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Von Kalligrafie bis Kfz-Kennzeichen: Schriftgestalter Karlgeorg Hoefer zum 100. Geburtstag / Von Ulrike Waltsgott

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Mit seinem Schriftdesign schaffte er es auf die Kfz-Kennzeichen von Deutschland bis Malta, Südafrika oder Sri Lanka. Heute wäre der deutsche Schriftdesigner und Kalligraf Karlgeorg Hoefer 100 Jahre alt geworden. Die fälschungserschwerende Schrift (FE-Schrift) auf deutschen Autokennzeichen ist vielleicht der prominenteste Teil seines Lebenswerks. Es umfasst jedoch weit mehr als dieses, zur Fälschungserschwernis bewusst unproportional und beinahe unförmig gehaltene Design. Vielleicht war es aber gerade dieser, ein Stück weit gegen die Natur eines Kalligrafen und Schriftdesigners verstoßende Anspruch, der Karlgeorg Hoefer an dem Projekt gefiel.

 

Am 6. Februar 1914 in Schlesisch-Drehnow geboren, führte ihn sein Weg über Lehrtätigkeiten in Offenbach am Main, Belgien, San Francisco und New York und immer wieder in das stille Kämmerlein an den eigenen Schreibtisch. Zu seinen populärsten Schriften, die heute in der Linotype-Schriftenbibliothek des Schriftenanbieters Monotype erhältlich sind, zählen die liturgisch anmutende Notre Dame und die beinahe an eine Handschrift erinnernde Omnia-Schriftfamilie. Beide entwarf er zu Beginn der Neunziger Jahre für die Linotype-Kollektion “Type before Gutenberg”, in deren Rahmen sich verschiedene Schriftdesigner an Schriften erinnerten, wie sie vor 1450 gebräuchlich waren.

 

Schwungvolle Pinselkalligrafie im ostasiatischen Schreibstil von Kg Hoefer. ca. 1987

Ostasiatischen Einflüssen folgend erprobte Hoefer die Verwendung des Spitzpinsels im lateinischen Schriftduktus, ohne sich dabei jedoch an die Formen der fernöstlichen Schreiber anzulehnen. Beginnend mit selbst angerührter Steintusche forschte er auf Japan-Papieren nach Darstellungslösungen, die dem gewohnten europäischen Schriftbild entsprachen. Bei seiner unaufhörlichen Suche nach neuen Schriftformen experimentierte er mit den unterschiedlichsten Werkzeugen, ließ sich von chinesischer Literatur und dem ZEN-Bereich inspirieren und folgte der Philosophie fernöstlicher Schreibmeister persönlich wie in seinem Unterricht. Der Enthusiasmus der Teilnehmer für seine Lehrtätigkeiten bei zahlreichen Kalligrafie-Kursen in den USA regten ihn schließlich 1987 zur Gründung der »Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach« an, die heute internationale Kalligrafie-Kurse veranstaltet.

 

ORA eT LABORA – Feine Filzstift Kalligrafie von KgH auf gewalzten farbigen Hintergrund. ca. 1990

Seine 1992 für Linotype entworfene Schrift Sho, die uns heute unter anderen als Logo der Band “The Chemical Brothers” begegnet, hatte er eigentlich »Charlie Chaplin« nennen wollen: Das C erinnerte ihn an den Kopf des im Boot dahintreibenden Chaplin. Aufgrund möglicher Konflikte mit den Erben Chaplins erhielt die fernöstlich anmutende Schrift mit den ausladenden Formen schließlich den Namen „Sho“. Die Liebe zum Detail, die seinen gestalterischen Entscheidungen eigen war, spiegelt sich auch in der 1952 für die Gebrüder Klingspor entworfenen lebhaften „Salto“ wider, die heute ebenfalls Teil der Linotype-Schriftenbibliothek ist. Gestaltet hat er sie mit seiner selbst erfundenen Schreibfeder »Brause 505«.

Die von Karlgeorg Hoefer entwickelte Feder »Brause 505«, mit der die Schrift Salto und Saltino 1953 geschrieben wurden.

 

Insgesamt gehen auf den Vater dreier Kinder 18 Schriften und hunderte Kunstwerke und Kalligrafien zurück, von denen zahlreiche Werke zu Ehren seines 100. Geburtstags ab 15. März 2014 im Klingspor-Museum in Offenbach zu sehen sein werden.

www.kghoefer.de

Druck einer Kalligrafie von Kg Hoefer mit diversen Tuschen und Schreibwerkzeugen. Ca. 1990, handsigniert

Kein Kalligraph ... Ausspruch von Hermann Zapf – Geschrieben von Karlgeorg Hoefer mit Farbpinseln. Ca. 1995

 

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