Helsinki / eine neue Schrift von Ludwig Übele

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Entstanden während des Auslandsstudiums in Finnland vor ziemlich genau 10 Jahren. Basierend auf der finnischen Verkehrsschilderschrift umfasste die Schrift lediglich einen Schnitt.

Jetzt wurde sie überarbeitet und zu einer siebenköpfigen Familie ausgebaut.

www.ludwiguebele.de/item.php/Typefaces/Display/Helsinki

Christoph S.

Den fetten Schnitt find ich sehr cool. Kann ich mir sehr gut als Headlinefont vorstellen.

nicolas

Diese Schrift gefällt mir. Sieht wirklich aus wie Helsinki. Denke aber je Fetter die Schrift, desto schlechter sieht sie aus?

Gast

Schöne Schrift. Wie nennt man eigentlich diese Schriften die in nur einer Linienbreite gezeichnet sind?

Thomas

„Linienbreite“ ? Meinst du Laufweite? Das wird 'Monospace' oder 'Fixed Width' genannt. Im obrigen Fall handelt es sich jedoch nicht um eine Monospace Schrift, sondern um eine Schrift, die von dünn nach fett keine Zunahme der Laufweite aufweist. Das hat Vorteile (z. B. fette Schnitte brauchen nicht mehr Zeilen als leichte Schnitte), aber auch Nachteile (z. B. Effekte wie die differierende optische Breite und Größe von dünnen zu fetten Schnitten werden nicht kompensiert – hier übrigens sehr anschaulich dargestellt: welcher Schnitt wirkt breiter, welcher kleiner?).

Da gibt es hunderte von Kompromissen, die man eingehen kann, um das Beste rauszuholen. Wahrscheinlich ist es jedoch am besten, eine gute Schrift für einen mehr oder weniger eingegrenzten Anwendungsbereich zu entwerfen und darauf zu hoffen, das sich auch in Zukunft noch Typografen finden, die solche Schriften richtig einsetzen.

Hier übrigens auch sehr schön zu sehen, wie dünnste und fetteste Schnitte in den Bereich 'Display' abwandern. Für Textgrößen sind sie zu dünn oder zu fett und dürfen hier daher auch eigene Formmerkmale aufweisen. (Siehe 'n'-extraleicht oder 'k'-ultrafett.) Mir gefallen solche inkonsistenten Sachen hier aber nicht besonders. Da kann man sich auch gleich auf spannendere Schriftmischungen verlegen, oder?

Cheers!

Stefanie

Wenn die optisch gleichbleibende Linienstärke der einzelnen Buchstaben gemeint war, dann nennt man das "Duktengleichheit".
Man kann auch sagen, dass die Schrift kontrastarm ist.

;>

Gast

Ich glaube "monoline" ist der gesuchte Begriff.

Thomas

> Ich glaube "monoline" ist der gesuchte Begriff.

Wahrscheinlich hast du recht. Die zwei leichtesten Schnitte sehen bei der Helsinki auch nach 'Monoline' aus. Danach ist aber nix mehr mit mono …

Gleichbleibende Laufweite über unterschiedliche Fetten (siehe Helsinki) nennt man glaube ich 'Dicktengleichheit' und 'Duktengleichheit' ist ein anderer Begriff für 'Monoline'.

Lustig, da kommt zur Abwechslung in einem Typoblog mal die Rede auf Typo und schon breitet sich Verwirrung aus … :D

Sharif

Eine „echte” Monoline-Schrift sieht hässlich aus. Da gibt es immer Strichstärkenanpassungen an den kniffligen Stellen.

Dicktengleichheit habe ich noch nie gehört. Wahrscheinlich meint ihr „Monospaced Fonts” oder „Nichtproportionale Schriften”. Siehe z.B. Schreibmaschinenschrift.

Ludwig Übele

Selbst die Hairline Version ist nur optisch eine Monoline, in Wirklichkeit sind auch hier die horizontalen Striche geringfügig feiner als die Vertikalen. Obwohl ich versucht habe den konstruierten Charakter der ursprünglichen Verkehrsschilderschrift beizubehalten, habe ich zugunsten der Lesbarkeit einige Formelemente optisch ausgeglichen.

Der Schriftschnitt in der Mitte der Abbildung (4. Zeile) entspricht den ursprünglichen Vorlagen. Weil der mir jedoch zu fett vor allem für Text erschien, habe ich zwei leichtere Versionen (Book und Light) hinzugefügt. Außerdem kamen noch zwei fettere Versionen (Bold und Black) dazu. Die geometrisch-konstruierten Formen sind mir besonders geeignet erschienen, sehr extreme Versionen auszuprobieren. So entstanden dann noch eine Hairline und eine Ultrafette Version, Schnitte, die natürlich nur im Displaybereich sinnvoll eingesetzt werden können, zu Gestalten aber besonders Spaß gemacht haben.

Die Hairline scheint tatsächlich etwas aus der Reihe zu fallen, da sie sich an die Außenkontur der anderen Schnitte und nicht an den (optisch sicherlich stärkeren) Binnenraum hält. Für sich alleine gesehen fand ich (in dieser Strichstärke) diese Art der Verbindung von Schulter und Stamm (sehr anschaulich am n) jedoch überzeugender, und deshalb diese Inkonsistenz gerechtfertigt.
Den extremen Unterschied zwischen Außen- und Innenkontur fand ich generell sehr spannend an dieser Schrift.

Ein weiteres, sehr bewusstes Element, ist eine größtenteils nach Innen gewandte Strichzunahme; damit wirken natürlich fette Schnitte schmäler als feine, da sich der Weißraum radikal verkleinert. Bei einer Buchschrift wäre eine solche Handhabung der Fettenbildung sicherlich störend, bei einer konstruierten Schrift wie der Helsinki durchaus sinnvoll.

Dass sich die Laufweite der Familie nicht ändert, ist nicht richtig und in der obigen Abbildung manuell angepasst. Ich persönlich sehe auch wenig Sinn in gleichlaufenden Schriften. Die relativ gleichbleibenden Buchstabenbreiten (o und n beispielsweise sind gleich breit) ergeben jedoch ein sehr unproblematisches Spacing. Dadurch kann sehr schnell und einfach durch Zugabe oder Abnahme der Buchstabenabstände (Spacing) die Laufweite der einzelnen Schnitte ohne große Probleme angepasst werden.

Thomas

vielen dank, die erhellensten kommentare kommen immer noch von den schriftschöpfern selbst. aber so geschichten wie die manuelle anpassung der laufweite in diesem schriftmuster spricht ja bände. solch ein 'muster' verbietet sich doch von selbst! :)

bezüglich sinn und unsinn von angepassten (ähnlich bis gleiche) laufweiten bei unterschiedlichen fetten kann man wahrlich philosophieren. es gibt aber sehr bekannte beispiele (siehe 'thesis') die diese eigenschaft aufweisen. das hat sich im editorial-design schon mehr als einmal als vorteilhaft erwiesen. voraussetzung für eine solche anpassung ist allerdings, das die strichstärken, wie hier bei der helsinki, vor allem nach der innenseite der zeichen wachsen.
ästhetisch ist das natürlich immer ein kompromiss.

Gast

Genau, Monoline war der gesuchte Begriff. Danke!

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