Symposium Translations 5 »Tribute to a Typeface«

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Vergangenen Freitag, am 04.11.2016, fand in der FH Mainz das Symposium Translations 5 »Tribute to a Typeface« statt. Die Symposiums-Reihe »Translations« des Studiengang Kommunikationsdesign diskutierte neue designhistorische Forschungsergebnisse zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der FUTURA. Vorgestellt wurden zudem aktuelle Positionen im Type und Corporate Design, die sich auf die berühmte geometrische Sans Serif beziehen oder aber sich dezidiert von ihr abwenden.

Mit rund 350 Besuchern war die Aula der FH Mainz gut gefüllt und der Tag begann um 10 Uhr mit einem Begrüßungswort der zwei Professorinnen und Kuratorinnen des Symposiums und der Ausstellung, Isabel Naegele und Petra Eisele

Diese starteten gleich darauf mit dem ersten Vortrag »FUTURA. Tribute to a typeface«, der sich um das Gesamtprojekt FUTURA. DIE SCHRIFT. drehte, welches als Kooperationsprojekt zwischen dem Gutenberg-Museum Mainz und dem Institut Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz entstanden ist. Passend zum 90-Jährigen Jubiläum der Futura, haben Isabel Naegele und Petra Eisele zusammen mit Dr. Annette Ludwig, der Direktorin des Gutenberg-Museums, drei Jahre lang die Entstehung und Verbreitung der Futura erforscht. Dabei entdeckten sie bisher unveröffentlichte Skizzen und Schriftproben der Futura, welche man in der Ausstellung »FUTURA. DIE SCHRIFT.« im Gutenberg-Museum Mainz noch bis zum 30. April 2017 betrachten kann. Zudem ist aus dem Forschungsprojekt ein 520 Seiten starker Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Schriftproben entstanden, welcher beim Verlag Hermann Schmidt Mainz erschienen ist. Außerdem haben Isabel Naegele und Petra Eisele eine Sonderedition mit dem Titel »TRIBUTE TO PAUL« herausgegeben, welche visuelle Statements von international bekannten Designern wie Lars Harmsen, Erik Spiekermann und Ferdinand Ulrich, Erwin K. Bauer, Neil Donnelly, Jakob Runge, Vier5, Trafik und vielen weiteren enthält.

An zweiter Stelle sprach an diesem Tag der spanische Designer Pere Alvaro von »Bis« aus Barcelona. Sein Vortrag trug den Namen »FUTURA IS NOW«. Sein, 1997 mit Alex Gifreu, gegründetes Büro konzentriert sich stark auf die Kommunikation innerhalb der Kulturindustrie, ganz besonders öffentliche Einrichtungen wie Museen und Galerien. Das Büro befindet sich in Barcelona, aber die Kunden stammen aus ganz Spanien sowie aus dem restlichen Europa und Amerika. Alvaro berichtete davon, dass Bix des Öfteren mit der Futura gearbeitet hatte. Unter anderem setzen sie die Schrift für geometrische Corporate Designs ein. Die Schrift stellt für sie eine gestalterische Revolution dar. An der Futura schätzt Bis besonders ihre Einfachheit, Wirtschaftlichkeit, Modularität, starken Charakter und ihre Einzigartigkeit.

Nach einer kleinen Pause ging es schließlich weiter mit dem Vortrag »Paul Renner – the man behind Futura« des Typographen, Schriftdesigners, Designhistorikers und absoluten Paul Renner-Experten Christopher Burke aus Reading. Burke sprach über Paul Renners Leben und seinen Werdegang sowie seine Zeit in Frankfurt, welche zur Entstehung der Futura beitrug und Renners Stil beeinflusste. Zudem sprach Burke über Renners und Jan Tschicholds Verhältnis zueinander und die Gründe für die Popularität der Futura.

Von einer ganz anderen Perspektive aus sprachen die Art-Direktorinnen Stefanie Barth und Carina Frey, im nächsten Vortrag »An example of image and typography – double magazine and other projects in fashion and design« über die Futura. Beide geben an »keine Typographen« zu sein, sondern aus Mode-, Kunst- und Bewegt-Bildbereichen zu kommen. Stefanie Barth und Carina Frey arbeiten in Paris und Mailand für Kunden wie Céline, Hermès und Dior Beauté sowie für eine Reihe von Marken und Boutiquen rund um den Globus. Auf dem Symposium stellten sie ihr Magazin »double« vor, welches nach einem Redesign die Futura als Corporateschrift hat. Dabei kombinieren sie die geometrische Grotesk auf 320 Seiten immer wieder mit anderen Serifenschriften und setzen sie zu zeitgenössischer Modefotografie.

Nach einem kleinen Lunch ging es gegen 14 Uhr weiter mit einem Kurzvortrag von Sarah Schmitt, Christian Weber und Axel Becker, welche im Masterstudiengang Gutenberg-Intermedia eine partizipative Bildplattform mit dem Namen »type-trap« ins Leben gerufen haben. Es ist die weltweit größte Suche nach der Schrift Futura: auf Plakaten, Neonreklamen, Schildern, Verpackungen, Bücher, Visitenkarte, Tattoos, etc. – zuhause, in der Stadt und auf dem Land. Jeder ist eingeladen, dort seine Fundstücke hochzuladen und darüber zu berichten. Man kann mittels eines Rankings sehen, in welcher Stadt zur Zeit am meisten Fundstücke hochgeladen wurden. 

Jakob Runges knackiger und auf den Punkt gebrachter Vortrag »Der Custom Font und die Geometrie« folgte darauf. Als begeisterter schwarz-weiß-Spezialist, entwirft Jakob Runge Fonts und maßgeschneiderte Corporate Schriften bei TypeMates. Einige davon stellte er an diesem Freitag vor. Darunter eine seiner ersten Schriften, die »Edelsans«, welche eine Mischung aus der Futura und der Avenir war. Daraus entwickelte er dann den Costum Font »Lenbach Grotesk« für das Lenbachhaus in München. Zudem zeigte Runge seine Schrift »Cera«, welche ebenfalls eine geometrische Serifenlose und mit der Futura verwandt ist. Diese entwickelte er zudem als Brushfont und als Stencil-Schnitt.

Mit dem Vortrag von Iva Knobloch aus Prag mit dem Thema »Futura as a geo-political matter in the Czech Lands« wurde es wieder designhistorischer. Knobloch arbeitet als Kuratorin der Sammlung von Drucken am Museum für Dekorative Kunst in Prag und lehrt Geschichte des Grafikdesign an der Akademie für Kunst, Design und Architektur in Prag. In ihrem Vortrag sprach sie über das »Typografia Magazine« welches in den 20/30er Jahren eine wichtige Rolle in der tschechischen Designwelt spielte. Außerdem zeigte und sprach Knobloch über bekannte und wegweisende Werke der tschechischen Gestalter Ladislav Surnar, Zdeněk Rossmann, František Kalivoda und František Muzika.

Weiter ging es schließlich mit einem Vortrag des Hamburger Designbüros »I LIKE BIRDS«, gegründet von André Gröger und Susanne Kehrer – Alumni der FH Mainz. Das Team beschäftigt sich mit der Umsetzung von Designideen in kreative Produkte. Schwerpunkt der Arbeit ist die Transformation einer Vielfalt an Informationen in visuelle Sprache, die die Inhalte in flüssiger und effektiver Art und Weise durch eine Vielzahl von Printmedien transportiert. Mit ihrem Vortrag »Past and Futura« sprachen sie sich kritisch zum Gebrauch der Futura aus. Bisher haben sie die Futura nicht für ihre Arbeiten benutzt, da sie ihnen zu überreizt vorkommt. Durch die gute Anpassungsfähigkeit der Schrift wird sie für I LIKE BIRDS zu beliebig und besitzt eine geringe Individualität. Das Team entwirft lieber selber Schriften, welche einen eigenen Charakter besitzen, überraschen und individuell auf ihren Kunden abgestimmt sind. Dabei arbeiten sie sehr spielerisch und experimentell.

Der Vortrag des Ausstellungsleiters und Kurators für Design und stellvertretender Direktor am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt a. M. sowie Professor für Designtheorie und -geschichte an der HfG Offenbach Klaus Klemp, behandelte das Thema »Hans Leistikow und der Versuch eines Corporate Design für das Neue Frankfurt«. Er sprach über die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe, sowie gesellschaftlichen Fügungen welche zum neuen Visual des Neuen Frankfurts führten. Ein Protagonist darunter: Paul Renner. Des weiteren sprach Klemp über die Arbeit Hans Leistikows, welcher ein neues Corporate Design zu jener Zeit entwickeln sollte. Klaus Klemp hat zahlreiche Publikationen zu Architektur, Design und Bildender Kunst veröffentlicht.

Passend zum Thema Frankfurt stellte das Designbüro GARDENERS aus ebendieser Stadt ihr Corporate Design für das neuausgebaute Historische Museum Frankfurt vor. GARDENERS entwickelt Ideen und visuelle Konzepte und Designs für eine große Bandbreite an Kunden und Projekten. Dabei konzentrieren sie sich auf die Bereiche Corporate Design, Ausstellungsdesign, Signaletik, Digitale Medien und Verpackung. Für das Historische Museum benutzt das Designbüro die Futura, teilweise mit Alternativglyphen und angepassten Satzzeichen.

Der Tag endete schließlich mit Albert-Jan Pools Vortrag »Das groteske einäuige a«. Nach dem Studium an der KABK in Den Haag arbeitete er bei Scangraphic und URW in Hamburg. Seit 1994 betreibt er sein eigenes Studio Dutch Design und entwickelt Schriften wie FF OCR-F und FF DIN, sowie spezielle Corporate Schriften. Er unterrichtet Schriftdesign an der Muthesius-Akademie in Kiel. Seit 2007 schreibt er an seiner Doktorarbeit zur Geschichte der konstruierten Sans Serif Schriften in Deutschland. In seinem Vortrag stellte er seine Forschungsergebnisse zum ungewöhnlichen einstöckigen a der Futura vor und erklärte dessen Herkunft, welche er schon zur Römerzeit 400 Jahre v. Chr. vermutet. Das einäugige a tauchte immer wieder vereinzelt in der Geschichte auf, große Bekanntheit erreichte es jedoch erst durch die Futura.

Nach einem ereignisreichen und lehrreichen Tag endete das Symposium abends in einer kurzen Abschlussrede und einem eiligen Verlassen der Veranstaltung der Besucher, um noch die letzten Züge nach Hause zu erwischen. Wir haben uns über die Vielfältigkeit und Qualität der Vorträge gefreut sowie das Engagement der Lehrenden und Studierenden und sind schon gespannt auf das nächste Translations Symposium!

lars

Leider konnte ich nicht dabei sein. Daher DANKE für diesen schönen Artikel.

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