TYPO Tag 3, 15 Uhr – Jonathan Barnbrook / Design und Politik

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Nach der Mittagspause fand in der Hall ein gehaltvolles Interview mit Jonathan Barnbrook über Design und Politik statt. Barnbrook, geboren 1966 in England, ist britischer Grafikdesigner und Filmemacher. Seit 2002 für das Album Heathen bis hin zu seinem letzten Album Blackstar gestaltet er für David Bowie Plattencover. Jedes Cover bekommt eine eigens entworfene Schrift. Um ein gutes Albumcover zu gestalten müsse man an den Künstler glauben. Bowies Werk hatte einen großen Einfluss auf ihn.


Zu seinem Weg als Graphic Designer führten ihn Musicartworks für John Foxx, Tuxedomoon und Cult With No Name. Als Schriftengestalter entwarf er Schriften wie die Bastard, Exocet, False Idol, Infidel, Moron, Newspeak, Olympukes, Sarcastic, Shock & Awe.

Ob er daran glaube dass er mit seiner Arbeit die Gesellschaft beeinflussen kann? Grafikdesign kann den Wandel der Gesellschaft aufzeigen, wie die Punkbewegung gezeigt hat. Sprache sei immer politisch und Typografie sei Werkzeug der Sprache. Schriften können sehr wohl mißbraucht werden, dagegen könne er nichts machen, antwortet er. Die Entwicklung der Schrift könne man mit der Entwicklung der elektrischen Gitarre vergleichen. Durch die Technik sind soviele neue Wege entstanden, wodurch die Schrift der Poesie der Sprache besser gerecht werden kann.
Die Gesellschaft funktioniere sehr komplex und Grafikdesign sei Teil dieses Prozesses, wie sich an Protestbannern zeigen lässt. Proteste verändern die Welt und somit könne Grafikdesign als Werkzeug zur Veränderungen beitragen. So kann jeder Grafiker entscheiden, für welchen Kunden man arbeitet und bei wem man nein sagt. Seine erste politische Arbeit gestaltete er am Anfang seines Studiums. Dabei hat er gelernt, dass er nicht alles produzieren kann, was von ihm erwartet wird.  
Auf die Frage ob er mit seiner Manson Schrift die Leute schocken und somit einen kommerziellen Erfolg erzielen wollte, antwortet er, dass er im Heute lebt und die Vergangenheit natürlich in seiner Arbeit reflektiert. Emigre musste den Namen der Schrift in Mason ändern, da es soviele kontroverse Reaktionen darauf gab.
Im Interview kam auch seine Olympukes Type Sample Arbeit zur Rede. Dies ist eine Serie von Icons, welche er im Jahr 2004 aus Frustration über die Piktogramme für die Olympischen Spiele in der Vergangenheit entworfen hat. Diese funktionieren nur in der westlichen weissen Mittelklasse und basieren auf Klischees und Vorurteilen, betont er.
Das Plakat, welches die Strukturen der Buschpolitik visualisiert, ist eine ältere Arbeit, die er dem Typopublikum präsentiert.  
Für Occupy London entwarf er kostenlos das Logo.
 

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