zitat, raub, oder ganz anders? / ambivalenz in fragen sogenannten geistigen eigentums

in

in der aktuellen page 6.2007 erscheint ein artikel ALLES NUR GEKLAUT?(S. 20/21).
tja. in verschiedenen beiträgen sind solche thematiken schon öfters angerissen worden, unsere beteiligung an dem in der page beschriebenen vorgang scheint uns jetzt aber ein
anlass zu sein, praktiken wie kopie, zitat, ethische haltung im umgang mit der arbeit anderer, reloading, sampling, aufgreifen (zb. retro) und so weiter zu diskutieren. wenn ihr mögt.
wie ist sowas zu bewerten, wie geht ihr damit um, legitime strategie, arschig gegenüber den urheberInnen?
wir zitieren aus der page (gelber legenden-/kommentarkasten links unten)
«Zeichen-Zirkulation
Für die dritte Ausgabe des Magazins "Spector cut+paste" entwickelte Markus Dreßen das Motiv oben links. Urban Outfitters verwendete seine Komposition auf einer Einkaufstüte (Mitte), ohne Rücksprache zu halten (siehe Seite 22f). In Unkenntnis dieser Vorgeschichte "zitierte" wiederum das deutsche Typografiemagazin "Slanted" die Tüte - einer der Grafiker hatte sie aus New York mitgebracht - in einer Eigenanzeige (rechts) passend zum Heftthema "Matrix/Grid". In dieser Ausgabe sollte es um die Frage gehen, ob die Gestalter von Matrixschriften bei Kollegen abgeguckt haben oder ob die Fonts nur darum einanderso gleichen, weil sie unabhängig von Entstehungszeit und -ort auf demselben Gestaltungsprinzip basieren. So war die Verwendung des Tütenmotivs kein beiläufiger Klau, sondern laut Lars Harmsen von "Slanted" ein "bewusster Akt des Kopierens", um das Heftthema anzumoderieren. Im Rückblick findet Markus Dreßen das Ganze unter dem "Aspekt der Zirkulation von Zeichen" durchaus interessant.»

robertmichael

ich habe die page noch nicht hier, geht es um schriftenklau oder generell um grafikdesign?

man lässt sich sicher auch viel unbewusst beeinflussen oder folgt irgendwelchen trends. ist mir auch schon so gegegangen wo ich dann mein endergebniss in anderer form wiedergesehen gesehen habe und dachte 'au backe', die sehen sich schon ähnlich.

.
kurz was anderes: diese biene in der anzeige macht mich fertig. ich denke jedesmal ich habe insekten auf/im bildschirm weil ich die unbewusst wahrnehme. :-|

Juergen Siebert

Die Biene, Robert, bitte aber nicht auf diese Art totmachen:
http://www.youtube.com/watch?v=9Uqp56Zsqes

robertmichael

hihihi, nein – das ist sicher ein quarknutzer bei dem die
opentype-schriften nicht funktionieren ;-)

Thomas

ach so! offen gesagt wunderte ich mich noch über den altmodischen sticker auf der anzeige und fand sie dann doch insgesamt sehr originell. aber das das motiv eine kopie von einer kopie ist, wäre mir nicht in den sinn gekommen. das ist für den ersten aus der reihe sehr schmeichelhaft … zumindest wenn das bekannt wird, denn wenn ein „zitat“ ohne quelle bleibt, ist es ja als solches nicht zu erkennen. :-]

Thomas

ein film, der mir sehr gefallen hat, heißt „der erfinder“. er erzählt die geschichte eines bauern (anfang zwanzigstes jahrundert) der für seine kutsche raupen konstuiert, damit er bei regen nicht mehr im schlamm stecken bleibt. er verwendet sehr viel zeit darauf, die konstruktion zu optimieren und ist sich sicher, etwas sehr nützliches erfunden zu haben. eines tages kommt er in die stadt und besucht zum ersten mal ein kino. dort sieht er eine wochenschau, die von den schlachtfeldern des ersten weltkriegs berichtet. ratet mal was er dort sieht …

wie heißt es so schön: „es gibt nichts neues unter dem himmel, außer dem vergessenen.“ (keine ahnung von wem das ist, ich habe es aufgeschnappt)

manche sachen liegen in der luft und manchmal haben die leute eben dafür die gleiche nase – wenn auch mit unterschiedlichen motiven. aber inzwischen haben wir viel mehr möglichkeiten zu überprüfen, was es denn tatsächlich in welcher form gibt, was preferiert wird und was total hinten runter fällt. wir sollten schon überprüfen, ob wir uns wiederholen und was aus welchen motiven entsteht.

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