TYPO Berlin, Tag 3, 18 Uhr: Henrik Kubel / Aktuelles Schriftendesign aus London

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Henrik Kubel ist urspünglich aus Kopenhagen und in den Neunzigern nach London gegangen. Dort betreibt er zusammen mit Scott Williams das Designstudio A2. Alessio Leonardi ist in seiner Einführung völlig begeistert von deren Arbeitsweise, zu jedem Auftrag eine neue Schrift zu entwickeln. 

Henrik ist ein Arbeitstier, er arbeitet ununterbrochen, man denkt sich, ok, ist seine eigene Entscheidung. Er ist einfach jemand, der so leidenschaftlich und intensiv an seinen Projekten arbeitet, dass er sich wahrscheinlich langweilt, wenn er gezwungen ist, etwas anderes zu machen. Freizeit zum Beispiel. 

Er stellt aktuelle Projekte vor. Das Design Museum London zieht um in ein neues Gebäude, also will es vorher eine Ausstellung mit so vielen Objekten wie möglich aus der Sammlung zeigen. Die Ausstellung heißt »Extraordinary storys about ordinary things«, dafür entwickelt Henrik das Logo und Leitsystem, ist zwar ein wenig unzufrieden mit dem wenigen Raum, den die Architektin ihm zugesteht, und dass er so viele Kompromisse schließen muss. Ist dann aber doch sehr begeistert von der Materialität und Umsetzung, alle Buchstaben entstanden per Lasergravur in Holz.

Mit dem New Rail Alphabet gründet er 2010 A2 Type. Das ist die erste Schrift, die er auch verkauft, alle anderen bisher sind projektgebunden. Die Schrift Regular ist seine erste geometrische Serifenlose. Diese Schrift verwendet er unter anderem beim Redesign des Magazins Aperture, ein Magazin über Kunst und Fotografie, das im Jahr 1952 gegründet wurde und 4 x im Jahr erscheint. Was selten passiert, A2 hat den Auftrag gewonnen, weil sie den mutigsten und weitesten Schritt im Entwurf gewagt haben, alles wurde neu: von der Schrift, dem Format, Struktur bis hin zum Editor und einer neuen Vision. Bei der Umsetzung wurde ihm dann auch ein bisschen bang, es ist doch eine große Verantwortung, wenn man 20.000 Abonnenten etwas komplett neues anbietet, aber natürlich nicht will, dass diese vom Abo zurücktreten. Henrik hat keine Zahlen genannt, aber sagte, sie hätten tolle Reaktionen der Abonnenten erhalten. Das erste Magazin hatte zum Thema: New Photography, das zweite ist vor 2 Wochen erschienen zum Thema Curiosity und an Nummer 3 zum Thema Play arbeiten sie gerade.

Zum Schluss geht er dann noch auf die New Transport ein, die er als Adaption bezeichnet und dafür direkt mit Margaret Calvert zusammenarbeitet, die diese Schrift früher entwickelt hatte. Sie wird im Oktober fertig sein, aber um Henrik zu zitieren: »Lasst uns vorab die Schrift ein wenig zelebrieren«.

 

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