Gedruckter goldener Golfbarren / 25 Millionen Mal vier verschiedene Buchstaben

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25.000.000 produzierte VW Golf. Für jeden Einzelnen der Name in einem als Goldbarren verkleideten Jubiläumsbuch gedruckt. In einer goldenen Schrift, in einer Größe von 1,377 pt. Da dies schon als Typolösung fast unvorstellbar erscheint, mag man über die reale Zahl der gebauten Automodelle gar nicht erst nachdenken. Zu Recht hat dieses typografische Highlight unlängst den iF communication design award 2007 gewonnen. Für Konzept und Gestaltung des quasi vollständig bedruckten »Golfbarrens«, der übrigens mit einer Lupe namens »Golfsucher« geliefert wird, zeichneten sich die Designagenten verantwortlich, für die Produktion die Firma Nowak Druck- und Medienmanagement Hannover. Bestellt werden kann das Buch nicht nur von Autofans via E-Mail an safemail('history','volkswagen.de').
Golfbarren Inhalt

Herr Geh

Bevor es los geht, zunächst ein Lob. DAS Golf 25 Millionen mal gedruckt ist eine tolle Sache! Aber da hört es für mich leider schon auf, mit den guten Ideen.

Was steht drin?

Gold als Jubiläumsfarbe ist gewöhnlich, absolutes Mittelmaß. Golf gleich Gold. Ok! habe ich verstanden. Aber was soll dieses Wortspiel 14 mal durchgekaut im Inhaltsverzeichnis (bzw. 9 mal, ab Kapitel 10 heisst es dann wieder Gold-etc.)? Auf Seite 542 747 werden wir über Goldwäsche informiert. Super! Weiter auf der Suche nach Inhalten. Paul G., Fotodesigner sagt uns "55 PS in Rot, ... Blabla." und lacht uns feist ins Gesicht. Die folgenden Beispielseiten mit Zitaten und Golffahrern sind ebenso dünn bis dämlich. Welches Image soll diese Imagebroschüre vermitteln? Irgendwie sind wir alle Golffahrer? Mann! wir wollen AUTOS sehen. Wie sah der 542 747te Golf aus? Von mir aus dazu auch einen Mensch. Aber dazugehörig! Mit Schnauzer und Schlaghose. Aber bitte nicht Paul G.

Und jetzt zu den "typografischen Highlights".

Die Schriftmischung der Hausschrift Futura mit einer Akkurat (?) halte ich für hölzern, steif. Weshalb? Es sind unterschiedliche Formprinzipien zwischen serifenlosen Linear-Antiquas: geometrisch gegen statisch, was sich verhält wie Gropius zu Eiermann. Zu weit entfernt um harmonisch zu sein, zu nah um Spannung zu erzeugen.

Aus welchem Grund gibt es diese seltsame Linie, auf der die Schrift steht (mal mehr mal weniger)? Ist das der schwarze Faden? Weshalb sind Kapiteltrenner Gelb, nicht Gold? VW hat doch Geld genug. Das sieht ja aus wie Fontshop. Und wie einfallslos sind die schwarz/weiß Fotos. Eine Schriftstruktur mit kleinen Golfs! Schon mal an ASCII-Art gedacht? Und zuletzt der "Golfsucher". Wieso ist der nicht rund, wie diese überflüssige how-to-use-Grafik - oder anders herum?

Meine Meinung: aus einer Guten Idee nichts gemacht. Es ist eben nicht alles Golf was glänzt.

Weshalb ich mich so aufrege? Weil so etwas einen Design-Award gewinnt.

Ganz einfach.

Ivo

Sicher, das Rad ist hiermit nicht neu erfunden worden [mit dem Golf selbst übrigens auch nicht ;] und ehrlich gesagt war ich von der Idee, das Wort 25 Millionen Mal zu drucken so angetan, dass ich gar nicht so recht über Inhalte nachgedacht habe. Wahrscheinlich bin ich dafür aber zu sehr Typograf als Autofan. So gesehen sind da sicherlich noch Reserven. Deine restlichen Kritikpunkte sind auch berechtigt, nur darf man nicht vergessen, wie schwer es in einem solch großen und starren Unternehmen wie VW ist, die Grenzen des Möglichen zu durchbrechen. Da ist dieser Golfbarren wohl schon das höchste aller Gefühle. Dass das dann den Preis gewinnt spricht eher dafür, dass es keine Konkurrenz gab, die dem das Wasser abgraben konnte. Und das ist eigentlich das eigentliche Ärgernis.

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