Interviews

La Habana / Sven Dreesbach

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Ein weiterer Fotograf, den wir euch im Rahmen der Veröffentlichung des Slanted Magazins #21: CUBA – The New Generation vorstellen wollen, ist Sven Dreesbach. Auf ihn sind wir während unserer Recherche und Arbeit gestoßen und freuen uns, euch einen Einblick in seine Arbeit zu geben.

Die Fotostrecke zeigt Momentaufnahmen aus dem Alltag in Kuba. Menschen, die mit ihrer Offenheit und positiven Einstellung einen sehr persönlichen und stolzen Eindruck hinterlassen. Durch seine brilliante Schärfe gelingt es Sven Dreesbach eine Situation zu schaffen, die das Gefühl vermittelt, das Gesehene selbst zu erleben.
 
Auf dem Weg vom Flughafen ins Stadtzentrum Havannas wurde schnell offensichtlich, Kuba ist eine der letzten verbliebenen sozialistischen “Festungen” gegen den “kapitalistischen Faschismus”. Eine Stadt mit einer etliche Male zerissenen und wieder zusammengeflickten Infrastruktur. Eine Stadt, die seit des hoffnungsbeladenen Einzugs des Che Guevara und des Fidel Castro kaum mehr modernisiert wurde. Putz, der schon vor langer Zeit vom Mauerwerk einst wunderschoener spanischer Kolonialbauten gefallen war - oder vielleicht gar Mauerwerk, welches nur noch durch vereinzelte Putzreste zusammengehalten wird? Sofort erinnere ich mich an meine erste Reise in die frisch Ein- sowie Ausreisebefreite Deutsche Demokratische Republik. 
 
Ich war damals 12 Jahre alt und im Gegensatz zum jungen Mann, der jetzt im Oldtimer Taxi auf den Weg zu seiner Gastfamilie in Alt-Havanna ist, noch eingeschüchtert von Volkspolizei mit Maschinengewehr, Stacheldraht und der ungewohnten Tristesse in den Straßen von Stralsund, Cottbus und Ost-Berlin. Keine Werbebanner oder sonstige Reklame- und Ladenschilder säumten die Straßen, sondern weitgehend von Verfall überwucherte Schönheit, die sich für Manche vielleicht nur noch erahnen ließe, für mich allerdings besonders reizvoll erscheint, da sie einen ganz einzigartigen Charakter ausstrahlt. Einen Charakter, voller Geschichte, Erwartungen, Ausdauer und Stolz. Attribute, die ich in jedem Gesicht wiederfand, welches mir in den Straßen Havannas entgegenstrahlte.
  
Sven Dreesbach im Interview

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Ernsthafter beschäftige ich mich mit dem Thema, seitdem ich in Kalifornien lebe. Ich denke der Kulturschock, in welchem ich mich damals befand, zwang mich nahezu meine Eindrücke mit der Kamera einzufangen. Wo sonst bekommt man so viel Sonne, atemberaubende Landschaften, ikonische Hintergründe und exzentrische Menschen vor's Objektiv, wenn nicht hier?

Welche Themen interessieren Dich am meisten in Deiner Arbeit bzw. wie wählst Du Themen aus?
Ich arbeite in der Regel weniger auf klassischer Themenebene, wie es in künstlerischer Fotographie üblich ist, sondern versuche mich im Moment noch von Shoot zu Shoot handwerklich weiter zu entwickeln. Mein Hauptinteresse hierbei ist die Portraitfotografie. Menschen vor meiner Kamera.

Wie kam es zu der hier vorgestellten Fotoserie?
Schon seit Jahren spielte ich mit dem Gedanken nach Kuba zu reisen und mir ein eigenes Bild seines Mythos vom Sozialismus, Musik und Menschen zu machen. Umso länger ich dieses Ziel vor mir herschub, umso nervöser wurde ich allerdings, da ich Angst hatte, durch die langsame politische und kulturelle Öffnung des Landes zu verpassen, was Kuba ein halbes Jahrhundert ausgemacht hatte. Es kam letztendlich relativ spontan zu meiner Reise, als ich im Sommer 2011 ein paar Wochen Zeit hatte und auch noch ein guter Freund von mir bekundete, mit von der Partie zu sein.
 
Was hat Dich an Kuba besonders beeindruckt?
Die Offenheit und positive Lebenseinstellung der Menschen. Ich hatte von Mistrauen der Kubaner den westlichen Touristen gegenüber gehört, oder gar von Repressalien gegen Kubaner, die sich zu nah an Touristen ran trauten. Von all dem habe ich dort nichts gespürt. Ich war sogar überrascht, dass die Leute, welche wir dort kennengelernt hatten, kein Blatt vor den Mund nahmen, wenn es um ihre Einstellung zu politischen Themen ihres Landes ging, die von Korruption, Benachteiligung oder Heuchelei innerhalb der Obrigkeit handelten.

Mit welchem Equipment fotografierst du?
Aus Kosten und Effizienzgründen fotografiere ich ausschliesslich digital. Die Kamera meiner Wahl ist eine Canon 5D Mk.II und in Havanna hatte ich meistens mein Sigma 50mm/f1.4 aufgeschraubt.

Künstler oder Techniker?
Gute Frage. Ich mache mir nicht viel aus Technik, wobei ich viel Arbeit in die digitale Nachbearbeitung (color grading) investiere, was für mich zwar Teil des künstlerischen Ablaufes darstellt, aber auch diverses technisches Wissen voraussetzt. Ganz ohne Technik geht's nicht, allerdings bediene ich mich ihr so pragmatisch, wie nur möglich.

Wer inspiriert Dich? Gibt es Vorbilder?
Es gibt bei mir sehr viele Vorbilder im Sinne von Bildern, welche mich vor einem Shoot oder einer Reise inspirieren. Die Künstler oder Fotografen hinter den Bildern bleiben dabei meistens eine verschwommende Masse von Vielen, deren Bilder ich von diversen Webseiten runtergeladen habe. Beim Thema Reiseportrait sticht mit Sicherheit der Amerikaner Joey L. hervor, der sich noch bevor er 20 Jahre alt wurde mit herausragenden Themen und Fotoserien einen ganz großen Namen machen konnte. Mittlerweile schießt er Portraits von Hollywood Stars und Anderen Größen.

Gibt es Webseiten/Portale zum Thema Fotografie, die Du regelmäßig besuchst?
PhotographyServed, 500px oder Fubiz zeigen herausragende Künstler und bieten ein unerschöpfliches Mass an Inspiration. Mittlerweile ist Instagram eine spannende Plattform geworden, um die neuesten Arbeiten von diversen Künstlern zu erwischen.

Welche Magazine liest Du?
Ich habe kein einziges Magazin mehr im Abo. Der Großteil des Lesens findet bei mir mittlerweile online statt. Darüber hinaus freue ich mich aber immer über den einfachen Zugang zu Lifestyle, Interview und Fashion Magazinen, den ich in der Firma, oder durch meine Frau habe, die immer mal wieder gerne ein paar ausgefallene Publikationen bestellt, oder nach Hause bringt.

An welchen Projekten arbeitest Du gerade? Wie geht es weiter?
Leider habe ich durch meinen Job in einer Werbefilm Produktionsfirma einen nur recht bescheidenen Zeitrahmen für mein Zweithobby. Im Moment plane ich weitere Shoots mit befreundeten Schauspielern und Modellen, um mein Lifestyle und Fashion Portfolio zu erweitern. Mal schauen, vielleicht steht auch mal wieder eine Reise an. Südostasien steht noch ganz weit oben auf meiner Liste.

svendreesbach.com
 
 
 


Bio

2004 unterbrach Sven Dreesbach sein Film & Medien Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg, um ein Praktikum in Los Angeles zu absolvieren. Aus dem Praktikum wurde ein längerer Aufenthalt. Er lebt seitdem dort und arbeitet hauptberuflich fuer eine Werbeproduktions Firma in der Postproduktion. Fotografie ist sein zweites kreatives Standbein, womit er sich mittlerweile ein beachtliches Portfolio aufbauen konnte. Ausführlichere Infos gibt es auf seiner Webseite.

svendreesbach.com
 

(Sven Dreesbach)

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