Jost Hochuli: Bauhaus, Zürich, Basel – und einiges daneben / Freitag, 11 Uhr / Hall

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Jost Hochuli lernte bei Adrian Frutiger in Paris, ab 1959 hatte er sein eigenes Atelier für Industriegrafik und Buchgestaltung in St. Gallen. 1979 wurde Jost Hochuli Mitbegründer der genossenschaftlichen Verlagsgemeinschaft St. Gallen (VGS).

25 Jahre lang war er Präsident und Gestalter der VGS. Gleichzeitig lehrte er 29 Jahre lang Schriftschreiben, Schriftzeichnen und Typografie an den Gestalterschulen in Zürich und St.Gallen. Seine Lehrbücher sind in mehrere Sprachen übersetzt und bis heute weltweit bekannt. Seit 2000 ist er Herausgeber und Gestalter der Reihe Edition Ostschweiz. Unter anderen erhielt er 1999 den Gutenbergpreis der Stadt Leipzig und 2004 den Jan Tschichold-Preis des Bundesamts für Kultur.

Ohne Lissitzky und Bauhaus hätte es die »Schweizer Typografie« der 1940er bis 1960er Jahre nie gegeben. Für sie stand die Allgemeine Gewerbeschule Basel mit Ruder und Büchler, in Zürich waren es Max Bill, Lohse, Müller-Brockmann, Neuburg, Vivarelli. Vor allem die jungen Grafiker in der deutschsprachigen Schweiz ließen sich von ihnen beeinflussen.

In seinem Vortrag legte Jost Hochuli den Schwerpunkt auf die »Anderen« – Gestalter, die zwar von Zürich und Basel inspiriert wurden, doch sich jenseits des Mainstreams verorteten. Bislang wurden Namen wie Theo Frey nie in den Typografischen Monatsblätter erwähnt; ein Typograf, der in den 50ern und 60ern hervorragende Ausgaben gestaltete. 2003 fand der Wettberb »Die schönsten Schweizer Bücher 2003« statt, dort legte Hochuli Arbeiten von Theo Frey vor, bis dahin hatte keiner diesen Namen gehört – das Resultat beschrieb er mit einem Satz »Dieser Typograf war die Entdeckung«.

Ein weiters wichtiges Thema, das Jost Hochuli ansprach, war der Kampf zwischen Helvetica und Univers. Damals entschied er sich selbst in seinen Arbeiten für die Univers, ist aber jetzt der Meinung, dass die Diskussion heute auf einer sachlicheren Ebenen liege. Mit der Entstehung von Helvetica (deren Werdegang auf die Haas-Grotesk oder Neue Haas-Grotesk sich zurückverfolgen lässt) und Univers wurden damals neue Schrifthorizonte eröffnet. Sie gaben zu dieser Zeit die Richtung an. Diesen hochinteressanten Vortrag beendete Jost Hochuli mit dem Satz »Down to Dogma« und lies damit viel Raum zum Nachdenken, sodass jeder seiner Gedanken freien Lauf lassen kann.

Webdesign in Potsdam

Es ist schön zu sehen was mit guter Typografie alles erschaffen werden kann. Die Beispiele sind sehr toll...

Sven J.

Super Beitrag, sehr interessant und fachlich ausgedruckt.

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