TYPO Berlin, Tag 2, 18 Uhr: Kate Moross / Es gibt keine Mauern

in

Sie wird sicher als eine der Beliebtesten aus dieser TYPO hervorgehen, was ihr selbst fast etwas unheimlich vorkommen wird, denn sie macht einfach nur das, was sie will, was ihr Spaß macht.

Kate Moross, 27, Designerin – Achtung, sie selbst will genau diese Bezeichnung, sie will nicht nur Illustratorin sein, sie fragt sich sowieso, warum alles so genau festgelegt sein muss? Grenzen und Mauern sind überflüssig. Das, was man noch nicht kann, aber gerne machen möchte, kann man doch lernen! Sie hat ein Studio in London, liebt Musik über alles, würde sicher in einer Band spielen, wäre sie Musikerin, so aber macht sie mit Leidenschaft Musikvideos, Artworks für CDs, Plakate, alles was Musiker und Bands brauchen. Sie liebt es, Musik zu hören und sie zu visualisieren.

Ihr Lebensgefühl ist Punk. Mit ein bisschen Commercial, sie ist Spice-Girls-geprägt. Punk ist aufregend, das Unangepasste, das Improvisierte ist ihr Ding. Schnelle Ideen haben und umsetzen, »Simple is great«, darauf schwört sie. Unglaublich stark: sie hat immer eine klare Idee und zieht diese durch. Ohne sich ablenken zu lassen, ohne Drumherum. Ein Konzept entwickeln? Ja klar, die Idee ist das Konzept. 

Sie erzählt uns von ihrer Arbeit. Sie will zum Beispiel für ein Musikvideo mit einem Fotografen zusammenarbeiten. Der wundert sich, er ist doch kein Videofilmer? Ihre Antwort ist, such dir einfach die perfekte Einstellung, dann drückst du den Record-Button, fertig. Sie zeigt uns das Ergebnis: Wir blicken in Räume, sehr geometrisch und plötzlich geht Licht an, ein Kronleuchter flackert, Licht in den Fenstern. Sehr poetisch.

Oder das Video, bei dem das Briefing hieß, wir wollen Landschaft, eine weite Gletscherlandschaft, roh, unberührt. Das Budget ist viel zu eng für einen komplexen Dreh, also nimmt sie ein Mikroskop und filmt Sequenzen mit Wasser, Farbe, sonst nichts. Der Rest ist Rhythmus.

Oder bei der Zugabe – sie spielt ein Musikvideo, was sie vorher aus Zeitgründen übersprungen hat – bei dieser Musik hatte sie das Bild von Insekten vor Augen, also sehen wir eine Raupe in schrillen Farben sich heranbiegen, übergroße Käfer, Fühler, und wieder Raupen, wunderbar ästhetisch, gar nicht abschreckend.

Oder die Videos für Jessie Ware. Einmal zeigt sie Silhouetten und viel Farbe. Ein anderes Video arbeitet nur mit ganz leichten Drehungen und Neigungen des Kopfs. Faszinierend.


 

 

Post new comment

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns über Deine konstruktive Meinung und behalten uns vor, gehaltlose, persönlich verletzende und themenfremde Kommentare zu löschen.

Wenn Du nicht angemeldet bist, wird Dein Kommentar von der Redaktion zuerst geprüft und dann freigeschaltet.

By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.

Verwandter Artikel

Werbe(r)sprache

Ein kleines Lexikon

Nicht ganz neu, aber immer noch gut ist dieser Blogeintrag. Zwei Beispiele aus dem Lexikon über die ich lachen ...

in , 3 comments

Nächster Artikel

TYPO Berlin, Tag 2, 16 Uhr: Elizaveta Kirilina, Svetlana Yakovleva, Eugeny Malyshev, Daniil Bolshov

Junge russische Designer

Im Ausland verbindet man russische Gestaltung mit Kunst und Tradition: Rodtschenko, Lissitzky, Tatlin, Malewitsch. ...

in

Vorheriger Artikel

TYPO Berlin, Tag 2, 19 Uhr: Ashley John Pigford und Tricia Treacy

Vista Sans Wood Type Project

Tricia Treacy betreibt ein eigenes Atelier für Design und Druck. Seit 2000 ist ihr Pointed Press Studio in ...

in