I Shot the Serif / Ein typographischer Ego-Shooter

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Geschossen wird nur auf Serifenschriften. Kriegen Sans-Serif Schriften etwas ab, bedeutet das Punktabzug. Junior Designer können sich acht Fehlschüsse erlauben, Senior Designer nur zwei, und je länger man im Business ist, desto schneller muss man reagieren. Futura. Eurostile. Univers. Meta. Baskerville, Peng!

Militant-grotesk? Nicht wirklich, ist ja alles nur ein Spiel...

Zugegebenerweise kein besonders anspruchsvolles, zumindest nicht für den typographisch Versierten. Der verwechselt Serif- und Sans-Serif Schriften schließlich ähnlich selten wie der Jäger das Reh und den eigenen Hund. Und dass man auf letzteres nicht feuert, ist auch nicht allzu schwer zu verstehen. Trotzdem ist es “I Shot the Serif” wert, hier mal kurz erwähnt zu werden.

Entwickelt wurde das Spiel vom britischen Design Studio “To The Point”, angeboten wird es als App im iTunes Store und zum online spielen auf “To The Points” Website, Menüpunkt: “Fun”. Laut “To The Point” auch “Fun”: “Buzzword Bingo”, der Microsoft Paint-artige Digi-Zeichenblock “Sketch”, und die neunmalkluge “Answer Machine”. Einen Screensaver gibt's auch, und zwar einen, der (betont korrekte) Zeitangaben in drei verschiedenen Darstellungsmodi visualisiert. Eigentlich paradox, denn Zeit genug hat ja wohl jeder, der in “To The Points” Spielecke rumhängt. Entweder er hat Zeit genug, oder er betreibt “Creative Avoidance”, neudeutsch für das “Ach-ich-könnte-ja-mal-meinen-Schreibtisch-aufräumen-anstatt-meine-hochmodisch-lange-To-Do-Liste-abzuarbeiten-Phänomen”. Betreibt nun jemand “Creative Avoidance”, dann ist seine Beziehung zur Zeit wahrscheinlich nicht ganz unproblematisch und er möchte ihren Ablauf gewiss nicht öfter als unbedingt nötig unter die Nase gerieben bekommen. (Betont korrekte) Zeitangaben in drei verschiedenen Darstellungsmodi sind also auch in diesem Falle unangebracht. Ich spreche aus Erfahrung, schließlich hänge auch ich in “To The Points” Spielecke rum. Und ich möchte ganz bestimmt nicht wissen wie spät es ist.

Ob die Jungs von “To The Point” wohl eher vom “Creative Avoidance”-Phänomen oder von ganz, ganz schlimmer Langeweile zu “I Shot the Serif” inspiriert wurden? Sollte letzteres der Fall sein, könnte es angesichts der aktuellen Finanzkrise bald immer mehr “Fun” auf den Webseiten des ein oder anderen Designstudios geben... Solche Spekulationen sind natürlich nicht nur unsinnig, sondern auch “Creative Avoidance” im fortgeschrittenen Stadium. Genau wie “I Shot the Serif” spielen: “Ich-könnte-ja-mal-meinen-Schreibtisch-aufräumen-anstatt-meine-hochmodisch-lange-To-Do-Liste-abzuarbeiten-aber-zuerst schieß-ich-jetzt-mal-n-paar-Serifen...” Es muss ja nicht immer alles Sinn machen.

Julia

Der Highscore liegt bei 444 gefundenen Serifs - wie haben die das geschafft ?! Da muss ich noch ein bisschen üben ...

Vielen Dank für das schöne Fundstück!

CLMNZ

geiles game

zweiter Anlauf und 336

aber schon am Ende sehr hart und irgendwie brechen auf dem Screen gerne manche Serifen weg ...

CLMNZ

hmmm, wie die auf über 400 kommen ist mir auch fraglich – ich hab das Ding jetzt durchgespielt und hatte 383 Punkte.

spaßig

Frederik Hahn

ganz schön nerdig

Christoph Herberth

Sehr cool! Klar, nur für Typo-Nerds... Wobei ich hier nochmal eine Lanze für die Serif-Schriften brechen möchte: Einfach über den Haufen geschossen zu werden – das haben sie nicht verdient ;o)

CLMNZ

ich glaub ich hab in meiner Kindheit zu viel P.O.W. gespielt ...

Jouhann Verdienen

Lese ja schon einige Weile unregelmäßig hier mit aber dieses Spiel hat meine kindlichen Triebe wieder erweckt. Schriften abschiessen - Eine wahnsinnig tolle Idee die in Font-Affinen Bereichen sicher viel Anklang finden wird und mit deren App sicher auch ein bischen Geld verdienen können. Im Designer Bereich sind I-Phones ja nicht gerade unverbreitet.

Publicity habens damit auf jeden Fall. Mir gefällts

Katharin M.

Na das ist ja mal ein netter Zeitvertreib für die Mittagspause in der Werbeagentur :)

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