Tÿpo St.Gallen 2015 / Impressionen

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Unter dem Thema »Tempo« fand letzte Woche die dritte Ausgabe der Tÿpo St.Gallen statt. Vom 18. bis 20. September fanden sich erstklassige Gestalter in der Schule für Gestaltung St. Gallen ein um über den Bezug von Zeit, bzw. Geschwindigkeit und Design zu referieren.

Heute hat man den Eindruck das Tempo steigert sich immer weiter. Durch das Internet sind Informationen immer unmittelbar greifbar, Arbeitsprozesse werden automatisiert, man hat den Eindruckt, wer mit dem technischen Fortschritt nicht Schritt halten kann, wird zurückgelassen. Im Feld des Designs ist diese Entwicklung besonders zu spüren, schließlich wird von Gestaltern erwartet »up to date« zu sein um für Kunden zeitgemäße Gestaltung erstellen zu können.

Die Referenten der Tÿpo St.Gallen stellten ihr Verständniss und ihre Erfahrung mit der Thematik dar. Dabei wurden alternative Wege vorgestellt, Techniken gezeigt, die einen zwingen in einem anderen Tempo zu arbeiten und auch Geschwindigkeit als Chance interpretiert. Folgende Sprecher nahmen sich die Zeit aus ihrer Praxis zu berichten: Bernd Kuchenbeiser (DE), Dafi Kühne (CH), Werner Jeker (CH), Hahn & Zimmermann (CH), Jost Hochuli (CH), François Chastanet (FR), Benji Wiedemann (GB), Thilo von Debschitz (DE), Boris Kochan (DE), Carvalho/Bernau (ES/DE), Rafael Koch (CH), Urs Hofer (CH), Gina Bucher (CH), Luc de Groot (NL).

Außer den Vorträgen gab es wieder Ausstellungen zu den schönsten schweizer und deutschen Büchern. Anlässlich der Buchvernissage der »Edition Ostschweiz 16«, zur Aufarbeitung Jan Tschicholds Faszikel, konnte man sich eine Ausstellung mit Originalen aus Tschicholds Sammlung ansehen. Im ersten Stockwerk der Schule stellte zudem die Fachklasse Grafik ihre Arbeiten aus.

Wie immer wurde die Tÿpo St. Gallen von den unterschiedlichen Fachklassen der Schule für Gestaltung St. Gallen gestaltet. Flyer und Grafiken gestaltete beispielsweise die Fachklasse Grafik, die wunderschöne Dekoration von Innen- und Außenräumen übernahm die Polydesigner/innen 3D und die Präsente für die Sprecher wurde von den Steinbildhauern in Schokolade gegossen.

Sonntags gab es für die Teilnehmer Konferenz noch eine Führung durch das Sitterwerk St. Gallen. Dabei wurde die einzigartige Kunst- und Werkstoffbibliothek vorgestellt, die durch ihr »dynamisches Ordnungssystem« eine ganz individuelle Recherche zulässt. Man erhielt Einblick in die unterschielichen Kunstateliers und die Kunstgießerei, die sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Außerdem wurde das Kesselhaus Josephsohn vorgestellt, mit Gipsmodellen und Bronzen des Zürcher Bildhauers, der lange Zeit beharrlich und »an der Zeit vorbei« seine Kunst im Sitterwerk produzierte.

Die Tÿpo St. Gallen war durchweg eine gelungene Konferenz, es hat sich absolut gelohnt dafür in die Schweiz zu reisen. Die Vorträge glänzten mit Aktualität, die Buchvernissage mit historischer Relevanz, die Gestaltung zeugte von Liebe zum Detail und die Führung durch das Sitterwerk war einfach inspirierend. Danke den Veranstaltern für diese wunderbare Konferenz! Für alle, die nicht kommen konnten, haben wir ein paar Fotos mitgebracht.

www.typo-stgallen.ch

Begrüßung durch die Gastgeber

Vorstellung der Mondaine Helvetica Uhr, die speziell für die Konferenz gestaltet wurde und von der auch drei Exemplare verlost wurden

Bernd Kuchenbeiser (DE), Gestalter und Autor, liebt Bücher und zeigt sie auf agoodbook.de. Sein Vortrag »Hat Zeit/kann dauern« zeigte wann man einem Buch Zeit lassen muss und was Design mit Musik zu tun hat.

Dafi Kühne (CH), Plakatgestalter und Buchdrucker in Zürich und Glarus, nimmt neben der Gestaltung auch die Produktion all seiner Projekte in eigene Hand. In seinem Vortrag »Downtempo – Analoge Gestaltung und Buchdruck« zeigte er, wie diese Technik zu einem anderen Zeit- und Arbeitsaufwand führt.

Werner Jeker (CH), Ausstellungs-, Plakat- und Buchgestalter, Atelier du Nord Lausanne. Er berichtete wie sich das Tempo in seiner Gestaltungspraxis seit den 60er Jahren verändert hat und was ihn an seinem Beruf fasziniert.

Hahn und Zimmermann (CH), Kommunikationsdesign, Informationsgrafik und Designforschung. Die beiden Gestalterinnen wiesen in »Informationsgrafik: Komplexität vs. Tempo« auf, wie das eine mit dem anderen zusammen hängt. Außerdem präsentierten sie selbst initiierte, freie Projekte, die sie schon seit langer Zeit verfolgen.

»Tschicholds Faszikel«, Buchvernissage der »Edition Ostschweiz 16«

Dank an Tschicholds Frau für die Schenkung des Nachlasses an das St. Galler Zentrum für das Buch.

Jost Hochuli über die Aufarbeitung der Faszikel Jan Tschicholds und deren Bedeutung.

François Chastanet (FR), Architekt, Grafikdesigner und Letterer, unterrichtet Grafikdesign und Typografie am Institut Supérieur des Arts de Toulouse / isdaT. Er stellte seine Auseinandersetzung mit der Tradition mit der chinesischen Straßen Kalligrafie (Dishu) vor. Seine Adaption, das Latin-Dishu, vermittelt auf ganz eigene Weise Kalligrafie Fähigkeiten und Vergänglichkeit.

Benji Wiedemann (GB), Brand Creation und Innovation für Kunst, Kultur und Commerz. Er analysierte anhand seines Lebenslaufes und seiner Projekte, was für ihn das richtige Tempo ist.

Thilo von Debschitz (DE), Designer und dank zweier Zufälle Autor des Buches »Fritz Kahn – Die wunderbare Welt des Dr. Fritz Kahn – eine Zeitreise«.

Ausstellung der schönsten schweizer Bücher und der schönsten deutschen Bücher.

Ausstellung »Tschicholds Faszikel«

Boris Kochan (DE), Unternehmensgestalter wie Unternehmer, Büchermacher wie Hersteller, TGM-Rakete, Chairman von 2015.granshan.com. Er beschäftigte sich in seinem Vortrag mit Zeit und näherte sich diesem Thema durch das Buch »Momo« und seinen eigenen Projekte.

Die Juroren des diesjährigen Granshan Wettbewerbs.

Carvalho/Bernau (ES/DE), We like typefaces / whisky sour so much we sometimes make them. Seine Präsentation mit dem Titel »Slow – Fast – Slow« zeigte unter anderem wann die Zeit für eine Schrift gekommen ist, wie man sich selbst aus einem Projekt herausrationalisiert.

Latin-Dishu zum selbst ausprobieren.

Fahrt zum Sitterwerk St. Gallen und Führung durch Kunstbibliothek, Werkstoffarchiv, Kunstgießerei, Atelierhäuser und das Kesselhaus Josephsohn.

Die dynamische Ordnung der Kunstbibliothek lässt es zu, dass man Bücher nach eigenem Ermessen sortiert. Jeden Abend fährt ein Lesegerät die Regale ab und stellt die Position jedes Buches fest.

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