New Typefaces: Strenges Spiel mit Regelhaftigkeit / Vorbereitungen der Ausstellung »Call for Type« laufen auf Hochtouren

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Auf große internationale Resonanz stieß der Wettbewerb »Open Call for Type«, der vom Mainzer Gutenberg-Museum und dem Institut Designlabor Gutenberg / FH Mainz ausgelobt wurde: 290 Schriftentwürfe aus mehr als 17 Ländern, von »A« wie Argentinien bis »U« wie USA, verdeutlichen auf eindrucksvolle Weise den Stand des aktuellen Type-Designs. Ausgewählt wurden 50 Schriftentwürfe für die Ausstellung »Call for Type«, die ab dem 6. Juni im Mainzer Gutenberg-Museum gezeigt wird. 

In der Tat repräsentieren die eingereichten Schriften den aktuellen Stand des jungen Type-Designs: Das Spektrum reicht von studentischen Entwürfen bis hin zu großen Type-Foundries. Begeistert vom der Internationalität und der großen Bandbreite der Entwürfe zeigte sich Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums und Jury-Mitglied. Dies sei auch ein Hinweis dafür, dass der seit 2010 in der Zusammenarbeit zwischen Museum und FH etablierte Schwerpunkt Typografie von den verschiedensten Zielgruppen wahrgenommen wird. Der international renommierte Type Designer Akira Kobayashi, Type Director bei Monotype und Jury-Mitglied, äußerte sich erstaunt über das hohe Niveau und die Qualität der eingereichten Entwürfe. Dass das Niveau höher ausgefallen sei als erwartet, bestätigte auch Lars Harmsen, Professor an der FH Dortmund, der diese positive Entwicklung auch auf die verstärkte Konzentration auf Typografie in der Ausbildung von Designern in den letzten Jahren zurück führt. Er warnt dennoch davor, Schrift und Schriftentwurf über zu bewerten. Schließlich sei Schrift »nur« ein Werkzeug; erst der gestalterische Umgang mit ihr könne eine qualitätvolle Gestaltung erzeugen. Es gehe, so Harmsen, schließlich um das Abarbeiten am strengen Spiel der Regelhaftigkeit.

So ist nach den gestalterischen Experimenten und Formexzessen der letzten Jahre im Font-Design heute eine deutliche Abklärung zu verzeichnen – Schriftgestaltung wird sehr ernst genommen: Es geht wieder um Lesbarkeit und funktionale Aspekte, gepaart mit einer Liebe zum gestalterischen, durchaus auch ungewöhnlichen Detail, die letztlich die Professionalität und Qualität der jungen Fonts auszeichnet. Deutlich wurde aber auch, dass Schriften heute sehr umfangreich ausgebaut werden: Eingereicht wurden nicht nur zahlreiche Schnitte, sondern auch Glyphen und Ornamente sowie kyrillische und/oder arabische Fonts – ein deutlichen Zeichen dafür, dass junge Gestalterinnen und Gestalter selbstverständlich ganz unterschiedliche Kulturkreise im Blick haben. Dies sei, so Isabel Naegele, Jurymitglied, Professorin an der Mainzer FH und Mitorganisatorin, deutlich der Vernetzung junger Designerinnen und Designer über Ländergrenzen hinaus geschuldet. Zudem, so betonte Petra Eisele, ebenfalls Professorin an der FH Mainz, Jurymitglied und Mitorganisatorin, würden »klassische historische Vorbilder analysiert und neu interpretiert – nicht nur als Hommage an die großen Meister, sondern auch als Schulung des eigenen Qualitätsanspruches. Schließlich sei die »eigene« Schrift angesichts immer austauschbarer werdender globaler Gestaltungsmittel auch als bedeutendes Identifikationsmittel für junge Designerinnen und Designer zu begreifen.

Der Wettbewerb »Call for Type« wurde vom Mainzer Gutenberg-Museum und dem Designlabor Gutenberg / FH Mainz international ausgelobt. Eingereicht wurden 290 Schriftentwürfe aus mehr als 17 Ländern – von »A« wie Argentinien bis »U« wie USA«.

Jury: 
Prof. Dr. Petra Eisele, Professorin für Designgeschichte und -theorie, Designlabor Gutenberg, FH Mainz
Prof. Lars Harmsen, Professor für Konzeption und Entwurf / Typografie und Layout, FH Dortmund
Bernhard Hofmacher, Specialist Designer Liaison, Monotype
Akira Kobayashi, Type Director, Monotype
Dr. Annette Ludwig, Direktorin Gutenberg-Museum Mainz
Prof. Dr. Isabel Naegele, Professorin für Gestaltungsgrundlagen und Typgrafie, Designlabor Gutenberg, FH Mainz 
Robin Scholz, Studentischer Vertreter, Studiengang Kommunikationsdesign, FH Mainz

Die Sonderausstellung »Call for Type. New Typefaces / Neue Schriften«, bei der 20 ausgewählte Type-Designer sowie die 50 nun jurierten Fonts präsentiert werden, wird am 6. Juni im Mainzer Gutenberg-Museum eröffnet. Im Rahmenprogramm finden am 7. und 8. sowie am 19. Juni jeweils um 18.30 Uhr »Talks« über Schrift statt, bei denen international renommierte Gestalterinnen und Gestalter über ihre Schriftentwürfe berichten. Zudem wird mit der »Imprint Fair« am 8. Juni eine Messe für Schriftgestalter und Schriftverleger aus ganz Europa veranstaltet.

Call for Type. New Typefaces / Neue Schriften.

Sonderausstellung im Gutenberg-Museum Mainz
Vom 7. Juni 2013 bis 8. September 2013

Gutenberg-Museum Mainz
Liebfrauenplatz 5
D-55116 Mainz

www.gutenberg-museum.de
www.call-for-type.de

Zur Ausstellung erscheint der Katalog »Call for Type. New Typefaces / Neue Schriften.«

 

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