TYPO Tag 1, 19 Uhr, George Zisiadis / Gestalten aus Freude

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Deutsch kann seltsam spröde klingen. George Zisiadis Vortrag „Gestalten aus Freude“ ist nicht so trocken wie der Titel klingt, es geht es um fun, joy, being happy, being touched. Gefühle und Nähe. Er sorgt tatsächlich für strahlende Gesichter, weil er mit seinen Ideen die Menschen überrascht, das Kind in ihnen weckt, das voller Abenteuerlust die Welt um sich herum entdeckt. Er rüttelt auf und macht wach, und sagt, nehmt eure Ideen ernst, egal wie absurd sie zu sein scheinen.

Sein eigenes Erweckungserlebnis hatte er bei der Installation „The Gates“ im Central Park in New York City von Christo und Jeanne-Claude. Plötzlich steht er an einem Grau-in-Grau Wintertag vor diesen leuchtend orangefarbenen Toren, die sich über viele Kilometer erstrecken. Er nennt es seinen „magical winter day“, wird sofort innerlich aktiviert und nimmt seine Umgebung plötzlich viel intensiver wahr, als wäre er in einer anderen Welt. 

Diese euphorisierenden Aufrüttelmomente wünscht er jedem von uns und will mit seiner Kunst genau dafür sorgen. Alltägliches Besonders machen. Seine Wohnung zum Beispiel kam ihm langweilig und leer vor, also füllte er sie bis zur Decke mit Luftballons, legte Musik auf und lud Freunde ein. Daraus entstand eine Balloon Dancing Party mit 2000 Menschen, jeder war neugierig und gespannt und kam glücklich wieder heraus. 

Oder auch beim Projekt Pulse of the City, bei dem der eigene Herzschlag in Musik umgewandelt wird. Beim Listening Tree hängen Kopfhörer vom Baum, in denen unterschiedliche Musik läuft, jeder geht von Kopfhörer zu Kopfhörer und lauscht gespannt. Besonders schön vor allem im Dunkeln mit den vielen Lichterketten, die vom Baum hängen.

Und er erzählt uns von seinen Serviettenskizzen. Jeder kennt das, man will mit einer Zeichnung beginnen und fängt an sich im Detail zu verlieren, kritisch und unzufrieden mit dem Ergebnis. Irgendwann hatte er mal eine Projektidee unter der Dusche, wollte sie festhalten und kritzelte eine ziemlich unperfekte Skizze auf eine Serviette. Aber genau das ist es, weil die Serviette so fragil ist, beschränkt man sich aufs Wesentliche. Das ist sein Weg seine Ideen zu Papier zu bringen. Einfach loslegen, nicht zu viel nachdenken.

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