L2M3 – Sascha Lobe / A type of Space Odyssey

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In 11 Projekten hat der Vortrag im Raum, der fast voll besetzten Typo Show, den Zuschauern einen Überblick über die Arbeiten von L2M3 gegeben.

Im Programm der Typo 09 wurde der Vortrag von Sascha Lobe / L2M3 mit folgenden Worten angekündigt: „Sascha Lobe war schon immer der Meinung Grafik nur auf Papier zu drucken, wäre schade und würde der Sache nicht wirklich gerecht werden. L2M3 entwickelt integrative Kommunikationssysteme, die Grafik und Raum verbinden. Neben der Suche nach der inhaltlich richtigen Form steht auch immer die Selbstverständlichkeit und die innere Logik eines Dings oder eines konkreten Ortes im Mittelpunkt der Entwurfsarbeit.“

Sascha Lobe zeigte in jedem Fall Arbeiten mit hohem grafischen Anspruch. Es entstehen schöne Bilder in der Perspektive, worin Typografie und grafische Bilder virtuos eingesetzt werden. Was dem Design jedoch voraus geht ist die eingehende Beschäftigung mit dem Inhalt und der Thematik, der/die transportiert werden soll.

Die innere Logik der Konzepte bezieht sich dabei stark auf die Geschichte des Ortes und auf die Gegebenheiten und Möglichkeiten mit und in der Architektur zu arbeiten. Gewisse Orte tragen bereits eine Geschichte in/mit sich, wie die Gedenkstätte Sachsenhausen, mit der feinfühlig und sensibel umgegangen werden muss.

Andere Orte bieten die Möglichkeit mit einer Raumgestaltung den Inhalt und die Bedeutung des Ortes neu zu interpretieren bzw. in Szene zu setzen.

L2M3 stellt sich Fragen um zu interessanten Lösungen zu kommen:

Wie kann ein neues Kaffee eine besondere Identität entwickeln?
MAX, Café, Bar – Angelehnt an den Namen des Cafés bilden die Namen berühmter "Maxe" die Grundlage für das Gestaltungskonzept. Es entsteht eine dekorative, typografische Wandgestaltung und jeder Stuhl trägt den Namen eines "Max"...

Was, wenn das Briefing beiseite geschoben wird, um die Problemstellung neu zu überdenken?
Adidas Factory Outlet– die Architektur, somit die Orientierung ist selbsterklärend, weshalb nicht wie gefordert ein Leitsystem, sondern eine interessant bewegte Marken-Sportwelt entstand. Berühmte Spielzüge werden auf dem Fußboden nachgezeichnet, sportliche Bewegungsabläufe bilden auf der Fassade im Vorübergehen für den Betrachter ein überdimensionales Daumenkino und Fußabdrücke von Sportschuhen aus verschiedenen Zeitepochen spiegeln die Entwicklung von Adidas wieder.


Welche Einschränkungen und Möglichkeiten bieten kleine Budgets?
Staatsbibliothek Berlin – dann wird alles auf dem Bürodrucker gedruckt und im Raster des Papierformates auf die Ausstellungsflächen kaschiert. Auch damit kann mit einfachen Mitteln ein schönes Ergebnis erzielt werden.

Wie kann Orientierung in eine expressive Architektur integriert werden?
Bernaqua – Die „Beschilderung“ ragt in Form von dreidimensionalen Buchstaben aus den zumeist schrägen Wänden und über Kachelfugen. Damit fügt sie sich spannungsvoll in die bestehende Architektur ein.


Wie wird das Gebäude einer Stadtsparkasse einzigartig?
Kreissparkasse Tübingen – In Form eines Baumes, der Stockwerk übergreifend an die Wand gemalt wird und der durch seine tierischen Bewohner jedes Stockwerk eindeutig bestimmt. Es entsteht eine lebendige Bilderwelt, das die Umwelt mit in das Gebäude aufnimmt.

Wie kann das Gebäude einer weiteren Stadtsparkasse eine ganz neue Geschichte erzählen?
Kreissparkasse Ludwigsburg – Ludwigsburg ist eine Stadt des Barock. Um den Geist des Barock aufzunehmen und doch eine moderne Gestaltung zu erzielen arbeitete L2M3 mit großer Typografie. Wo die Information nötig ist, ist sie lesbar – geht der Betrachter daran vorüber löst sie sich zuweilen in minimal barocke Formen auf.

Kann eine bestehende Gebäudenummerierung durch zusätzliche Codierung ergänzt werden?
mtz Münchner Technologie Zentrum – Das Gebäude wurde für L2M3 nicht logisch nummeriert. So entstand eine Codierung, die mit der intuitiven Wahrnehmung des Besuchers spielt und vom Eingang als Mittelpunkt in kreisförmig grafischer Struktur aufgebaut wurde.



Der grafische Wert der Arbeiten und die Konzeption im Bezug auf die Geschichte und die Aufgabe des Ortes war letztendlich sehr überzeugend und spannend. Leider kann der Zuhörer bei einem Vortrag den Raum nicht selbst erleben und somit bleiben am Ende Fragen offen... Wie wirken die Arbeiten im Raum? Ist die Orientierung funktional? usw. Man will es so gerne gleich ausprobieren!Interessant wäre es auch mehr über die Arbeitsweise, Fallen, Tücken und Erfahrungen, kurz den Entstehungsprozess der Projekte zu erfahren...

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