geld für Qualität ausgeben? Gibt es in der breiten Bevölkerung überhaupt ein Bedürfnis nach guten Illustrationen? Muss nicht alles leicht verdaulich und schön verpackt sein? Wer will noch nachdenken, wo man sowieso schon überfordert ist mit globalen Problemen?

Wer hat das Geld gute Arbeit zu bezahlen? Für gute Illustrationen, Ideen und Umsetzungen, braucht man auch etwas mehr Zeit.

Wer kann und sollte gute Illustrationen und Qualität fördern? Wer kann als "Kunstkritiker" für Illustrationen fungieren und somit mitbestimmen, was Qualität ist? Oder anders: Wer kontrolliert Illustratoren? Eigentlich nur der Markt, dem es nicht um gelungene Illustrationen geht, sondern um verkäufliche Ware.

Der Rösler

Was die zunehmende Vernetzung betrifft möchte ich stark daran zweifeln dass sie eine qualitative Auswirkung hat. In erster Linie wird die Entwicklung wie in vielen anderen Bereichen auch erst einmal schneller werden (OK, das kann man qualitativ sehen...). Als Illustrator bin ich von guten Kollegen aus Brasilien oder Argentinien oder sonstwo beeinflusst, und ich bekomme mails mit Kommentaren zu meinen Arbeiten aus Israel oder anderen Ländern. Wer aber glaubt ein eigenständiger, guter Illustrationsstil fällt einfach so vom Dach hat selbst nie gezeichnet. Wenn ich die Arbeiten von Christian Montenegro auf seiner Website oder in einem Magazin sehe bin ich begeistert, wenn ich ihn auf der Pictoplasma Konferenz zu seinen Arbeiten sprechen höre verstehe ich ihn nocheinmal auf einer anderen Ebene. Lars sein Beispiel ist da ja sehr bezeichnend. Paul Hoppe ist nicht irgend ein Illustrator aus NY. Er ist jemand den Lars aus Deutschland persönlich kennt und schätzt und das ist ja auch gut so.

Der Punkt der Diskussion ist doch die Frage wie Illustration in Deutschland eingesetzt und wie ist dann die (Arbeits-) Realität für einen Illustrator. Ich kann in meinem Arbeitsalltag nur jeden Tag für einen guten AD beten, der weiß warum er mich, und eben mich und nicht irgendeinen Illustratoren bucht. Die meisten Kollegen überleben in Deutschland nur als eierlegende Wollmilchsäue. Wer möglichst viele Stile beherrscht kann alle Kunden befriedigen die (meist aus sentimentalen Gründen) mal was anderes als ein Foto haben wollen. Das ist eben in Amerika komplett anderst. Hier gilt die Regel: Nur ein Stil! und falls man tatsächlich einen zweiten hat dann niemals beide zeigen! Genau an diesem Punkt finde ich Rabans Ansatz sehr spannend. Ich bin ja immerhin auch so ein halber Grafiker. Es ist wichtig das Illustration gezielt und geplant eingesetzt wird. Dann kann Idee und Inhalt zusammen kommen und etwas besseres entstehen.

Thierry

zwei positive beispiele für den einsatz von illustration: NEON von stern und Brand Eins, wobei da das design ja sowieso klasse ist.

neon setzt illustration von immer wieder neuen illustratoren absichtlich und mit viel gewicht ein, bei brand eins habe ich bisher illustrationen nur auf der titelseite gesehen - da dafür stilistisch sehr reichhaltig (ich beziehe mich nur auf die ausgaben SPIEL und ERFOLG, vorher habe ich es nur sehr selten gelesen).

lars

>Ich kann in meinem Arbeitsalltag nur jeden Tag für einen guten AD beten, der weiß warum er mich, und eben mich und nicht irgendeinen Illustratoren bucht.

der illustartor wird oft als dienstleister gesehen. nicht als künstler. so benimmt er sich dann auch. er bietet möglichst viel an. und ölt seine künstlerseele mit streetart oder freien projekten, in der hoffnung, dass diese gesehen werden.
es braucht erziehung, um eine kultur der toleranz, der neugierde, der kunst etc leben zu können.

abgesehen davon, andré: ich beneide dich um dein können. so gut wie du würde ich auch gerne zeichnen können. nicht nur um schöne widmungen in büchern hinterlassen zu können...you bastard!

Michael Luz

auf der stetigen Suche nach DER perfektekten Illu, zeichne ich, schaue, kopiere, ertappe mich, verwerfe, fotografiere, pause, male mit und ohne Alkohol, fühle, verliebe mich, entdecke genau den gleichen Style in einem Stern vom 1988, heule ein bißchen, fange neu an, kritzel ins Skizzenbuch und bin doch im Glück.
Ich sehe die Szene nicht negativ, würde auch nicht um einen guten AD beten. Wenn die Buchung kommt freuts mich, dann liegt das weiße Blatt vor mir und der Tanz beginnt.

Wenn nicht, gibts eben Miracoli und mehr Zeit zum Malen.

Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich höre, der Illustrator soll nur einen Stil zeigen. Ich denke ein Stil entwickelt sich übers Gesamtwerk des Einzelnen. Das ist die Kunst, dass mann Dich durch Deine verschiedensten Arbeiten wiedererkennt. Klar sehen wir uns alle irgendwo als Künstler, doch wir hätten alle das berühmte Stöckle im Popo, wenn wir stets darauf achten müssten einem Stil treu zu bleiben. Ob einem als Illustrator ein Stil zugeordnet wird, entscheiden nunmal Andere.

kai

da sehe ich wie lars...es ist ein langer prozess....solange die Illustratoren wie im Supermarkt alle Stile anbieten, werden Sie zu reinen Umsetzern und der einzelne hart erkämpfte indieviduelle Stil ist nix mehr wert.

In diesem Zusammenhang ist es meiner Meinung ein guter Ansatz, wenn man als Kollektiv auftritt, innerhalb diesem dann jeder Illustrator seine persönliche Handschrift vertritt. Man kann Masse und Vielfalt zeigen, ohne sich zu prostituieren und jeder macht automatisch für den anderen Werbung (durch einen gemeinsamen Namen, gemeinsame Website usw...)

Ich finde, diese Diskussion braucht Beispiele...wir reden hier immerhin um Illustration und nicht um die Stahlkrise im Saarland (die ja auch schon vorbei ist):

Titel

....arbeiten nicht nur für MTV!!!!!!!! ...sondern auch für Toyota, Sony usw.

und dann noch ein deutsches (Frankfurter) Beispiel:


www.laborproben.de" target="_blank" rel="nofollow">Titel

..machen viel im Buchcover und Mgazinbereich, Christopher hat ja auch bei slanted 3 mitgewirkt!

kai

hm..hier nochmal in Reinform:

www.peepshow.org.uk

www.laborproben.de

kai

@michael:

vielleicht müßte man "stil" etwas genauer definieren....
ich bin der meinung, es dauert sehr lange, bis eine handschrift (um das wort stil zu vermeiden) ausgereift ist und somit für auftraggeber interessant ....natürlich kann man ALLES zeigen...Aquarelle, Acrylarbeiten, Airbrush, Bleistift, Vektor , Collage und, und , und....

Aber da leidet meines Erachtens nach sehr oft die Qualität bzw. die Eigenständigkeit.

Freue mich auf Gegenbeispiele, die meine These widerlegen!

Der Rösler

Handschrift ist in der Tat besser als Stil. Ich denke das trifft die Sache eher da es nicht so sehr einschränkt. Experimentieren ist Pflicht, da hast du natürlich Recht Michel und ,um dir bei der Gelegenheit auch mal ein wenig die Eier zu schaukeln, du hast ja bei allem (oder wohl eher wegen intensivem) Experimentieren eine eigene Handschrift.
Ich bin nicht unbedingt der Ansicht dass ein Illustrator nur einen Stil zeigen sollte. Die Sache steht ja auch gar nicht zur Debatte. Ich denke nur dass es erst in einem Markt in dem Illustration gezielt und bewusst eingesetzt wird einem Illustratoren möglich wird mit einem festen Stil zu existieren. Vorausgesetzt natürlich dass der Markt auch groß genug ist, das ist natürlich auch ein Faktor.

Kollektive sind in der Tat eine feien Sache, aber wenn sie funktionieren auch immer eine glückliche Konstellation. Die Laborproben sind ja nicht nur ein Kollektiv, sondern auch eine Bürogemeinschaft, die sich Arbeitsräume teilen. Von den gibt es in Deutschland einige (die artillerie in München, Atelier Amaldi in Hamburg...). Das ist aber trotzdem eine schwierige Sache. Illustratoren sind in der Regel Einzelkämpfer mit Konkurrenzdenken und wenn die Stile zu unterschiedlich sind haben sie sich meist nix zu sagen. (wer spricht schon mit Airbrushern :-)). In Deutschland teilt sich die Illustrationsszene extrem stark in Gruppen. Die Kinderbuchleute, die Werbezeichner, die Trickfilmfreaks, die Storyboarder usw. usw. Ist das typisch deutsch? Hmm, vielleicht ist da die relativ neu gegründete IO da ja ein guter Ansatz die Kommunikation zu fördern. Oder ist eine Organisation prinzipiell das Deutscheste was man sich vorstellen kann??

Raban Ruddigkeit

Natürlich nicht, denn auch andere Länder bemühen sich, mit Associations die Kultur der Illustration voranzutreiben. Allein, diese Clubs sind einem Qualitätsverständniss verpflichtet, das eingangs erwähnte Brücke zwischen Ideeundumsetzung schägt und damit den - hin und wieder einzigen - Maßstab setzt.

Der deutschsprachige Markt ist groß genug für eine Menge eigenständiger Musik, Mode oder Literatur. Es gibt den größten europäischen Werbekuchen und die meisten Magazine. Ist die Frage erlaubt, warum die ADs die Franzosen, Enländer oder Schweizer besser finden und sie dann kopieren wollen?

Michael Luz

Kennt von Euch jemand eine große deutschsprachige Kampagne einer Werbeagentur, die komplett illustrativ gelöst wurde? Kann es nicht sein, dass in Deutschland die Werbeszene im internationalen Vergleich eher vorsichtig oder was unserem naturell entspricht sogar ängstlich agiert? Ich sehe den Vergleich in der Mode. Extravagantes wird in Deutschland zuerst belächelt, beäugt, dann wägt man ab, kann ich das tragen oder nicht, wir Schwaben hadern da auch noch mit dem Preis. Auf jeden Fall bis wir uns entscheiden die Latzhose zu kaufen um sie dann drei Monate später zu tragen, laufen die ersten schon mit nem goldenen Dirndl rum.

Sind wir Schisser?

lars

>Sind wir Schisser?
ja, wir sind es. weil wir alles richtig machen wollen. klinsmänner haben einen schweren stand. und wehe sie versagen.

warum, andré, sind illustartoren einzelgänger? ist die bürogemeinschaft nicht rezept für austausch, kritik, therapie...?

Der Rösler

Ich denke sie sind oft Einzelgänger weil sie es gewohnt sind für sich zu arbeiten und ihre Illus zu machen. Viele entscheiden sich auch für die Heimarbeit weil es billiger ist. Im Schulbuchbereich arbeiten viele Illustratoren für einen Stundensatz bei dem man an eine Büro gar nicht zu denken braucht... Aber du hast natürlich recht, Lars. Eine Bürogemeinschaft ist Vernetzung ist Austausch, das ist auf jeden Fall gut. Ich sitze ja schließlich auch in einer, auch wenn das keine Illustratoren-Bürogemeinschaft ist.

In der deutschen Magazinlandschaft wird mittlerweile viel mit Illustration gearbeitet, und seit den "brand eines" Arbeiten von Yves Netzhammer ist auch durchgesickert, das Illustration mehr leisten kann als nur ironische Verdichtung. Trotzdem liegen die Preise für Illustrationen in deutschen Magazinen oft nur knapp über dem Preis der ein gleich großes Stockbild kosten würde. In England ist das definitiv anders.

Ich denke in Deutschland ist das Denken sehr starr. Eine Zeichnung ist bestenfalls ein Witzbildchen. Das ist ja ein Problem mit dem sich der deutsche Comic seit langem rumschlägt.

kai

>>Kennt von Euch jemand eine große deutschsprachige Kampagne einer Werbeagentur, die komplett illustrativ gelöst wurde?

Ja, die Cinemax -Kampagne von Jung von Matt...ist schon paar Jährchen her....aber das war mal richtig erfrischend!

Red Bull, zwar aus Österreich, aber von einer Frankfurter Agentur entwickelt...!..Kastner und Partner...auch schon etwas her...

Puma machte zeitweise auch reine Illu-Anzeigen....

.....was aber bezeichnend ist für die deutschen Illu-Muffel:

Toyota machte einen wunderschönen Spot, den Marie O Connor zusammen mit Luke Best vom Peepshow-Kolletiv collagierte und animierte (es ging um unterschiedliche Designs bei dem damals neusten Modell...)der lief aber leider nur in Frankreich...tja!

Ich weiß allerdings nicht, ob der zögerliche Einsatz von Illus etwas mit Angst zu tun hat...es ist einfach noch nicht wirklich in Deutschland angekommen (Wie so vieles), daß es noch mehr gibt außer Bild mit 24 Punkt Headline und packshot!

Vielleicht haben kleine Büros die Chance, langfristig daran was zu ändern..denn da gibt es nicht den CD und den AD und den TEXTER und den ILLUSTRATOR...da fließt alles mehr zusammen...da werden nicht einfach nur Illustratoren gebucht, die dann zuhause im dunklen Kämmerlein den gewünschten Stil kopieren.

Und da es von diesen Büros immer mehr gibt, habe Ich da Hoffnung!

Anja

Ich klicke mich hier kurz aus new york ein. Ich kann jetzt nicht viel ueber die deutsche illustrationsszene mitreden, da ich bereits seit 12 jahren in new york lebe (davon arbeite ich seit 10 jahren erfolgreich als Illustrator) und urspruenglich aus wien komme, aber ich habe zumindestens erfahrung von new york aus weltweit zu arbeiten.

Illustration hat ja vor allem in europa und auch in den usa wieder einen aufschwung bekommen als das wallpaper magazin zum ersten mal erschien und ploetzlich eine neue, moderne richtung gefragt war. Daraus entwickelte sich glaube ich auch das es ploetzlich sehr viele illustratoren gibt, viele willig sind gegen (oft nicht wirklich gute) Bezahlung Stile zu kopieren was leider sowohl die Qualitaet als auch den Marktwert von Illustration nach unten treibt.

Ich vertrete sehr stark die meinung das es wichtig ist eine eigene unverkennbare handschrift zu entwickeln wofuer der kunde auch bereit ist gutes geld zu bezahlen.

nickblumezander

Bei sehr vielen Illustratoren ist es wirklich sehr schwer, einen eigenen Stil zu finden, den man auch gegen Brot und Lohn auch gut auf den Markt »präsentieren« kann. Meistens werden dann Einzelaufträge, die dann oft aus Angst vor »Einseitigkeit« nur einmal vergeben werden.

Es gibt nur wenige gute Beispiele, wo ein Illustrationsstil immer wieder aufrechterhalten wird - z. B. Nina Simon, die die politischen Figuren porträiert - in der FAZ in der vorletzten Seite des ersten Teils. Oder Philipp Waechter oder Jörg Mühle (laborproben) mit seinen Büchern.

Es gibt wirklich zu viele Illustratoren, deren »Durchschnitt« man auch oft auf der Frankfurter Buchmesse im FILU-Archiv sehen kann. Oft sehr sehenswert, oft auch zu einseitig.

nickblumezander

@Lars.

"- der staat hat kein bewußtsein für gestaltung. überall dort, wo gestaltungsbedarf herrscht, werden die augen (geldtöpfe) geschlossen. keine briefmarke, kein schöner reisepass (vergleich holland!), keine mut bei redesign von institutionen wie bahn, polizei etc. merkwürdige wm-logos. die lise ist lang. ist das kanzleramt schön? ist magenta die richtige farbe für ein telekommunikations unternehmen? wie soll der bürger/auftraggeber bei solcher prägung in der lage sein, einen guten geschmack zu entwickeln? wie soll er den mut haben, wenn er von sohn zu papa mercedes fährt, mut für neue formen und farben haben?"

Wunderbar geschrieben, Lars. Apropos Reisepässe ->guck dir mal die Website der Diplomausstellung der FH Mainz an. Hier

"Kennt von Euch jemand eine große deutschsprachige Kampagne einer Werbeagentur, die komplett illustrativ gelöst wurde? Kann es nicht sein, dass in Deutschland die Werbeszene im internationalen Vergleich eher vorsichtig oder was unserem naturell entspricht sogar ängstlich agiert? Ich sehe den Vergleich in der Mode. Extravagantes wird in Deutschland zuerst belächelt, beäugt, dann wägt man ab, kann ich das tragen oder nicht, wir Schwaben hadern da auch noch mit dem Preis. Auf jeden Fall bis wir uns entscheiden die Latzhose zu kaufen um sie dann drei Monate später zu tragen, laufen die ersten schon mit nem goldenen Dirndl rum."

Ja, die von CineMax, die - glaube ich - von JungvonMatt gelöst wurde. Aber die illustrative Qualität lässt zu wünschen übrig. Coca&Cola macht auch was dazu... mehr bei Fabian.

Da kann man z B. was abgewinnen, indem man als Illustrator sich nicht nur auf Papier beschränkt, sondern offen für neue Bereiche ist.

kai

heee nick....du mußt auch MEINE beiträge lesen, oder wieso doppelt sich unser beitrag in sachen cinemax???
hä?!"

nickblumezander

Hi Kai. Sorry. Ich habe es nicht gesehen, daß du auch CineMaxx geschrieben hast... ich muss wohl besser lesen. ;) Danke für den Hinweis.

kai

...paßt schon...hab mich nur gewundert....!

kai

...damit mein kommentar an nick auch nett klingt, bitte ein "grins" hintendran denken! klingt sonst so schroff!

nickblumezander

;) Ist da. ;)

kai

danke, nick...
eins weiß ich jetzt schon:
die letzten fünf einträge kommen nicht ins nächste freistil...zurecht!

Raban Ruddigkeit

Je länger diese Diskussion läuft, desto klarer scheint mir eins zu werden. Es geht viel weniger um Stil, als um Ideen. Die Cinemaxx-Kampagne läuft seit Jahren nicht mehr, jeder kann sich erinnern. Die noch immer laufende Renault-Kampagne wurde hier noch gar nicht erwähnt.

Ich glaube auch nicht, daß Wallpaper die »Neue Illustration« vorangebracht hat, sondern - wie so oft - die Technologie. Freehand und Flash heben maßgeblich einen Trend diktiert, der heute jeden ermüdet.

Außer da, wo es gute Ideen gibt. Ives Netzhammer (Brand Eins) verwendet auch Freehand, seine Arbeiten sind dennoch nahezu zeitlos.

Ist es also so, daß es gar nicht die Umsetzung ist, die entscheidet, sondern ausschließlich die Konzeption?

Raban Ruddigkeit

Oder anders; Sounds vergehen, der Song bleibt.

kai

kann gut sein...auch da ist red bull wieder so ein beispiel....je weniger man illustration bei einem produkt vermuten würde, desto mehr fällts auf....

viele agenturen hätten bei red bull damals wahrscheinlich irgend ein junges hippes Pärchen genommen und riesig die Dose als Packshot abgebildet (siehe Becks-Werbung im Printbereich)...

Ich denke auch generell, die Kombination Produkt-Ilustration ist sehr entscheidend...denn da ist der Überraschungseffekt am größten...und wenn dann die IIllustration noch in kreativer und mutiger Weise daher kommt, umso besser...

Raban Ruddigkeit

Mut ist mit Sicherheit ein gutes Stichwort. Denn nur mit Mut kann man das Neue schaffen. Es wurde ja schon über »Schisser« diskutiert, aber ich denke ach; Mut kommt von Machen.

kai

ja, Mut ist sehr wichtig...und zwar bei beiden Seiten..Kunde (bzw. AD oh weh) und Illustrator...sonst wird das nix!

Raban Ruddigkeit

Und wo kommt der Mut her, wenn er weg ist?

CHR15

vom Machen.

lars

wer hat den opel-hoppek spot gesehen? underground wird zu mainstream? opel versucht sein image zu verjüngen?

auf seiner website fand ich keinen hinweis über diesen dreh. ausverkauf eines styles? verrat? oder nur belohnung für jahre-lange harte unbezahlte arbeit?

borishoppek

Der Rösler

Auf der alten website war Boris Hoppek als Erfinder der Figuren erwähnt. Er wird also Kohle bekommen haben. Ich hoffe genug um das zu verkraften ohjeh ohjeh...

thecmons

Denise

kennt ihr diese momentane adobe aktion für die neue creative suite: www.adobe.com/creativemind/?
wenn man sich durch diese unsäglich stressige flashseite durchhackt entdeckt man erstaunlich inspirierende dinge, wie z.b. ein interviewfilmchen mit joshua davis, der programming benutzt um teile seiner illustrationen zu generieren (klickanleitung, da leider keine direktverlinkung möglich: grüner planet -> fast unsichbarer stern rechts oben -> rechter sternenpfad joshua davis anklicken -> auf dem planet kurz warten und dann auf die kanone klicken)

Denise

was haltet ihr denn so von diesen neuen herangehensweisen, wie auch z.bsp. arbeiten mit dem scriptographer plug in, dass ich hier schon mal vorgestellt habe und von dem ich sehr begeistert bin, dass allerdings nicht sehr viel aufmerksamkeit bei der slanted gemeinde erregte...

Ber

"Gibt es an den Unis getrennte Welten? Konzeptionelle Ausbildung hier, handwerkliche da?"

An meiner Hochschule werden gute Konzepte natürlich geschätzt. Aber es ist nicht so, dass konzeptionelles Denken großartig gefördert oder trainiert wird. Wichtig ist, dass am Ende etwas vorzeigbares da ist und das war´s dann.

rpgo

>> Je länger diese Diskussion läuft, desto klarer scheint mir
>> eins zu werden. Es geht viel weniger um Stil, als um
>> Ideen. Die Cinemaxx-Kampagne läuft seit Jahren nicht
>> mehr, jeder kann sich erinnern.

Das ist wohl wahr.

Jedoch bleibt hier die Frage, was genau dann der Verdienst des Illustrators daran ist -> Wenn die Idee das Entscheidende war - >Wenn es nur die Illustrative Ausarbeitung von Bildmotiven einer Kampagnenidee war, welche die Agentur (JvM) längst schon festgelegt hatte, als schlussendlich der Illustrator dafür gebucht wurde. (Wie hieß er doch gleich? ;-)

Der Rösler

Es geht doch nicht darum wer welchen Verdienst hat. Vielleicht ist das ja sogar ein Teil des Problems das wir hier diskutieren. Eitelkeit ist fehl am Platz. Letztlich ist doch entscheidend ob die Sache an sich funktioniert. Der AD hat für die Cinemaxx Kampagne den richtigen Mann gebucht und genau das ist wichtig. Für diese Konzeption passt der Zeichenstil, auch wenn er mit Sicherheit nicht unsere Sehgewohnheiten revolutioniert. Wer was kann spielt keine Rolle, Hauptsache die Schnittstelle wird richtig definiert. Wie oft pinselt der Praktikant rum, weil der AD gar nicht weiß wie anspruchsvoll die gestellte Aufgabe ist. Der AD hätte für die Cinemaxx Kampagne ja auch sagen können "mach mal was mit Kino" und das als Briefing dann z.B. an Beck oder Bernd Pfarr (ok, wenn er noch leben würde...) raus geben. Hätte sicher auch funktioniert.

Beck

rpgo

Aber das war doch die Augangsfrage: "Woran liegt es, daß in der Illustration diese Verbindung (Gute Idee und gute Umtsetzung) so selten stattfindet? An der Ausbildung, an den Kunden, am Geld?"

Um Eitelkeit ging es mir dabei gar nicht. Sondern genau wie du sagst: Entscheidend ist das die Sache ansich funktioniert. Die Idee der Cinemaxx-Kampagne z.B. konnte nur Illustriert funktionieren. Fotos wären wahrscheinlich etwas zu Hart gewesen. Und andere Kampagnen wiederum könnten niemals Illustriert funktionieren. Wenn wir wissen wo die "Schnittstelle" liegt, haben wir auch schon fast die Antwort auf die Ausgangsfrage. (Das mit dem Verdienst war lediglich eine Umkehrung dieser Frage ;-)

Der Rösler

... und mehr noch. Die prinzipielle konzeptionelle Entscheidung zwischen Illustration und Fotografie ist in Regel ja recht einfach. Die wird in Zukunft zwar auch komplexer, da sich immer mehr Bildautoren irgendwo zwischen Illustration, Malerei und Fotografie bewegen. Schwieriger ist doch die Frage welcher Illustrator ist der Richtige und wie weit geht das inhaltliche Briefing, sprich wo liegt die Schwelle wo der Illustrator auch konzeptionell mit arbeitet.
Wenn ein Illustrator in Deutschland Katzen im Portfolio hat dann wird er für Katzen gebucht. Viele Auftraggeber können sich nicht vorstellen dass er im gleichen Stil auch einen Hund zeichnen kann. Oder aber Auftraggeber fragen Stile an die komplett in eine andere Richtung gehen. Das mag im Einzelfall eine spannende Herausforderung sein, ist aber doch wohl eher ein Indiz für die Mangelnde Kultur im Umgang mit Illustration.

anne

"Ist es also so, daß es gar nicht die Umsetzung ist, die entscheidet, sondern ausschließlich die Konzeption? "

Beides!
Eine gute Idee kann durch eine schlechte Umsetzung nichtssagend werden, aber eine schlechte Idee wird auch durch eine brillante Umsetzung niemals zu einer guten werden.

Ich denke, daß sich gute Illustrationen deshalb einprägen, gerade weil die Idee und die Umsetzung eine Einheit bilden, beides einfach gut ist.
Ein Theaterstück ist auch nur dann gut, wenn das Stück und die Schauspieler gut sind.

Wo bleibt die Leidenschaft?

Als Illustrator bin ich doch immer auf der Suche – habe ich ein Interesse, in meinen eigenen Ergebnissen etwas Neues Ungesehenes zu finden, das mich fasziniert und weiterbringt – sowohl inhaltlich als auch gestalterisch. Mein Kopf, meine Ideen gehören da genauso dazu wie mein formales Experimentieren.

Da IIlustrationen Inhalte transportieren sollen und keine reinen Formspielereien sind, ist doch ein individueller Stil untrennbar mit der dazugehörigen Ideenwelt verbunden, und das möchte ich mir als Illustrator auch nicht nehmen lassen.

Ich kann nicht verstehen, warum sich so viele Illustratoren darüber beklagen, keine eigenständigen Arbeiten machen zu dürfen.
Wenn ich eigene Ideen einbringe, ist mir keiner böse. Im Gegenteil.
Die meisten Art Direktoren sind doch froh, wenn ich meine eigene Ideenwelt und meinen eigenen Stil mitbringe.
Damit kann man ja dann gemeinsam was weiterentwickeln. Dann entsteht Zusammenarbeit.

Vor allem in der Werbung sehe ich häufig das Problem, daß in Fototapeten gedacht wird und man landläufig denkt, die Idee muß schon stehen, bevor ein Illustrator in den Prozeß eingebunden wird (weil man dem Illustrator keine konzeptionelle Kompetenz zutraut). Das sollte man dann aber auch klarstellen und einfordern.

Da wünsche mir einen offeneren experimentelleren Umgang mit der Illustration und den Illustratoren.
Aber auch die Illustratoren sollten dafür eintreten, daß sie kreativ arbeiten können und wollen und keine zaghaften Abzeichner und Umsetzer sind.

Nur mutige Versuche von beiden Seiten – der Illustratoren und der AD`s, größeres Vertrauen in die eigenen Ergebnisse könnnen da etwas verändern.

Nur Mut! Good old Germany!

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