La Sagrada Familia / Gaudis Meisterwerk in Barcelona und dessen Typographie

in

Diesen September reiste ich mit meiner Freundin nach Barcelona. Insbesondere interessierten uns die Bauwerke von Antoni Gaudi, und da sticht die riesige Kirche La Sagrada Familia natürlich hervor. Die gesamte Kirche ist immer noch eine Baustelle, die Fertigstellung soll in etwa 2030 erfolgen. Mich interessierte jedoch nicht nur das Bauwerk, sondern vorallem auch die Typographie (was meiner Freundin natürlich gar nicht gefiel.. :)).
Untenstehend meine Eindrücke dieser Kirche. Wie die gesamte Kirche ist auch die Typographie dazu ziemlich speziell. Der Zahlenblock ist übrigens der (durch den Blitz weiss gewordene) Block im Bild oben dran.
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Falls euch etwas besonders interessiert kann ich natürlich auch noch einzelne Ausschnitte / Vergrösserungen zeigen. Und entschuldigt die teilweise schlechte Bildqualität, aber ich musste mit eingebautem Blitz und ohne Stativ (die dort verboten sind..) fotografieren.

Der Kommentar

Bin gegen das Christentum und lehne damit alles ab was mit ihnen in Verbindung steht.

Thierry Blancpain

das finde ich ziemlich einfältig. ich bin nicht im geringsten religiös (ich bin noch nicht mal getauft worden..), und trotzdem fasziniert mich ein bauwerk dieser grösse, dieses monumentale.
wo sonst findet man noch ein sich im bau befindendes gebäude, an welchem seit über 100 jahren gebaut wird? das gesamte bauwerk wird durch die einnahmen aus den eintrittsgeldern finanziert, also unterstütze ich mit meinen eintritt zwar in gewissem sinne "die kirche", aber vorallem dieses wundervolle bauwerk. urteile nicht, wenn du die sachlage nicht genau kennst.

Dave

Religion steht ja bei diesem Beitrag auch nicht im Vordergrund! Die typographischen Eindrücke sind jedenfalls berauschend. Da steckt richtig Leben drin! Das ist noch Handarbeit vom Feinsten ... Teilweise alt und teilweise erneuert, oder? Sieht jedenfalls so aus. Weißt du wann die ersten Grundsteine für diese Kirche gelegt wurden, vor allem was die Typo angeht, Thierry?
Muss aber sagen dass ich ein Teil der Erneuerungen zweifelhaft finde. Ich habe das Gebäude zwar nie in Natura gesehen aber auf den Bildern wirkt der "Sanctus ..."-Schriftzug auf dem 13. Bild wie ein Abklatsch aus Las Vegas oder Disneyland. Oh oh, wie sieht das dann nur im Jahre 2030 aus?

Thierry Blancpain

das hast du ein bisschen falsch verstanden. der grundstein für diese kirche wurde 1882 gelegt, gaudi war ab 1883 verantwortlich für den bau. das "Sanctus" wird ziemlich neu sein, wenn ich mich recht erinnere wurden diese türme erst in den letzten 30 jahren erbaut. weitere infos findest du sonst im wikipedia-artikel.

die türen werden wohl so ziemlich die ältesten schriftstücke der kirche sein, dann kommt wohl die unterste serie (also die "normalen" buchstaben auf papier), und dann in irgendwelcher reihenfolge die anderen sachen.

der stil der gesamten kirche ist sehr eigentümlich, gaudis stil insgesamt sowieso. er benutzt "natürliche" formen, die gesamte konstruktion der säulen z.b. erinnert an bäume. die eine fassade ist wie "vernarbt", sieht alles sehr organisch aus.

Micha

Das Gebäude an sich muss ja der Hammer sein, wenn man davor steht. Schaut teilweise sehr unwirklich und angenehm ungewohnt aus. Will ich unbedingt mal in echt sehen.

Was ist das für eine Schrift auf den unteren beiden Bildern? Das »M« irritiert mich völlig.

lem

Beeindruckende Architektur, vor allem die Türme. Was sagt der Zahlenblock denn aus? Ein Rätsel, das es zu lösen gilt? Oder steckt da etwas trivialeres dahinter? :)

Thierry Blancpain

naja, alle reihen ergeben 33.. mehr konnte ich bisher nicht rausfinden :)

Der Kommentar

Deiner Begeisterung für das Monumentale teile ich gerne.

Eine Bibel kann noch so schon gestaltet und illustriert worden sein, dass schmälert nicht im Geringsten den zur Ausgrenzung und Gewalt anstiftenden Inhalt.

Wären die Gesetze in Deutschland nur religiös bestimmt, wäre dies das Ende der Kunst.

Wieviele Jugendliche kaufen sich T-Shirts mit Text aus dem Englischen, hören fremdsprachige Musik und verstehen nicht den Inhalt?

Eine Pistole kann noch so formschön und mit edlen Materialien verarbeitet sein - ich kann eine Pistole nicht aktzeptieren, weil ich den Verwendungszweck kenne.

Ich kann auch keine Moscheen ('Ort der Niederwerfung ' Deiner Begeisterung für das Monumentale teile ich gerne.

Eine Bibel kann noch so schon gestaltet und illustriert worden sein, dass schmälert nicht im Geringsten den zur Ausgrenzung und Gewalt anstiftenden Inhalt.

Wären die Gesetze in Deutschland nur religiös bestimmt, wäre dies das Ende der Kunst.

Wieviele Jugendliche kaufen sich T-Shirts mit Text aus dem Englischen, hören fremdsprachige Musik und verstehen nicht den Inhalt?

Eine Pistole kann noch so formschön und mit edlen Materialien verarbeitet sein - ich kann eine Pistole nicht aktzeptieren, weil ich den Verwendungszweck kenne.

Ich kann auch keine Moscheen ('Ort der Niederwerfung '

Der Kommentar

Beitrag oben ist fehlerhaft sortiert worden.

Deiner Begeisterung für das Monumentale teile ich gerne. Eine Bibel kann noch so schon gestaltet und illustriert worden sein, dass schmälert nicht im Geringsten den zur Ausgrenzung und Gewalt anstiftenden Inhalt. Wären die Gesetze in Deutschland nur religiös bestimmt, wäre dies das Ende der Kunst. Wieviele Jugendliche kaufen sich T-Shirts mit Text aus dem Englischen, hören fremdsprachige Musik und verstehen nicht den Inhalt? Eine Pistole kann noch so formschön und mit edlen Materialien verarbeitet sein - ich kann eine Pistole nicht aktzeptieren, weil ich den Verwendungszweck kenne. Ich kann auch keine Moscheen ('Ort der Niederwerfung ' Übersetzung), Synagogen, gutheissen weil es Bauwerke von religiösen Anhängern sind, die das Eigenständige im Denken und Fühlen in der Regel beendet haben sehen wollen. Die meinungslose Gefolgschaft, Masse all dieser großen Institutionen halte ich für bedenklich. Soll ich mir die Mühe machen und Dir aufzählen welche Bestimmungen (Kleidung, Nahrung, Sexualität, Kunst) es in einigen Ländern gibt in denen die Gesetze ganz religiös bestimmt sind? Dein Beitrag ist in Ordnung - fühl dich nicht ehrverletzt. Ich mach nur Gebrauch von der mir (noch) zustehenden Kritik.

Thierry Blancpain

nun, das sehe ich halt ziemlich anders. unterschiedliches weltbild sozusagen? ich denke gerade an folgenden spruch:
«Wer in seiner Jugend kein Sozialist war,
hat kein Herz - wer es aber im Alter noch ist, hat keinen Verstand !»
selbst wenn ich 20 bin, so stimmt das für mich so :) ich sehe mich zwar auch eher als linker wähler, aber halt mit ziemlich viel liberalismus.
jeder soll machen was er will, solange er anderen nicht schadet. nun könnte man sagen, dass eine solche institution den anderen schadet. aber vielleicht in ihrem weltbild auch nicht? woher willst du das wissen? woher nimmst du dir das recht, über andere zu urteilen?

alles fragen, die antworten haben - das soll nicht provokation sein oder so.

hinterfragen find ich gut - ich komme halt zu anderen ergebnissen :)

Celly

Schriftschneidekunst und Buchdruck wurden ausschliesslich entwickelt, um religiöse Schriften drucken zu können. So gesehen haben wir den Mönchen nicht nur unseren Beruf, sondern auch erhebliche Teile unserer Kultur und des Fortschritts zu verdanken.
Wenn jemand von Euch einmal in St.Gallen ist; ein Besuch der Stiftsbibliothek lohnt sich! Die haben unzählige, teilweise Einmalige (Hand-)Abschriften von Mönchen aus dem Mittelalter.

lem

@Der Kommentar
Ich gehe natürlich davon aus, dass du schonmal eine Synagoge und eine Moschee besucht hast, natürlich bei beiden Seiten je eine liberale und eine orthodoxe, um dir ein gutes Bild über die dort herrschende Verhältnisse zu machen.

Btw: eine Pistole tötet niemanden. Der Mensch dahinter drückt den Abzug. Ein Bleistift tötet auch niemanden. Aber ramme ich ihn jemand zwischen die Rippen und treffe sein Herz, so ist es ein Mordwerkzeug. Soll ich deswegen Bleistifte verurteilen? Ob man nun Religion positiv oder negativ gegenübersteht, solch eine Generalisierung ist doch (pardon ;) ) Blödsinn.

@Zahlenquadrat
Ist ein magisches:
"Der Architekt der Kathedrale Sagrada Familia in Barcelona Antonio Gaudi (1852 – 1926) hat ein abgewandeltes Magisches Quadrat entworfen, um die Lebenszeit von Jesus (33 Jahre) als Magische Zahl darzustellen. Er vermeidet Bruchzahlen dadurch, daß er die Zahlen 12 und 16 streicht und dafür die Zahlen 10 und 14 zweimal verwendet."
Quelle:

Dan Reynolds

Im September war ich kürz in Chartres. Da fand ich auch ein Paar Buchstaben (the real dea;, vielleicht).

http://www.typeoff.de/?p=36

Ich habe übrigens nichts gegen des Christentums. 'kann auch schön sein, ab und zu.

mestre

der erste kommentar von der kommentar ist einfach nur bescheuert, eben von jemanden der einfach nur ignorant ist, und der beitrag nicht gelessen hat.

CHR15

lern, kannst du mit einer pistole auch schreiben?

Thierry Blancpain

dan: genau dein newsbeitrag hat mich motiviert, endlich die photos auszugraben und den beitrag zu schreiben :)

Der Kommentar

Danke für die vielen ausführlichen Hinweise. Auch die unsachlichen Abwertungen sind aktzeptiert.

Dem widerspreche ich, dass wir den Mönchen unseren Fortschritt zu verdanken haben. Das Gegenteil ist eher der Fall.

Eine Liste, welche alle technischen Errungenschaften zusammenfasst, die von Atheisten oder sogar Gegnern von Religiösität entdeckt wurden, ist bedeutend länger.

Knapp 1 / 3 aller Wissenschaftler der letzten 2000 Jahre sind bedroht, bedrängt, genötigt, verfolgt und auch durch Christen ermordet worden. Etliche Wissenschaftler haben ihr gesamtes Leben lang ihre Entdeckungen geheim gehalten um einer Gefahr für Leib und Seele zu entgehen.

Deutschland ist ein von Christen besetztes Land. Sie wollen bestimmen und kontrollieren. Sowohl die Kultur als auch die Sitten und Gebräuche. Die vielbeschworene Freiwilligkeit ist grundsätzlich dahin sobald sie die Mehrheit bilden. Die USA sind hier ein sehr gutes und warnendes Beispiel. In Deutschland ist die (Über)Macht der Christen durch wehrhafte Personen wie mich (noch)eingeschränkt.

Was ich hier thematisieren will ist:

Ist Form und Farbe wirklich ohne Schuld?

Ist Typografie ohne Schuld? Stichwort: Fraktur

Oder muss doch alles nach dem Bedeutungsinhalt betrachtet werden?

Allen jüdischen Verlagen war es unter Androhung der Todesstrafe verboten die Fraktur zu verwenden, weil Adolf Hitler dies so beschlossen hat.

Können Farben, Formen bzw. Schriften, Gebäude auch nur genutzt werden als Ausdruck nationaler oder religiöser Identität?

Warum sind deutsche Gestalter sehr bedacht beim Umgang mit der Fraktur?

Auf jede Art von Kritik freue ich mich sehr.

Der Kommentar

Thierry Blancpain

kommentar: krieg doch einen namen, machts viel angenehmer miteinander zu "sprechen".

stichwort fraktur: das ist doch kompletter blödsinn. es ist hinlänglich bekannt, dass 1941 die fraktur selbst verbannt wurde, weil (von anderen als dem mitteleuropäischen kulturkreis) viel zu schlecht lesbar.

ich sehe immer der verantwortliche mensch im vordergrund: ein mensch drückt den abzug bei einer pistole. ein nazi ist judenfeindlich, nicht "der mensch an sich".

und deutsche gestaltur sind logischerweise bedacht im umgang mit fraktur-schriften, weil die öffentlichkeit ein gewisses bild der fraktur hat.
schriften drücken immer etwas aus: bei fraktur ist das heimatverbundenheit, "deutschheit", historisches, nazis. dass das extrem selten brauchbar ist, sollte selbsterklärend sein.
WAS sie aber ausdrücken, dafür kann die schrift nichts - das sind menschen, die etwas darin sehen.

aber: das alles hat überhaupt nichts mit meinem beitrag zu tun. an der sagrada familia hats einfach ne mensche schöner beispiele der schriftkunst, nicht mehr und nicht weniger.

Micha

aus dem Typolexikon

Ab 1939 allerdings wurden die gebrochenen Schriften zum Thema einer zunehmend rassistisch-antisemitischen Polemik, die am 3. Januar 1941 in einem von Martin Bormann stellvertretend für den Führer gezeichneten Schrift-Verdikt gipfelte, in dem die Fraktur verboten und die Antiqua zur Normalschrift erklärt wurde:

» Zu allgemeiner Beachtung teile ich im Auftrag des Führers mit: Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen und zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher-Judenlettern. Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, dass die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normalschrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normalschrift gelehrt werden. Die Verwendung der Schwabacher-Judenlettern durch die Behörden wird künftig unterbleiben; Ernennungsurkunden für Beamte, Straßenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normalschrift gefertigt werden. Im Auftrage des Führers wird Herr Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normalschrift umstellen. «

Dan Reynolds

@ Der Kommentar:
Dude, did some wacko-Christian eat your dinner? It must be quite easy to hide behind misleading statements when you don't even have an identity. Whatever.

Der Kommentar

"... ich sehe immer der verantwortliche mensch im vordergrund: ein mensch drückt den abzug bei einer pistole ..."

Die Waffenindustrie dankt Dir für diese Rechtfertigung.

:-)

Thierry Blancpain

schön, dass du auf alle argumente eingehst!

me

@ der kommentar:
[...]
Bin gegen das Christentum und lehne damit alles ab was mit ihnen in Verbindung steht.[...]

du feierst also auch kein ostern und weihnachten und gehts an den christlichen feiertagen arbeiten?

CHR15

es lebe die pornografie.

Lars

Thierry Blancpain

ouh, hehe. das ist halt "zu alt" für mich, bin ja hier noch nicht so lange dabei.. :)

und, auch spass gehabt in barcelona? ich finds ne wundervolle stadt..

pe

Es sind zwei Dinge die mir durch den Kopf gehen, wenn ich den Beitrag und die Kommentare lese.

Einmal Kopf
Barcelona ist eine faszinierende Stadt, ich bilde mir ein sie recht gut zu kennen.

Städte bestehen aus Häusern, Straßen, Plätze, Menschen…

Wir lesen über ein Haus. Eines von vielen Häusern. Eines von vielen faszinierenden Häusern, in dieser Stadt. Ein Haus, dass aber nicht unbedingt für ein „Heute” steht. Im Gegensatz zu den vielen faszinierenden Häusern, die in den vergangenen zehn, 15, 20 Jahren in Barcelona entstanden sind. Häuser, die — neben ihrer Architektur — auch typografisch spannende Aspekte haben. Dem Alten wird gehuldigt, das Neue übergangen. Warum eigentlich?

Zweites Mal Kopf
Wenn ich mit meinen katalanischen Freunden rede und das Gespräch auf Gaudi oder gar die Sagrada Familia kommt, erfahre ich Zorn und Verbitterung. Zorn und Verbitterung darüber, wie die Sagrada Familia nach Gaudis Tod weiter gebaut wurde. Sie fordern ständig den Abriss. Ich kann das nicht nachvollziehen, aber denke darüber nach. Weil… …es sind keine dummen Menschen, die das fordern.

Appendix 1: Die Diskussion über Religion in diesem Zusammenhang ist langweilig. Wenn eine gestellte (Bau-)Aufgabe auch nur halbwegs gesellschaftlich legitimiert ist, stellt sich vordringlicher die Frage, wie die gestellte Aufgabe gelöst ist. Und sie ist in diesem Fall faszinierend gelöst. Leider nicht wegweisend. Eine Architektur ebenso einzigartig wie der Mensch, der sie geschaffen hat.

Appendix 2: Wer auch immer nach Barcelona fährt: Sucht nach dem Heute und dem, was dahin führte. Die Seitengassen (wie Gaudi) sind immer interessant, aber…

Thierry Blancpain

pe (name?):
natürlich, ich wollte auch nie anderes behaupten. ich fand die stadt (und ihre architektur) sehr interessant. wie gesagt, eine faszinierende stadt. aber ausser bei der sagrada familia hab ich nicht allzu viele photos gemacht - daher das konzentrieren auf dieses eine werk.

melanie

Guten Tag. Die Erwähnung von Chartres zwingt mich nun doch wieder zu einem Postulat und damit auch zurück zum Thema Light-Painting und dessen metaphysischen Wurzeln.

Für Chartres unentbehrlich als Musterkirche der französischen Gothik sind natürlich die ganzen Schriften von Abt Suger und die Gott-ist-Licht-Mystik von Dionysos Pseudo Areopagita. Damit fing das Aufreißen der romanischen Mauern an. Ein unvergleichlicher Höhepunkt spätmittelalterlichen Light-Paintings ist die Sainte Chapelle in Paris. Gott ist Licht versuchte eine sinnliche Didaxe. Das gelang im Monument ebenso wie im Intimen. Es war breit und das Publikum konnte Gott erleben und als Licht fühlen.

Die Botanik Gaudis bedient das moderne Publikum mit einer Monstrosität. Sicher singulär. Aber auch seltsam leer. Denn wir erfahren lediglich: Gott ist monströs. Wie sein Diener Gaudi. Mich beschäftigt die Frage, ob Gaudi zum Mittel der Monstrosität hat greifen müssen, um nochmals ein Publikum für Gott generieren zu können? Waren diese cineastischen Effekte wirklich nötig? Ist die Sagrada Familia im Grunde nichts anderes als Passion of the Christ? Und geht es überhaupt noch um Gott? Eine Frage, die man sich abseits der Sensation in St. Peter zu Rom ja auch stellt. Wo die Bedeutung der Kirche Gott erschlägt.

CHR15

mel, es ist doch albern, dies am beispiel der sagrada familia festzumachen, wo doch kirchengebäude eh immer mit die monumentalsten bauwerke sind – egal innerhalb welcher der christlichen glaubenssiedlungen.

luft rauslassen.

melanie

Pardon. Ich verstehe nicht.

christoph

die »sagrada familia« ist groß und komplex, »monströs« ist allerdings kein begriff, der sich in bezug auf die fein-verspielte kirche aufdrängen würde. da sind andere kirchen ganz sicher »monströser«, erschlagender, wuchtiger. es kann einem schon der verdacht kommen, dass diese merkwürdige deutung nur ein vorwand ist, um die ewig gleichen postmodernen instant-theorien loszuwerden.

melanie

Ich finde die Betrachtunsgweise des singulären Geniekults völlig obsolet. Und in der Tat haben wir es mit einer Monstrosität zu tun. Diese heilig zu sprechen, nur weil sie eben singulär ist, ist rechtschaffen kindisch.

Wir könnten dann auch die Fuchsia Photoheadline aus den 70ern heilig sprechen, nur weil sie singulär ist.

Ich frage nach dem Warum des Monströsen? Ging es mit dem Singulären nur um die Bespiegelung des Ichs? Oder wurden all diese Effekte gewählt, um in der Sprache des Monströsen bereits den Wahrnehmungskonventionen der Sensationsindustrie zu entsprechen. Das erste wäre unchristlich. Das zweite fast prophetisch missionarisch.

Eine Kirche in der Sprache von King Kong. Das ist überraschend. Der Geniekult ist es nicht.

JackieTreehorn

melanie

Okay, für Dich ganz ordinär: Der Typ ist nur deshalb geil, weil er geschnallt hat, dass ne echte Show her muss. Pour le bon Dieu.

JackieTreehorn

Danke, jetzt verstehe ich Dich auch, ich ordinärer Bengel.
Mit dieser monströsen Sprache kann ich eben nicht viel anfangen ...

melanie

Ich kann damit leben, dass Sie mich als unchristlich empfinden müssen.

Thierry Blancpain

natürlich ist so ne kirche ne show. soll ja auch so sein. "der typ" hat auch ganz andere sachen gebaut, die sehr hübsch sind. wegen dem ist nicht der weltbeste architekt, aber er hat halt echt schönes zeug gebaut.

um die singularität des pluralis majestaetis zum empfinden, brauche ich beileibe kein post von der grösse babylons. also schreib doch einfach normal, so dass es jeder versteht. ist nicht so schwer, oder? sonst hol ich meinen bruder, der ist journi und hat philo studiert - dann gibts sicher weitere lustig unlesbare posts.

melanie

Sie sind wirklich hohl. Und das in einer wahrhaft singulären Dimension. Und das hat nichts mit Ihrer Vorliebe für Baukitsch und darauf angebrachtem Schriftkitsch zu tun. Denn diese könnte immerhin Camp sein.

kai

mir geht melanies geschwafel mächtig auf den keks... les schon gar nicht mehr weiter...oh je, wo soll das hinführen???

bin ich ich zu einfach gestrickt oder einfach genug oder wie oder was???

kai

mir geht melanies geschwafel mächtig auf den keks... les schon gar nicht mehr weiter...oh je, wo soll das hinführen???

bin ich ich zu einfach gestrickt oder einfach genug oder wie oder was???

melanie

punkt - punkt - komma - strich
fertig ist das mondgesicht.

Alles andere ist dann halt Geschwafel.

Gaudi - Jugendstil - Wahnsinn - toll.
Darauf eine Pepsi.

kai

tja, wenn es so einfach wäre....ich bin der meinung, vieles (nicht alles) ist auch einfach verständlich zu machen...wir leben nicht mehr im geschwollenen Mittelalter, liebe melanie!

CHR15

(…) Sie sind wirklich hohl. (…)

mel spielt nicht nur gerne verstecken, sondern schiesst neuerdings auch gerne mal aus dem hinterhalt in den rücken?

mel wiederholt sich zunehmend und erreicht niemanden wirklich. will uns den houellebecq machen, letzter aufruf an die sprachcodierung – RELEASE!

melanie

Wie kann man es denn noch einfacher machen als zu sagen: eine Kirche als King Kong? Vielleicht interessiert hier ja irgendeinen, was Abt Suger über das Licht gesagt hat, vielleicht auch nicht. Vielleicht findet jemand den Hinweis auf King Kong interessant, vielleicht auch nicht. Mich hat allein der Hinweis auf Chartres elektrisiert. Und dann habe ich mich einfach nur gefragt, in welcher Absicht Gaudi wohl spricht.

Wir können aber auch gerne wieder Backebackekuchen machen. Das Sanctus ist wirklich Las Vegas und Disney. Das ist richtig und oberflächlich.

Ich hielt meinen Gedanken für interessant, dass es kein Frevel am Bau ist, sondern identisch mit Gaudis Sensationssprache.

melanie

Ich sehe mich nicht als Sniper. Auch wenn Ihr Heckenschuss mit dem drittklassigen Franzosen, übrigens auch ein Vertreter des Sensationsprinzips, mich ziemlich vewundet.

kai

Müßiggang, so pflegt man zu sagen, ist eine Wurzel alles Übels. Um das Übel aus der Welt zu schaffen, hat man die Arbeit empfohlen. Diese Betrachtung ist jedoch, wie man aus dem eben Gesagten leicht ersehen kann, sehr plebejischer Extraktion. Müßiggang als solcher ist keineswegs eine Wurzel des Übels, im Gegenteil, er ist ein wahrhaft göttliches Leben, wenn man sich mir nicht langweilt. Natürlich kann der Müßiggang es veranlassen, daß man sein Vermögen verliert; aber davor fürchtet sich die adlige Seele nicht, wohl aber vor der Langeweile. Die olympischen Götter langweilten sich nicht, sie lebten glücklich in glücklichem Müßiggang. Eine weibliche Schönheit, die nicht näht noch spinnt, nicht strickt noch liest, auch nicht musiziert, ist in ihrem Müßiggang glücklich; denn sie langweilt sich nicht. Der Müßiggang ist also durchaus nicht die Wurzel des Übels, sondern viel eher das wahrhaft Gute.

melanie

Dies wiederum würde nun ich als Geschwafel bezeichnen.

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