Interviews

Störung als Prinzip / Bachelorthesis von Moritz Kickler

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Die zunehmende Beschleunigung unserer Umwelt und Gesellschaft stellt die Belastbarkeit der Menschen immer häufiger auf die Probe. 

Schnellere Kommunikation, gesteigerte Informationswahrnehmung und pausenlose Verfügbarkeit sind zu wichtigen Faktoren in unserem täglichen Leben geworden. Faktoren, die unsere Art zu kommunizieren, zu sehen und zu leben beeinflussen. Darüber, wie sehr diese Faktoren unser Leben mittlerweile bestimmen, sind wir uns oft kaum bewusst. Immer öfter befinden wir uns in Situationen in denen wir unsere Wahrnehmung bewusst aus der Hand geben und uns leiten lassen.

»Störung als Prinzip« beantwortet keine Fragen und folgt keinen klaren Linien. Ziel dieser Sammlung an Inhalten zum Thema Wahrnehmung, Verhalten, Überforderung und Ordnung ist es, den Leser durch bewussten Verzicht von Leitsystemen und anderen Orientierungshilfen gezielt zum Hinterfragen der eigenen Gewohnheiten im Bezug auf Mediennutzung und Informationswahrnehmung anzuregen. Hierbei nutzt das Buch die absichtliche Störung von Abläufen bei der kognitiven Aufnahme von visuellen Reizen, um das Bewusstsein des Lesers dahingehend zu sensibilisieren, Inhalte wieder bewusster wahrzunehmen und das kreative Potential von Störungen in Form von Überforderungs- und Ruhephasen intensiver für sich zu nutzen.

Wir haben Moritz ein paar Fragen zu seiner Arbeit gestellt: 

Wie bist Du auf das Thema Deiner Arbeit gekommen? 
Es ist ein Thema, was mich selbst sehr beschäftigt. Ich glaube jeder kennt Situationen oder Tage an denen man sich fragt was man eigentlich alles gesehen hat und wie wenig man davon wirklich verstanden, verarbeitet oder kreativ genutzt hat. Es ist schon komisch, wir leben uns in einer Situation in der wir zwar in der Lage sind so viel wie noch nie wahrzunehmen aber gleichzeitig verarbeiten wir effektiv so wenig wie noch nie zuvor. Ich fand es spannend, diese Situation als Ausgangspunkt zu sehen um mich darüber hinaus kreativ mit dem Thema Überforderung in unsere visuellen Wahrnehmung intensiver zu befassen.

Was interessiert Dich daran besonders?
Ich habe gemerkt, dass die Überforderung unsere Wahrnehmung und die damit verbundene Frage, was und wie intensiv wir überhaupt noch wahrnehmen bzw. welchen subjektiven Wert wir Informationen und Inhalten zugestehen eine der wichtigsten Fragen in unserem täglichen Umgang mit Informationen ist. Kaum jemand ist sich aber wirklich bewusst darüber. Wir sehen es als sehr selbstverständlich an, Zugang zu einer Masse an Inhalten zu haben, haben aber nie einen verantwortungsvollen Umgang damit gelernt. 

Warum hast Du Dich für die Magazinform entschieden?
Störung als Prinzip funktioniert nicht wie ein klassisches Magazin welches man durchblättern kann. Hier funktionieren die Inhalte nur, wenn der Leser sich die nötige Zeit nimmt, die einzelnen Seiten heraus zu nehmen und als ganzen Themenblock zu lesen und zu verstehen. Ich als Gestalter gebe am Anfang eine subjektive Reihenfolge vor, in der die Inhalte und Bilder für mich einen Sinn ergeben oder eben auch nicht. Da die Textblöcke nicht gebunden sind, wird der Leser dazu angeregt die Inhalte auseinander zu nehmen und sie neu zu ordnen und somit seine eigene Ordnung zu schaffen und sich, seinen Standpunkt und seine Gewohnheiten bzw. Verhaltensmuster in der visuellen Wahrnehmung zu hinterfragen. Somit reagieren Bild und Text in jeder  Zusammenstellung anders aufeinander und schaffen somit den Ausgangspunkt für neue Möglichkeiten im kreativen Umgang mit den Inhalten. Die Verknüpfung von inhaltlichem und gestalterischem Konzept ließ sich meiner Meinung so am besten realisieren. Wichtig hierbei ist der Gedanke das Inhalte immer eine bestimmte Zeit brauchen und aus der Masse gefiltert werden müssen um wirklich wahrgenommen werden zu können dies hätte sich mit einem herkömmlichen Magazin oder einer Website nicht  so intensiv umsetzen lassen. 

Wie wurde das Magazin produziert?
Das Projekt wurde von mir in ca. 6 Monaten umgesetzt. Hierzu wurde viel Zeit in die Recherche der Inhalte gesteckt da sie meiner Meinung nach das Fundament der ganzen Arbeit darstellen. Darüber hinaus entstanden während der Arbeit an den Texten Collagen und Bilder welche auf die Texte eingehen, sie in Frage stellen oder unterstützen. Das ganze wurde im Anschluss in einer Auflage von 100 Stück gedruckt und eingetütet.   

Wie geht es bei Dir nun weiter?
Zur Zeit beschäftige ich mich wieder mit neuen Projekten die viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Darüber hinaus suche ich ständig nach neuen Möglichkeiten und Gelegenheiten mit interessanten Menschen zusammen zu Arbeiten, viel zu lernen, zu reisen und so weit es möglich ist, Zeit für meine eigenen Projekte zu finden. 

www.störungalsprinzip.de 

 

Störung als Prinzip – 
Störung als Chance in der visuellen Wahrnehmung

Gestaltung: Moritz Kickler
Hochschule: Fachhochschule Münster, Fachbereich Design
Betreuende: Rüdiger Quass von Deyen, Lars Harmsen
Veröffentlichung: 02.02.2013
Auflage: 100 St.
Umfang: 80 Seiten
Format: 29,9cm x 20,8cm 
Sprache: Deutsch
Specials: herausnehmbare Einzelseiten, Folien-Verpackung mit Siebdruck
Preis: 15 Euro

 

Hagensen

Richtig guter Artikel und auch ein tolles Interview. Wäre schön, wenn man im Netz öfter solch interessante sachen lesen könnte.

Mads P.

Spannende Idee! Störung als Prinzip ist eigentlich mehr als ein Arbeitsthema. Eher eine Agenda.

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