°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° / °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

in

CHR15

50 volle tiere schauen aus der kunst.

lars

raymond duchamp hat definiert, was heute noch gültigkeit hat

(1917 besorgte sich Duchamp bei der New Yorker Firma J. L. Mott Iron Works, einem Händler für Sanitärbedarf, ein Urinal, ein Pissoirbecken für öffentliche Bedürfnisanstalten, gab ihm den Titel Fountain, signierte es mit dem Namen „Richard Mutt“ und reichte es unter diesem falschen Künstlernamen für die Jahresausstellung der Society of Independent Artists in New York ein. Seine Einsendung wurde heftig diskutiert, denn Duchamp verstieß mit ihr bewusst gegen alle ‚Regeln’ der traditionellen Kunst und provozierte damit die Zurückweisung seines Werkes durch die Jury der Ausstellung, der er selbst mit angehörte und aus der er nach der Zurückweisung des Werkes austrat.
Er vertrat die Ansicht, dass der Künstler jederzeit von der Gesellschaft abhängig ist und sich aufgrund deren Korruptheit nie frei entfalten könne.)

CHR15

das war raymonds bruder marcel duchamp

christoph

…und heute wissen wir, dass duchamps »ready-mades« KEINE unbearbeiteten fundsachen gewesen sind, sondern allesamt von ihm hergestellt oder bearbeitet worden sind. tatsächlich waren alle vorgeblichen fundsachen nicht für ihre scheinbare ursprüngliche funktion verwendbar. diese pointe hatte duchamp allerdings nie verraten und wurde erst vor wenigen jahren entdeckt.

flo

ist gar nicht so wichtig, finde ich.
duchamp thematisiert einfach den «rahmenden» charakter der ausstellung, der institutionen per kontextverschiebung. verschiebe (wenn auch nicht ganz so) alltägliches ins museum, schon sehen wir es anders (an).

wobei seine readymades ganz schön ästhetische objekte sind.
auch kein zufall.
und erst vor seinem gesamten werk richtig interessant werden.

nora

DER/DIEJENIGE DER/DIE KUNST BETRACHTET

das hatte ich vorher noch vergessen.

wenn jemand diese klebefleckenwand als kunst definiert, dann ist es eben so. für diesen betrachter ist es dann kunst. wenn du die wikipedia seite betrachtest und sie aus welchen gründen auch immer dann als kunst definierst, dann ist das deine sichtweise von kunst.

beuys zum beispiel hat im rahmen seines konzeptes des "erweiterten kunstbegriffs" den legendären satz gesagt: "jeder mensch ist ein künstler". mit diesem satz wollte beuys weg vom schubladendenken, in dem der kunst nur eine bestimmte kleine nische innerhalb der gesellschaft zugewiesen wird. es ging ihm nicht darum, dass jetzt plötzlich alle anfangen sollen zu malen oder sonstwas zu machen, sondern dass er allen menschen die fähigkeit der offenheit und kreativität zuspricht und somit zum beispiel auch die gesellschaft als kunstwerk betrachtet werden könnte.

ich kann kunst nicht definieren. ich kann sie nur betrachten. das heißt ich betrachte bilder, objekte etc., die durch irgendein merkmal schon als kunst definiert wurden. entweder durch das merkmal, dass sie sich in einem museum oder ausstellungsraum befinden oder dass ich sie in einem atelier betrachte, oder in einem katalog. irgendjemand war da schon vor mir da und hat diese sachen in die schublade kunst gesteckt.

jetzt kann ich sie nur betrachten und im besten fall finde ich einen bezug zu mir und meinen gedanken. oder sie wecken neue gedanken in mir. oder aber sie sind so freundlich und gestatten mir eine denkpause.

christoph

vielleicht einfach den begriff »kunst« nicht mehr verwenden? das wort meint ja in der regel: »knie nieder!« vielleicht können wir uns kunstverdächtigen dingen angemessener nähern, indem wir nicht danach fragen, ob es kunst ist, sondern ganz einfach: was bewirkt es? ist es gut? wenn ja: warum? etc.

nervousmind

Nora: Spitze! Genau das ist der Punkt.

nora

"kunst" sagt laut meinem etymologischen wörterbuch nicht "knie nieder" sondern:

Das zu dem unter können behandelten Verb gebildete Substantiv (mhd., ahd. kunst) bedeutete zunächst in enger Anlehnung an das Verb "Wissen, Weisheit, Kenntnis", auch "Wissenschaft". Dann wurde das Wort auch im Sinne von "(durch Übung erworbenes) Können, Geschicklichkeit, Fertigkeit" verwendet, beachte z.B. die Zusammensetzungen "Fechtkunst, Kochkunst, Staatskunst, Verführungskünste". Seit dem 18. Jahrhundert bezieht sich "Kunst" speziell auf die künstlerische Betätigung des Menschen und auf die Schöpfung des Menschengeistes in Malerei, Bildhauerei, Dichtung und Musik.

Erst später entwickelte sich der Gebrauch des Wortes im Sinne von "künstlich Geschaffenem" (Kunst im Gegensatz zu Natur - z.B. Kunststoff).

CHR15

tja, christoph, alter chauvi. nora hat's eben drauf, knie nieder.

kai

ich sach nur:

kunst muss fragen!
design muss antworten geben!

Thomas

marcel duchamp, die dada bewegung überhaupt, haben etwas angestoßen, das im grunde bis heute nachbebt. ich finde das gerade vor der fragestellung dieses threads interessant.

nehmen wir pop art - bezeichnender weise auch 'neo dada' genannt - so können wir in ihr eine ansammlung von versatzstücken der 'angwandten kunst' finden. (wenn man so will, eine zur 'frage' montierte ansammlung von 'antworten'.)

aber wenn kunst 'fragen muss', dann bitte auch nach den mechanismen, denen sie selbst unterworfen wird.
design mag sich als 'angewandte kunst' wohl vom kunstbegriff trennen, aber ohne ihn geht es eben auch nicht.

CHR15

kai, das scheint mir so'n relativ oberflächliches fazit zu sein. ein MUSS gibt es nicht zwingend, für keine der beiden disziplinen.

christoph

@ CHR15

»alter chauvi«? obwohl ich mir dieses missverständnis nicht wirklich erklären kann, möchte ich doch deutlich sagen: da war absolut nichts chauvinistisch gemeint. meine äußerung bezog sich auch nicht auf noras kommentar davor (falls diese reihenfolge für das missverständnis gesorgt hat). »niederknien« bezog sich ausschließlich auf die (übermäßige) ehrfurcht, die das wort »kunst« in aller regel auslöst.

die frage, ob etwas kunst ist oder nicht, würde ja nicht so gerne gestellt werden, wenn es sich hierbei um eine nüchterne klassifizierung in der art von »ist eine tomate obst oder gemüse?« handeln würde. interesse weckt die frage, weil wir gewohnt sind, das etikett »kunst« als ein ganz besonders hohes gütesiegel zu betrachten. ist etwas als »kunst« geheiligt, kann in der regel kaum noch unbefangen diskutiert werden. u.a. deswegen stellte sich für mich die frage, ob wir diesen begriff überhaupt brauchen und was damit gewonnen wäre, wenn wir nun wüssten, ob wir diese oder jene grafische arbeit kunst nennen dürfen oder nicht.

CHR15

christoph, war doch nur ein kleiner, nicht guter, nicht ernst und keinesfalls böse gemeinter wortwitz, der sich auf deine herleitung bezog... (bitte einfach vergessen)

CHR15

christoph, war nur ein kleiner, nicht guter, nicht ernst und keinesfalls böse gemeinter wortwitz, der sich auf deine herleitung bezog... (bitte einfach vergessen)

christoph

ach so, hatte ich nicht kapiert.

wenn das nicht so debil wirken würde, hätte ich jetzt hier einen smilee positioniert.

CHR15

das smilee-problem habe ich hier auch des öfteren. aber ich weigere mich strikt...

kai

stellt euch vor, harald schmidt würde in zukunft seine kommentare mit eingeblendeten smilys relativieren..undenkbar!

Chris: mein fazit oben ist oberflächlich, da hast du recht...aber dafür kurz! man kann nicht alles haben!

christoph

harald schmidts grinsen wird ja gesehen, das ist der entscheidende unterschied.

flo

das mit der ehrfurcht würde ich auch tieferhängen.
man muss nicht mehr respekt oder auch nur achtung vor kunst haben als vor politik, sozialem etc.

bestenfalls – das hatte weiter oben schon einmal jemand gesagt – ist kunst einfach interessant. u.a. weil sie wahrnehmungen (aisthesis) auslöst, einfordert, verändert ..

glaube, die hochachtung hat auch viel mit mythen zu tun.
der heroische (womöglich bohemehafte) künstler (meistens männlich), der der gesellschaft und der norm mit seinem lebensentwurf trotzt, darüber verarmt und verhungert und so weiter. das faible fürs extreme lebt, immer und überall avantgarde ist, dem vergänglichen ewiges abtrotzt, gegen den eigenen tod anarbeitet. etwas kann, was wenige können, siehe genie etc.

diese bilder sind nicht umsonst entstanden, aber wie gesagt tieferhängen. die allermeisten künstlerInnen sind hinterm mythos ziemlich normal und bisweilen eher langweilig als interessant. sie laufen vielleicht mit anderen, manchmal ungesunden wahrnehmungen herum, thats it.

nervousmind

-> Christoph: "Kunst" wurde früher, gerade in unseren Breiten als göttliche Eingebung und fast als etwas übernatürliches gesehen, zumal früher auch nur von der Kirche in Auftrag gegeben.

Es gab sogar ernsthaft Theorien, dass es so etwas wie einen metaphysischen Ideenpool gibt, aus dem alle besonders kreativen Menschen zehren, weil sie durch ihre Begabung eine Verbindung zu diesem haben.

Ausserdem gibt es, gerade in Deutschland, den Geniekult, der hier zum tragen kommt, der in anderen Kulturen nicht existiert. Sie wird gerne auf ein intellektuelles Podest gehoben, um sie im selben Atemzug wieder hinunterzutreten.

Apropos Genie und runtertreten. Hierzu fällt mir eine Anekdote ein, die ich letztes Wochenende im K21 erlebt habe:

Da die Matisse Ausstellung im K20 hoffnungslos überrannt war, verirrten sich einige der Angereisten ins K21, dass ich am Sonntag auch meiner neuen Chefin zeigte. Ratlosigkeit und Desillusion sah ich in den Augen derjenigen Menschen, die doch eigentlich die Leichtigkeit der Matisse Ausstellung, des Genies der Farben, bewundern wollten und jetzt - frevel auch - vor halb abgebrannten, überlebensgrossen Puppenhäusern mit Kriegsbildern, oder einem aus der Wand ragenden Bein standen. Schnell wurde sich dann lieber über die tolle Architektur des K21 unterhalten um dann flugs durch die Ausstellungsräume zur Museumsbar zu eilen.

Das "Genie" Matisse haben wir uns an dem Tag auch noch angesehen und sie, meine Chefin, war auch ganz entzückt und ich vergab viel Anstrengung darauf, meine Nichtbegeisterung zu unterdrücken, denn mir sagt Matisse gar nichts.

Kunst formt die Gesellschaft und wird von der Gesellschaft geformt. Sie ist eine Variante der Kommunikation, kann sehr politisch und gesellschaftskritsisch (z.B. Brecht, Beuys) aber auch gänzlich unpolitisch (z.B. Matisse, Scully), extrovertiert (seht her ich hab was zu sagen), oder komplett introvertiert (ich musste diesen Strich für mich, für mein Seelenheil erforschen, es ist mir egal, was ihr darüber denkt) sein.

Im diesem Atemzug git es auch immer wieder die Diskussion, ob engagierte Kunst überhaupt etwas bewirken kann. Kann sie?

So und jetzt mal wieder zum Runterkommen... :-) http://www.uschis-sushibar.de/?p=24

Atli

Was haltet Ihr davon:

"Kunst ist eine Maschine zur Produktion von Interpretation … "

nervousmind

Diese Maschine wäre der Mensch.

nora

heute ist ein sehr schöner artikel im wochenendteil der süddeutschen zeitung zum thema "kunst im öffentlichen raum". lesen! (kein link, da nur als als e-paper abonnent abrufbar, und das bin ich nicht. also printausgabe gucken.)

CHR15

bevor das S/ANTED-publikum weitere tage vor sich hin schnarcht, können wir doch an dieser stelle noch ein paar abstruse theorien zum kunstbegriff formieren, oder?

1. kunst komt von kinder
2. kunst ist p
3. ku
4. 5.
sechstens

robertmichael

schöne seite hast du da gebastelt, CHR15
;)

Post new comment

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns über Deine konstruktive Meinung und behalten uns vor, gehaltlose, persönlich verletzende und themenfremde Kommentare zu löschen.

Wenn Du nicht angemeldet bist, wird Dein Kommentar von der Redaktion zuerst geprüft und dann freigeschaltet.

By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.

Verwandter Artikel

Nächster Artikel

colophon / INTERNATIONAL MAGAZINE SYMPOSIUM

09 - 11.03.2007 LUXEMBOURG

Diesen Termin sollte man sich jetzt schon eintragen: 9-11.3.2007 / Luxembourg / Colophon. Eine Website mit einem ...

in

Vorheriger Artikel

Deutschland am linken Flügel durch Silicium

Die Kampagne der Chemieindustrie

Die Kampagne "Chemie. Element unseres Lebens." will durch Integration eines Zeichens eines chemischen Elements in ...

in 1 comment