Typorama, Philippe Apeloig, Graphic design

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Vor einiger Zeit schon haben wir die Ausstellung “Typorama, Philippe Apeloig, Graphic Design” angekündigt, die ab 21. November 2013 bis einschl. 30. März 2014 30 Jahre Kunstschaffen des französischen Grafikdesigners Philippe Apeloig im Les Arts Décoratifs, Paris, präsentiert. Im Rahmen der Ausstellung wird u.a. auch die Apeloig Type Library vorgestellt, die kürzlich bei Nouvelle Noire veröffentlicht wurde.

 

Nun ist dazu die Publikation Typorama erschienen, die weitaus mehr als einen klassischen Ausstellungskatalog darstellt. Tino Grass, der die Publikation konzipiert hat, schreibt dazu im Vorwort Folgendes:

philippe apeloig habe ich 2006 zu den vorbereitungen zum »22. forum typografie« in düsseldorf kennengelernt. auf der dreitägigen konferenz sprachen viele prägende typografen und schriftengestalter über den entwurf und den umgang mit schrift. im anschluss an den kongress entstand in enger zusammenarbeit mit den beteiligten das buch »schriftgestalten – über schrift und gestaltung« (verlag niggli, 2008), ein abriss aktueller schriftkultur. bei einem meiner besuche in paris zur korrektur seines kapitels fragte er mich, ob ich nicht nach paris kommen wolle, um ein buch über seine arbeiten zu machen.

ich war skeptisch, da ich kein großer freund von monografien bin, die aus einem sammelsurium von grafischen arbeiten bestehen, ohne wirklichen mehrwert. ich änderte meine meinung schnell als philippe mir die skizzen und entwürfe zu seinen projekten zeigte, die es seit den 1980er jahren fast vollständig aufbewahrt hatte. ich war beeindruckt von der vielfalt dieser skizzen und  schlug ihm ein buch über designprozese vor, die die thematik anhand seiner arbeiten aufarbeitet und verdeutlicht. 

 

2007 kam ich über köln nach paris, mein »französisch« gab es nicht und mein »englisch« war sehr bescheiden, eigentlich gab es auch das nicht. als erstes verschaffte ich mir einen überblick über philippes arbeiten. es war nicht ganz leicht, auch hinsichtlich der nicht herrschenden ordung. es brauchte ein jahr, um mir klar zu machen, was in den letzten 30 jahren entstanden ist und was inhaltlich für ein buch in frage kommt. eine auswahl, die seine arbeit zudem authentisch vermittelt. bis dahin war ich eigentlich ein archivar und designtheoretiker, weniger ein grafiker, der grade von der hochschule kahm und gestalten wollte. 

in 2008 organisierten wir eine plakat-ausstellung in der espace topographie de l’art, einen galerie im pariser marais. die entwicklung der ausstellung in puncto konzeption und ausstellungssystem ging recht schnell, philippes plakate zu finden war eine andere geschichte – und ich meine nicht die auswahl, sondern das eigentliche finden. zwei leute brauchten einen gefühlten monat, um die plakate aus unzähligen rollen und planschränken herauszusuchen. um das in zukunft zu vermeiden, erweiterte ich mein bis dato erstelltes archivierungssystem um einen »easy access archiv«. alle plakate, skizzen, bücher, drucksachen und presseartikel waren nun für alle schnell und einfach zu finden. das ganze konzept und system wurde auch auf die digitalen daten und server übertragen. heute ist das handling und arbeiten mit daten im studio apeloig ein automatischer reflex. die plakate für eine ausstellung, die ein paar monate später an der université du québec in montreal statt fand, waren an einem tag gefunden und verschickt.

 

das nun veröffentlichte buch zeigt eine auswahl der wichtigsten arbeiten. informative texte, inspirationen und entwurfsskizzen erklären die projekte und ihre entstehung. der erste teil des buches ist in thematische kapitel strukturiert, zeigt und beschreibt die realisierten arbeiten mit informationen zu auftraggebern, gestaltungsparametern und deren konzeption. dieser interagiert mit dem zweiten teil des buches, in dem anhand von zeichnungen, photographien, ausdrucken, fotokopien, collagen und digitalen abbildungen die entwürfe zu den arbeiten des ersten teils in chronologischer reihenfolge aufgeführt sind, beginnend mit dem letzten bis hin zum ersten projekt in den 1980ern. beim betrachten der skizzen lassen sich viele zusammenhänge erkennen. nicht nur die irrwege und das verwerfen von ideen, oder die detaillierte grafischen ausarbeitungen eines gestalters, sondern auch die veränderung der arbeitsweise durch neuen technologien und den digitalen wandel. in zwei essays, von ellen lupton und alice morgaine, werden die entwicklungen und auch einblicke in das gestalterische schaffen philippe apeloigs näher beschrieben. 

trotzt der persönlichen unterschiede in vielerlei hinsicht, entwickelte sich zwischen uns eine gute und ergänzende zusammenarbeit. konfrontationen, oder auch konflikte, waren immer ein anreizt zu noch mehr dialog und austausch. als gestalter mit einen etablierten gestalter konfrontiert zu sein, dessen arbeit zu analysieren und zu begreifen, einzuordnen und durch seine eigene zu reflektieren, ist eine nicht ganz einfache aufgabe. »typorama – the graphic work of philippe apeloig« zeigt aber mehr als nur ein grafisches werk. es verdeutlicht gestaltungsprozesse wie die von erscheinungsbildern, plakaten, büchern oder animationen, die entstehung von projekten, den umgang mit auftraggebern und das ziel einer bestmöglichen umsetzung – was es aber auch zeigt ist der weg, den eine gestalter gehen muss, um seine vorstellungen und ideen zu verwirklichen, die ihn stark und gleichzeitig angreifbar machen. selbst wenn man das ziel kennt, ist es eine herausforderung den weg finden – und meistens sind es dann die umwege, die einen weiter nach vorne bringen – durch verlaufen an sein ziel kommen, ohne die orientierung zu verlieren.

philippe danke ich für sein vertrauen, ohne seine unterstützung wäre das buch nicht wie es ist. dank gilt anna brugger und yannick james aus dem studio apeloig für hilfe und kritik. andreas körner und seinem stuttgarter team für die photografische arbeit, marcel meesters und gundula seraphin für die drucktechnische umsetzung. dem musée des arts décoratifs, insbesondere chloé demey für die verlegerische arbeit. auch sei all denen gedankt, die bei der realisierung mit ihrem wissen, ihrer energie, engagement und tatkräftigen unterstützung geholfen haben.

das buch war ausgangpunkt für die aussellung »typorama«, die am 21. november im pariser musée des arts décoratifs eröffnet wird. parallel veröffentlicht die zürcher schriftenschmiede nouvelle noire die »apeloig type library«, eine zusammenstellung von zehn Schriften, die von philippe apeloig entworfen und von den schriftgestaltern clovis vallois und anton studer minutiös ausgearbeitet wurden. 

Typorama, Philippe Apeloig, graphic design

Edited by: Tino Grass mit Essays von Ellen Lupton und Alice Morgaine
Gestaltung & Konzeption: Tino Grass mit Unterstützung von Anna Brugger (Studio Apeloig)
Cover: Philippe Apeloig
Verlag: Thames & Hudson (engl.) / Éditions Les Arts Décoratifs (franz.)
Veröffentlichung: November 2013
Unterstützt durch: the Voies Navigables de France (VNF) und Barki Agency

Umfang: 384 Seiten
Format: 30 x 24,5 cm
Sprache: Englisch / Französisch
Ausführung: Hardcover mit Leinen
ISBN (englische Ausgabe): 978-0500517222
ISBN (französische Ausgabe): 978-2916914435
Preis: 48 GBP / 55,30 Euro (amazon.de)

 

Zum Schluss ein paar Eindrücke aus dem Archiv des Studios Apeloig ...

 

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