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Views On Vegas – A Journey Beyond the Famous Strip

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Las Vegas, die schillernde Metropole inmitten der Mohave-Wüste, ist vor allem für ihre Maßlosigkeit bekannt. Obwohl der berühmte Strip nur sieben Kilometer der Stadt ausmacht, ist das öffentliche Bild vorrangig durch Themen wie Glücksspiel, spontane Hochzeiten und exzessive Partys geprägt. 

In ihrem Buch »Views On Vegas« zeigen die Fotografen Daniel Rettig und Hendrik Schneider ein Portrait der Stadt abseits gängiger Klischees. Dafür porträtierten sie Bewohner der Metropole in ihrem privaten oder beruflichen Umfeld und sprachen mit ihnen über das Verhältnis zu ihrem vermeintlich außergewöhnlichen Wohnort. 

Ergänzende Stadtansichten nehmen mit auf eine Entdeckungsreise abseits des Strips und zeigen Aufnahmen von fast malerischer Ruhe, die bewusst mit den üblichen Erwartungen brechen. Die Kombination aus Fotografien und Interviews ermöglicht ungewohnte und sehr persönliche Einblicke. »Views On Vegas« ist eine Momentaufnahme einer Stadt im permanenten Wandel – ein Buch für alle, die einen Blick hinter die Neonfassade werfen wollen!

Wir haben Daniel Rettig und Hendrik Schneider ein paar Fragen gestellt:

Warum Las Vegas?

Die erste Version von »Views On Vegas« entstand als unsere gemeinsame Bachelorarbeit an der Hochschule Mainz. Las Vegas faszinierte uns als Stadt der Extreme – eine Stadt mitten in der Wüste, scheinbar einzig gebaut für den Exzess. Uns reizte die Herausforderung, eine Stadt, die durch ihre Medienpräsenz scheinbar allen bekannt ist, abseits des ausgetretenen Pfade zu erkunden und abzubilden. Gleichzeitig fragten wir uns, wer eigentlich die Menschen sind, für die Las Vegas kein Ausflugsziel, sondern Wohnort oder gar Heimat ist. Als sich für uns die Chance bot, günstig in einem leer stehenden Haus unterzukommen, buchten wir uns direkt unsere Flugtickets. Für unser Städteportrait verbrachten wir dann schließlich sieben Wochen vor Ort.


Was habt ihr während eures Trips über Las Vegas gelernt?

Las Vegas ist eine Stadt voller Kontraste. Das spiegelt sich nicht nur in der Architektur, der extremen Wettersituation und dem Umgang mit Ressourcen, sondern ebenso in den Menschen wider. Während auf dem hell erleuchteten Strip Leute beim Glücksspiel oder in Clubs ihr Geld verprassen, leben nur eine Parallelstraße entfernt Menschen auf der Straße. Glück und Unglück liegen sehr nah beieinander. Es ist eine Stadt des Scheiterns aber auch der Chance. Während manche Menschen eher unfreiwillig gestrandet sind, sind andere wiederum ganz bewusst nach Vegas gekommen, da ihnen die Stadt zahlreiche Möglichkeiten eröffnet, die sie anderswo nicht hätten. Im Umgang miteinander sind die Menschen zunächst etwas vorsichtiger – in dieser Stadt wird man gerne mal über den Tisch gezogen. Wenn dieses angelernte Misstrauen verfliegt, sind die Menschen aber umso herzlicher. Während unseres Aufenthaltes haben wir versucht einen möglichst guten Querschnitt durch die Gesellschaft abzubilden. Vom Polizisten bis zum Obdachlosen, von der Prostituierten bis zum Priester, haben wir die unterschiedlichsten Menschen zur Stadt Las Vegas befragt und porträtiert. Wir haben so tolle und sehr inspirierende Menschen kennengelernt und sind mit vielen auch immer noch in Kontakt. 


Was hat euch besonders beeindruckt?

Die Offenheit der Menschen, aber vor allem deren ungebrochener Optimismus. Als wir 2012 vor Ort waren, waren die Auswirkungen der Finanzkrise noch überall deutlich sichtbar und spürbar. Jeder Interviewpartner konnte dazu folglich seine eigene (Leidens-)Geschichte erzählen, und dennoch schaute jeder optimistisch in die Zukunft. Hier lässt man sich nur schwer unterkriegen – diese Steh-auf-Mentalität hat uns nachhaltig beeindruckt.

Las Vegas in einem Satz?

Diese Frage haben wir jeder der im Buch abgebildeten Personen gestellt und haben darauf sehr unterschiedliche Antworten bekommen. Nun sind wohl wir an der Reihe … Las Vegas, die alte Verführerin, mit ihrem ungesunden Hang zum Botox und den aufgeschlagenen Knien – nach wie vor ein All-American-Girl bei der Wild-West-Attitüde auf Kleinstadt-Charme trifft.

Views On Vegas – A Journey Beyond the Famous Strip

Fotografie und Gestaltung: Stick Up Studio (Daniel Rettig und Hendrik Schneider)
Umfang: 232 Seiten
Sprache: Englisch
Format: 22 × 24 cm
Ausführung: Hardcover, Fadenheftung, 112 Fotografien, 42 Interviews
Verlag: seltmann+söhne, Berlin
ISBN: 978-3-944721-36-1
Preis: 39,90 Euro 

 

 

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