Technologie im Schriftdesign – ein klarer Favorit? / Artikel von Joe Newton von Veer

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In den vergangenen Jahren haben sich viele talentierte Grafikdesigner mit Schriftdesign befasst und attraktive und verspielte Schriften entwickelt. Um das volle Potential von Schriftdesign-Software auszuschöpfen, bedarf es jedoch eines echten Profis.

Durch Technologie ist die Zahl der neuen Script-Fonts in den letzten Jahren stark gestiegen. Viktorianische Schriften und die Ästhetik des alten Buchdrucks haben ein Revival erlebt.

Neue Technologien tragen zum Erfolg dieser Retro-Schriften bei. Vor allem, wenn sie die Drucktechniken der damaligen Zeit nachahmen können. Ich habe dies in den vergangenen Jahren besonders bei Designern beobachtet, die OpenType-Technologien verwenden, um ihre Schriften wie ein Abbild von verwittertem Holz oder zerfurchtem Metall aussehen zu lassen.

Dazu möchte nun etwas weiter ausholen und mich bereits im Voraus dafür entschuldigen. Beim Setzen von Lettern aus unterschiedlichen Holz- oder Metallstäbchen entstehen Buchstaben, von denen keiner dem anderen gleicht – eine kleine Rille hier, eine abgenutzte Ecke dort: Jeder Buchstabe ist individuell. Mit OpenType kann man die Schrift je nach Kontext variieren. Buchstabenvarianten werden automatisch innerhalb eines Wortes platziert. So wird der Eindruck einer von Hand gesetzten Schrift vermittelt, bei der sich aufeinanderfolgende Buchstaben nicht ähneln.

Durch OpenType entstehen nicht nur sehr erfolgreiche Retro-Schriften. Die Technologie ermöglicht auch einige tolle Effekte bei Script-Fonts. OpenType fügt automatisch die Buchstabenformen ein, die sich am besten mit dem nächsten Buchstaben verbinden lassen. Beispielsweise kann ein »o« auf harmonische Weise mit einem »t« und einem »s« verbunden werden. So entstehen Schriften, die wie handgeschrieben aussehen.

»Schriftkunst« und Technologie sind auch auf andere Art eng miteinander verknüpft. Mit OpenType können echte Kapitälchen und andere »professionelle« typografische Besonderheiten wie Ligaturen und verschiedene Ziffernsets automatisch ersetzt werden.
Durch diese Zusatzfunktionen entstehen Schriftarten von erstaunlich hoher Qualität und Detailgenauigkeit. In der „Schriftkunst“ geht es meiner Meinung nach darum, Schriften zu entwickeln, die perfekt funktionieren und spezielle Bedürfnisse erfüllen. OpenType bietet die Funktionen, mit denen die Herausforderungen des modernen Schriftdesigns bewältigt werden können.

Fonts, die an die Grenzen modernster Technologien gehen, sehen Sie auf http://www.veer.com/ideas/galleries/liza/ und Beispiele für die Schrift Liza Pro der Foundry Underware auf http://www.veer.com/ideas/galleries/antarctica/gallery.aspx sowie einige Beispiele der wunderschönen Schriften von Alejandro Paul.

bertone

Tolle Designs! Bin immer wieder fasziniert wie sich Schrift doch gestallten läßt.

Thomas

Ich habe mich vor zwei bis drei Jahren in einem Page Artikel mal etwas herablassend über das retrolastige Script-Programm von Veer geäussert. All die Open-Type-Features, die aus technisch-handwerklicher Sicht sicherlich sehr hochwertig wirken und diesbezüglich Anerkennung verdienen, bestechen zwar den unbedarften Betrachter, wirken aber auf viele zeitgenössische Geister wie Schatten aus konservativen Zeiten. Wo sind da die Brüche? Es ist ja ein Paradoxon, wenn die ohnehin schon sehr populären Script-Fonts mit jeder Menge Programmierarbeit zu Hightech-Fonts mutieren, während sie ästhetisch nicht viel mehr als Traditionalismus oder allenfalls romantisierend „Handschriftliches“ transportieren.

Veer wurde von denen ins Leben gerufen, die ihre Zeit kommen sahen, als die Independent-Schriftkultur im Mainstream mündete und der Ruf nach „guter alter Schriftkunst“ wieder lauter wurde. Für mein Empfinden ist das inzwischen ein Hype, der ungewollt so manchen gesellschaftlichen Anachronismus illustriert.

Daher meine ich, das Fragezeichen in Eurer Headline ist mehr als berechtigt, und der „Artikel“ von Joe Newton geht in keinster Weise auf dieses Fragezeichen ein. Er klingt eher nach reinster Veer-Promotion, die Slanted hier wie eine Art „redaktionellen Gastbeitrag“ präsentiert. Gruselig!

P.S.
Der Page-Artikel brachte meine Äusserung zu Veer damals übrigens so rüber, als würde ich gerne öfter bei Veer auf der Homepage vorbeischauen … quasi als Surftipp! Klar, so geht’s natürlich auch … :|

hans schumacher

Dear Thomas, auf diesen Artikel wollt ich auch gerne etwas schreiben, nun ist es glatt ein paar Monate später geworden … und ich weiss gar nicht, ob du hier noch mitliest ;-) erst mal lässt der Herr von veer ganz schön die Muskeln spielen, »… um das volle Potential auszuschöpfen … bedarf es eines echten Profis« um Publikum und Semi-Profis erst mal mitzuteilen, wo der Hammer hängt. Persönlich finde ich es eher schwierig, je höher die Latte gehängt wird, auch im technologischen Falle … überhaupt einen emotionalen Bezug zu entwickeln; vielleicht fällt einem die Kinnlade runter bei all den Registern, die gezogen werden, dennoch lässt einen das Ergebnis eigentümlich kalt. Vielleicht liegts am ästhetischen Gehalt, wie von dir beschrieben.

Etwas mehr Marshall McLuhan hätte dem Artikel vielleicht gutgetan, bzw. ist das hier ein schönes Beispiel für »the medium is the massage« (Massage, ein Druckfehler, statt Message, McLuhan fand das gut und liess das so, wie mir wikipedia sagt) – ferner geht es auch dahin klarzustellen, dass eine neue Technologie, die die soziale Bühne betritt, Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, die sie verwendet (McLuhan hat das mit dem Beispiel einer Glühbirne illustriert, die allein durch ihre Anwesenheit eine neue soziale Umgebung schafft … aktueller ist vielleicht »they got weapons of mass destruction« … allein die Vermutung der Existenz einer Technologie kann im sozialen Raum als Argumentationsgrundlage dienen, zb einen Krieg anzufangen.)

Das Schriftkunst und Technologie auf enge Art miteinander verknüpft sind, ist schon eine richtige Aussage – Gutenberg wird glaube ich nachgesagt, die Grundlagen für die industrielle Revolution gelegt zu haben (Matrize, Patrize) … mir fällt eigentlich beim Thema Technologie nochmal McLuhan ein, der glaube ich mal bemerkt hat: wir haben die Fähigkeit eine Konservendose ins Weltall zu projizieren, aber immer noch die grössten Schwierigkeiten, einen einzigen menschlichen Zusammenhang näher zu beleuchten, ganz davon abgesehen »an die Grenzen zu gehen«

Ps: muss mir mal die McLuhan-Hauptwerke besorgen; ich hab nichts wirklich medientheoretisches im Bücherschrank; sollten hier Spezialisten zugegen sein … grad beim letzten Satz bin ich mir nicht sicher, ob der Marshall das wirklich so gesagt, und wenn nicht, ist es wenigstens gut erfunden. greets.

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