TYPO Berlin Tag 1: Andreas Uebele, 19 Uhr / die ***igkeit (typografie, ein spiel)

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Gleich mein erster Vortrag auf der TYPO eine Herausforderung: Schwäbisch. Er lebt gern in Stuttgart, er mag Stuttgart, sagt Andreas Uebele, und man hört es, denkt das Publikum und lacht. Also Ohren gespitzt, da ist einer der gegen den Strom schwimmt, aber auf sehr lockere entspannte Art. So auch sein Ansatz zum übergeordneten Thema Nachhaltigkeit: Er mag übergeordnete Themen nicht. Und überhaupt, was hat Design mit Nachhaltigkeit zu tun? Man macht ein paar Plakate, die sowieso schnell wieder abgerissen werden, und die Druckerfarbe ist auch noch giftig, nee, also zu Nachhaltigkeit sei ihm wirklich nichts eingefallen, sagt er. Hervorragend, denken sich die Veranstalter.

Und so geht es lustig weiter im Text, er zeigt in hohem Tempo viele schöne Arbeiten, jede Menge Bilder, gerade beim Logo für den Deutschen Bundestag waren es 250 Versionen des Adlers? Oder hat er geschummelt und es waren nur 150? Was für ein Abstimmungsprozess! Und was sagt Uebele? Alles nur Handwerk, das kann jeder. Und wenn man genau hinschaut sieht man, dass der Schwung einer Linie den Ausdruck im Blick des Adlers bestimmt: hoheitlich souverän, bitte, aber nicht von oben herab. Ohja, man bekommt Angst, wenn man darüber nachdenkt, wie lange das Projekt gedauert haben könnte.

Uebele erzählt herrliche Geschichten, im Publikum ein ständiges Gekicher. In dieser Leichtigkeit kann man seine Projekte also auch präsentieren, toll!

Während andere sicherlich von Intuition, Inspiration und Ideen sprechen, sagt Andreas Uebele: Ach, bei diesem Projekt sei ihm nichts eingefallen, da hat er einfach mal ein paar Buchstaben übereinandergelegt, das sieht immer gut aus. Oder: Ein Weg zum Design geht über den Kontext, da wäre ihm aber auch nichts eingefallen, also nahm er den anderen über das Design selbst, er wollte schon immermal schöne bunte Schilder machen (Messe Stuttgart) oder große Buchstaben von der Decke hängen lassen (Mensa Tübingen) oder mal ein Leitsystem an der Decke platzieren (Fachhochschule Osnabrück).

Und dann fiel ihm doch noch etwas zu Nachhaltigkeit ein: Sein ältestes Projekt, das Leitsystem in einer Schule, gibt es noch, das ist da schon seit 12 Jahren.

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