Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition

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Kaum eine Publikation war je umstrittener als Mein Kampf von Adolf Hitler. Die politisch-ideologische Programmschrift, die auf dem deutschen Buchmarkt 1925 (Band I) und 1926 (Band II) erschienen ist, stellt Hilters Werdegang als auch seine Weltanschauung dar. Bis 1945 wurden mehr als 12 Millionen Exemplare gedruckt und verteilt.

Hitler war bis zu seinem Tod im Jahre 1945 am Prinzregentenplatz 16 in München gemeldet. Sein Nachlass wurde nach dem Krieg von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt, 1948 bekam der Freistaat Bayern diesen zugesprochen und wurde somit zum Inhaber der Urheberrechte von Mein Kampf. Der Freistaat Bayern untersagte jeglichen Nachdruck und ging gegen Urheberrechtsverletzungen im In- und Ausland vor.

Das Urheberrecht ist in Deutschland 70 Jahre lang geschützt und überträgt sich nach dem Tod des Autors auf dessen Erben. Nach Ablauf dieser Regelschutzfrist gilt die sogenannte Gemeinfreiheit, dass heißt, es kann neu aufgelegt werden und bedarf keiner Genehmigung. Am 1. Januar 2016 war die Regelschutzfrist für Mein Kampf abgelaufen und das Institut für Zeitgeschichte entschloss sich eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe zu veröffentlichen. 

Ein Projekt wie dieses ist eine absolute Herausforderung für Typografie und Gestaltung. Dieser Aufgabe haben sich Rudolf Paulus Gorbach und seine Tochter Dagmar Natalie Gorbach angenommen. Sie haben diese schwierige Aufgabe typografisch sehr gut gemeistert und haben ein klares Layout entwickelt, so dass Text und die mehr als 3500 Kommentare gut und komfortabel gelesen werden können. Dieses unkonventionelle Layout hat zahlreiche Vorläufer, wie zum Beispiel in kommentierten Bibeln, wissenschaftlichen Werken sowie auch dem Talmud. 

Ein großes Buchformat war absolut unerlässlich, da die zahlreichen Kommentare viel Platz auf der Seite brauchen und sie mit viel Weißraum insgesamt besser zu erfassen sind. Daher entschied man sich für das Format 21 x 28 cm, welches häufig für Sachbücher und Magazine verwendet wird. Die Wahl der Schrift schien zu Anfang einfach und man tendierte dazu den Text in der Unger-Fraktur zu setzen. Doch dies wäre zu respektvoll gegenüber dem Originalttext erschienen und hätte zur Beeinträchigung der Lesbarkeit für jüngere Leser geführt. Daher wurde als Textschrift die Scala gewählt. Entworfen von dem Niederländer Marin Majoor und 1993 veröffentlicht. Eine »hybride« Schrift, die es sowohl mit und ohne Serifen gibt und die verschiedenen Aufgaben des Textes gut bewältigt.


Hitler, mein Kampf. Eine kritische Edition

Herausgeber: Institut für Zeitgeschichte München – Berlin von Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel
Gestaltung: Rudolf Paulus Gorbach, Dagmar Nathalie Gorbach / Büro Gorbach
Veröffentlichung: 2016
Umfang: 2 Bände mit insgesamt 1948 Seiten
Format: 21 x 28 cm
Ausführung: Gewebeband ohne Schutzumschlag
ISBN: 978-3-9814052-3-1
Preis: 59,- Euro

Die Publikation ist im Buchhandel auf Nachfrage erhältlich.


Die Gestalter:
Rudolf Paulus Gorbach (1939), Studium der Drucktechnik und Typografie,  Hersteller und Herstellungsleiter in Buchverlagen. Seit 1971 Büro für Typografie und Produktion vor allem für Buchverlage und im Kulturbereich. Mit dem Aufkommen von PC und Mac intensive Tätigkeit mit dem Elektronikbuch, Multimedia und kritischer Webgestaltung. Lehrtätigkeit seit 1968 an verschiedenen Hochschulen, Inhousseminare in Verlagen und Institutionen. Seit 1990 Veranstalter von »Typografie intensiv« (Jahreskurs Typografie). Autor verschiedener Bücher, Vorträge bei internationalen Tagungen. 11 Jahre erster Vorsitzender der Typographischen Gesellschaft München. 

Dagmar Nathalie Gorbach (1966), Ausbildung als Schriftsetzerin in einem Großbetrieb der Buchproduktion. Typografin in Augsburg, arbeitete bei namhaften Layoutsetzereien und Agenturen in Berlin, Hamburg und München. Berufsbegleitende, intensive Ausbildung in Typografie und Gestaltung. Gestaltet Bücher und Corporate Design. Impulsgeberin, konzeptionelle Mitinitiatorin und Prozessbegleitung der Gründungsphase einer reformpädagogischen Schule.

 

 

 

 

 

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