Regimekritiker von Frankfurter Buchmesse ausgeladen / Peking macht Druck

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Falko Ohlmer hat uns auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der seit heute auf Spiegel Online zu lesen ist, und der uns als Designer und Typografen, die tagtäglich Stellung beziehen müssen, auch etwas angeht. Im Vorfeld zur Frankfurter Buchmesse sorgt das diesjährige Gastland China jetzt schon für Schlagzeilen. Da chinesische Behörden protestierten, wurden einige regimekritische Intellektuelle von einer Diskussionsveranstaltung wieder ausgeladen.

Darunter der in Boston lebende Exilautor Bei Ling und die regierungskritische Autorin und Umweltschützerin Dai Qing. Beide sollten am kommenden Wochenende an einem Symposium zum Thema »China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit« teilnehmen, wurden dazu eingeladen und wieder ausgeladen.

Der Hintergrund dazu ist scheinbar, dass chinesische Funktionäre und Schriftsteller wohl damit gedroht haben, ihre Teilnahme abzusagen, falls politisch ungeliebte Autoren unter den Anwesenden wären.

Mehr und detaillierte Informationen auf Spiegel Online.

Tobi

Ich finde Designer müssen nicht zu allem ihren Senf abgeben!
So wichtig sind wir nicht ...

Gruß
T

Gast

Das ist mal wieder typisch Deutschland: einen auf Demokratie und Meinungsfreiheit machen und dann – wenn wirtschaftliche Interessen gewahrt werden müssen – doch lieber kuscheln und mit einem diktatorischen Regime kolportieren.

Wer steckt eigentlich hinter der Buchmesse? Ist das nicht die Stiftung Buchkunst?

Gast

Was macht eigentlich Bernie?

Gast

@TOBI: man muss nicht zu jeder Sache seinen Senf abgeben. Manche interessiert es auch nicht, was um einen rum passiert. Augen zu und durch. Ich denke, dass es schon was ernstes ist, zumal es bei der Buchbranche auch um unsere Auftraggeber geht.

Aber irgendjemand muss ja schliesslich auch die Plakate der NPD machen. Das sind wohl die, denen das egal ist, was um sie herum passiert.

Bei uns an der Hochschule Ulm wird uns gelehrt, dass Grafik Design eine gesellschaftsdurchdringende und übergreifende Berufssparte ist und auch Ethik dabei eine Rolle spielt. Somit finde ich es gut, wenn man auf solche Ausgrezungen hinweist.

Martin

Ja , wo ist Bernie? Das wäre doch mal wieder eine Möglichkeit für ihn ein paar politisch unkorrekte Äusserungen abzugeben ...

CHris S

Ich denke das - wie schon seit einiger Zeit, hier ein Ausverkauf der Ideale, auf denen unsere westliche Demokratie basiert, zu beobachten ist. Damit meine ich vor Allem die Meinungsfreiheit. Klingt vielleicht pathetisch, ist aber eine ganz nüchterne Beobachtung.

Wie hieß es bei den letzten olympischen Spielen so schön? Das sie "eine Öffnung bewirken und in China eine Verbesserung der Menschenrechtslage herbeiführen" könnten? Auch hier wurde natürlich wirtschaftlichen Interessen Vorfahrt gewährt und die Bedenken unter anderem mit dieser Argumentation beiseite gewischt.
Es hat sich aber gezeigt, das keine Verbesserung der Menschenrechtslage stattfand (vielmehr wurden die staatliche Kontrolle und Repression von Kritikern noch erhöht), auch dass Chinas Regierung seitdem nicht weniger beratungsresistent agiert. Vielmehr wird eine Ausdehnung der Einflusssphäre angestrebt, um auch kritische Stimmen im Ausland verstummen zu lassen. Auch in Deutschland.

In unserem Grundgesetz steht unter §5:

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden Gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. "

Vielleicht ist es nur ein kleiner Bereich, ein einzelnes Symposium der unter dem Einfluss der staatlichen chinesischen Zensoren zum Sperrgebiet für abweichende Meinungen wird, da es "sonst zu einer Konfrontation kommen (würde), die das Symposium und die Frankfurter Buchmesse schädigen würde" Dennoch sehe ich hier eine große Kompromissbereitschaft,
die ganz klar wirtschaftliche Interessen vor ideelle Werte stellt und die sich dadurch erpressbar macht. Besonders arm ist das, weil eine tradierte kulturelle Institution wie die Frankfurter Buchmesse grade auf diesen Idealen ruht. Und was beim nächsten Mal? Wenn es vielleicht um mehr geht, als nur um ein Symposium? Lässt man sich dann wieder erpressen?

Im übrigen finde ich nicht, dass dieses Thema unangebracht ist. Ich denke das es Designern ganz gut tut, wenn sie eine wache Auffassungsgabe besitzen, wenn sie über politische Vorgänge nachdenken und sich nicht blindlings instrumentalisieren lassen.
Natürlich nehmen wir uns nicht zu wichtig, wenn wir hier an dieser Stelle unseren "Senf dazu abgeben", ein Vorgang, der in China im Übrigen ein Ding der Unmöglichkeit wäre.

CLMNZ

>> Wer steckt eigentlich hinter der Buchmesse? Ist das nicht die Stiftung Buchkunst?

selbst wenn man da (Schönste Deutsche Bücher) was gewinnt muss man den Eintritt selbst zahlen. Die haben mit der Messe nur minimal was zu tun. Sitzen halt auch in FFM.

Nick Blume-Zander

@Buchmesse: es gehört zu einem Drittel dem Börsenverein des dt. Buchhandels (Hauptverband der buchproduzierenden und -vertriebenden Gewerbe), ein Drittel der Stadt Frankfurt und der Rest gehört dem Land Hessen.

Nick Blume-Zander

Mein Kommentar vorher stimmt nicht mehr: die Stadt Frankfurt (60%) ist über die Messe Frankfurt daran beteiligt oder hat Einfluß, das Land Hessen zu 40%. Quelle: http://www.messefrankfurt.com/frankfurt/de/messe/unternehmensprofil/zahl...

Mehr: http://www.boersenblatt.net/77294/ - evtl. hat die Messe Frankfurt schon eine Beteiligung an der FBM.
http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2004-09-17.html - mehr.

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