TYPO Berlin, Tag 1, 18 Uhr: Florian Kaps / Das unmögliche Sofortbild

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»Ist das ein Retro-Hype? Cooles Art-Projekt? Nein, die Sehnsucht nach dem Echten.«

Florian Kaps ist Doktor der Naturwissenschaften, von Neugier getrieben und antizyklisch veranlagt – alle gehen digital, er geht analog. Er ist fasziniert von Material und war lange für die Lomographische Gesellschaft tätig war, wo er in die analoge Fotografie eingeführt wurde. 2005 stolperte er auf einem Flohmarkt über seine erste Polaroid-Kamera, verliebte sich in diese und beschloss, sich künftig ausschließlich der analogen Sofortbildfotografie zu widmen. 2008 rettete er die letzte Polaroid-Fabrik, um auch im 21. Jahrhundert neue Filme für alte Polaroid-Kameras herzustellen.

Wie es soweit kommen konnte, berichtete Florian Kaps heute in der TYPO Hall.

Ein paar Hintergründe im Überblick:

1946: Gründung von Polaroid durch Edwin Land (Erfinder und Visionär), Schwerpunkt: Sonnenbrillen

Bereits 1947: Erste Sofortbildkamera, schwieriges System

1972: Integral Instant Film + SX70 Kamera, berühmter weißer Rahmen. »Deppensicher«, kam mit Chemikalie nicht mehr in Berührung, Revolution

1973: Ständige Weiterentwicklung: »Innovation ist immer schwierig.«

2005: Digitale Revolution ist nicht mehr aufzuhalten. Wie soll man als Lomograf mit dieser Bedrohung umgehen? Wie sieht die Gegenseite aus? Das analogste Material?

Diese Fragen beschäftigten Florian Kaps so sehr, dass er schließlich seinen Job kündigte und sich dem Sofortbild widmete. Das Sofortbild war zu dieser zeit überall allgegenwärtig (z.B. in Kampagnen von adidas Originals) und Vinylschallplatten waren auch nicht tot zu kriegen. Es stellte sich die Frage: Gibt es eine Chance für das Sofortbild?

Es gab keine Filme, keine Kommunikation, niemand hat sich um das Produkt gekümmert. So ermöglichte Polaroid ihm, selbst Händler zu werden. Der Haken: Eine erste Bestellung in Höhe von 180.000 Euro, um zu zeigen, dass er es ernst meint. Sofort geliefert, Keine Ahnung von Vertrieb. 

2005–2008: Es wurde Zeit, seriös zu werden und so widmete man sich der Marktforschung. Wer sind Kunden? Wer wird Neukunde? Es handelt sich um leidenschaftliche, junge Menschen, die Interesse an einem multi-sensorischen Produkt haben.

2008: Innovation
Sofortbildfotografie ist real. Einzigartig. Teuer. Analog. Man macht sich Gedanken, bevor man abdrückt. Sie Riecht. Gehört einem selbst und ist Teil des Moments, wenn es passiert.

2008: The End: Schließung des Polaroid-Werks in den Niederlanden. Polaroid Closing Event, Polaroid Produktionsleiter kennengelernt. Möglichkeit, neue Rezeptur zu entwickeln. Fabrik wurde geschlossen, weil über 24 Millionen Filme verkauft wurden und Neuproduktion wegen schwieriger Umweltauflagen nicht mehr so einfach möglich war. 1 Jahr Zeit, beste Leute, 50%ige Chance, Produkt neu zu finden. 

Ende 2008: Steuerhinterziehung des Polaroid-Vorstands: Für 180.000 Euro kauft Florian die Fabrik.

2009: Erste Versuche, neue Filme herzustellen.

2010: Erste Impossible Filme – experimentelles Material, erster Farbfilm zeigte nur Blautöne

2011: Erster, richtiger Farbfilm

2012: Neuer Farbfilm, braucht etwa 30 Min. zu entwickeln

2013: Ziel 1.000.000 Filmverkauf knack – break Even

Was bringt die Zukunft?
– The Impossible Instant Lab – Sofortbilder vom iPhone
– Große Polaroid-Filme
– Eine eigene Kamera.
– Workshops 

Wir wünschen viel Erfolg!
Übrigens: Einige Vorträge werden live gestreamt! Hier geht’s zum Live-Stream der TYPO Berlin. 

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