19.09.2014 – 06.01.2015

»600 Mio. – Freunde und Komplizen« / Künstlerhaus Wien

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Das Wiener Künstlerhaus – eine Plattform, die international operiert – strebt an, kreative Prozesse, sowie brisante künstlerische Auseinandersetzungen zu forcieren. Als unabhängige Vereinigung grenzt sie sich vom musealen und kommerziellen Institutionen ab und legt den Schwerpunkt in ihren Kooperationen auf Alltagskultur, Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit. Diesmal steht jedoch das Künstlerhaus selbst im Fokus und präsentiert im Stiftersaal ein riesiges Display aus Wabenkarton mit graphisch prägnanten Zahlen, welche das zentrale Thema der Ausstellung »600Mio. – Freunde und Komplizen« sind.

Das Zusammenspiel zwischen Zahlen auf der Vorderseite, gepaart mit Fotografien und Texten auf der Rückseite ergibt insgesamt eine visuelle Retrospektive des Hauses. In 22 Kapiteln werden die Zahlen – die allesamt eines Gemeinsam haben: es sind monetäre Werte, die eng mit der 150-jährigen Geschichte des Künstlerhauses verknüpft sind – durch die dazugehörige Geschichte enträtselt.

Das Projekt regt an sich mit diesem bedeutungsträchtigem Gebäude und dessen Historie auseinander zusetzen – es ist das erste von Künstlern selbst errichtete Ausstellungsgebäude, das als Vorreiter fungierte und Nachahmer inspirierte selbiges zu tun. Somit ist es als sinnhaftes Beispiel, für die selbstorganisierte Künstlerschaft und den Widerstand als Reaktion gegen den Akademismus, zu verstehen. Das Anliegen war das strategische Durchsetzen von Interessen und Intentionen der Künstler in der Gesellschaft.

Die Betonung der Zahlenwerte verweist auf die finanzielle Abhängigkeit der Künstler von der Gunst der Gönner. Der Zusammenschluss zu Künstlervereinigungen ist eine Antwort um das Abhängigkeitsverhältnis und ein wichtiger Schritt um mehr Freiheit zu erlangen und autonomer agieren zu können. 

Die Gemeinschaft bekommt einen besonderen Stellenwert worauf bereits auch der Titel hinweist. Diese Verbindung bietet einen kreativen Schutzraum, das als Resultat wiederum Einfluss auf die gesellschaftliche Stellung und das Selbstverständnis des Künstlers hat.

Uns eröffnet sich das Spektrum, wie das Künstlerhaus als Kunstinstitution Formen der Finanzierung entwickelte und finanziell prekäre Phasen in der Vergangenheit organisierte und bewältigte. Das Künstlerhaus hatte keineswegs nur blühende Zeiten, durch die Entstehung der Sezession und weitere Künstlervereinigungen wurde es im Ansehen geschwächt und verlor an Bedeutung. In einem dynamischen Prozess durchlebte es verschiedene Entwicklungen und musste sich neu orientieren und ausrichten, um der vorherrschenden ökonomischen Situation gerecht zu werden. 

Weitere visuelle Interventionen im Gebäude verweisen auf das Vorhaben, das Künstleraus nicht nur als Ausstellungsraum zu sehen, sondern auch wieder verstärkt als Ort der Geselligkeit: Formate wie Clubabende, Permanente Ausstellung sowie Atelierschauen sollen zurück ins Leben gerufen werden, um den Austausch zu beleben. Die begleitende Publikation erlaubt uns den Einblick noch weiter zu vertiefen.


Ausführliche Texte zu den Kapiteln und die Projektentstehung gibt auf der dazugehörigen Seite zu »600Mio. – Freunde und Komplizen.«

Ausstellungsdauer: 19.09.2014-06.01.2015 im Künstlerhaus Wien

Karlsplatz 5
1010 Wien
T +43 1 587 96 63
F +43 1 587 87 36
office@k-haus.at 


Ausstellungskonzeption: Barbara Steiner in Zusammenarbeit mit Erwin K. Bauer 
Gestaltung: buero bauer (Julia Gordeeva, Stefan Göschl, Rainer Stadlbauer)

Creative Direction: Erwin K. Bauer
Kuratorin: Barbara Steiner 

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