28.08.2015 – 29.08.2015 30.08.2015

INDIECON 2015 – The Independent Magazine Festival in Hamburg

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Etwas wagen, schlaflose Nächte und Herzblut investieren, alles tun für diese Idee: Das eigene Magazin. Tausende Mikro-Publisher weltweit produzieren Independent Magazines – kurz: Indiemags. Die Hefte sehen mal aus wie eine Zeitung oder kunstvoller Buchdruck, sie werden in Skateshops, Museen oder am Kiosk verkauft, erscheinen in Großauflagen oder als limitierte Handfertigungen. Manche kosten 20 Euro, manche gar nichts; sie informieren über Kunst, Design oder Hardcore-Punk.

Auf der Indiecon 2015 treffen sich in diesem Jahr zum zweiten Mal die Macherinnen und Macher hinter den Magazinen. Am 28. und 29. August diskutieren sie unter der Leitfrage “Is Indie forever?” über Independent Magazines als Impulsgeber, über Wachstum und über die Frage nach der Verstetigung – wie aus einer Magazin-Idee ein Lebens- und Arbeitsmodell wachsen kann.

Es geht um die Macherinnen und Macher

Die Geschichte von Philipp Köster klingt wie eine Indie-Fabel. Köster ist mit einem Fanzine über den Provinz-Club Arminia Bielefeld gestartet, daraus wurde das Magazin "11 Freunde". Das Team schrammte knapp an der Pleite vorbei, dann stieg der Großverlag "Gruner + Jahr" mit einer Beteiligung von 51 Prozent ein, übernahm Vertrieb und Vermarktung. Heute ist "11 Freunde" das erfolgreichste Fußballmagazin Deutschlands.

Die wenigsten Magazinmacherinnen und Magazinmacher erleben eine solche Entwicklung – und einige wollen es auch gar nicht. Dolf Hermannstädter hat mehr als 170 Ausgaben seines Zines “Trust” produziert, in dem er Entwicklungen aus der Punk- und Hardcore-Szene dokumentiert und kommentiert. Das Heft entsteht nach wie vor in Eigenregie und in kompletter Selbstbestimmung.

Die Indiemag-Szene gilt nach wie vor als Impulsgeber für Musik, Mode, Kunst, Design – aber auch für gesellschaftliche Entwicklungen. Jeremie Leslie (magCulture), vielfach ausgezeichneter britischer Editorial-Designer und Autor des Independent-Publishing-Standartwerks “Making Magazines”, spricht nicht ohne Grund von einer “Second Golden Age of Magazines”.

Auf der Indiecon geht es um die Freiheiten, die ein unabhängiges Magazin bieten kann – aber es geht auch um die Restriktionen, mit denen die Macherinnen und Macher konfrontiert sind. Das gilt in besonderem Maß für Ibrahim Nehme, der ein »Magazin der Möglichkeiten in einem unmöglichen Land« produziert. Mit seinem panarabischen Titel “The Outpost” hinterfragt der Libanese starre Gesellschaftsstrukturen im Nahen Osten – und will seine Leser animieren, etwas daran zu ändern.

Am Samstag um 18 Uhr, nimmt Julia Kahl zudem für Slanted an einem Diskussions-Panel in der Golden Hall teil, wo es um eine Mischung aus Versprechen und Vorurteil gehen wird, dass Independent Magazine die »kreativen Reagenzgläser« sind, dass dort neue Ideen und Formate und neues Design entstehen; dass sie in ihrer Ästhetik und ihren Inhalten vielleicht sogar gesellschaftliche Impulse setzen. Eine Diskussionsrunde im Hinblick auf die Frage, was diese Impulse sind, wie sie sichtbar werden, was sie bewirken. 

 

Hamburg wird eine Woche lang zu Magazine Mania

Nach der Fachkonferenz öffnen wir die Indiecon in diesem Jahr auch für Publikum – mit dem #indiemagday. Am Hamburger Oberhafen eröffnet auf 750 Quadratmetern die “Free Trade Zone for Printed Goods”. Der #indiemagday gibt Raum, sich mit den Menschen hinter den Magazinen auszutauschen, nach Raritäten zu stöbern, Indiemags aus unterschiedlichsten Sparten zu entdecken – und zu kaufen. Die Bandbreite reicht von handgeklebt bis Kiosktitel, viele Magazinmacherinnen und Magazinmacher sind selbst vor Ort und stellen ihre Publikationen vor. Darüber hinaus sind Magazinläden wie Gudberg Nerger oder Magasin dabei, die mit einer großen Auswahl internationaler Indiemags anreisen. Das Ergebnis wird eine feine Mischung aus Zines, Comics, kleinen und großen, etablierten und neuen Magazinen.

Unter anderem wird auf dem #indiemagday auch das Magazin der Indiecon Summer School vorgestellt. In der Woche vor der Veranstaltung wird es als Rapid-Publishing-Projekt erdacht, recherchiert, gestaltet und produziert. Die Summer School verknüpft Studierende aus Journalismus, Editorial Design, Fotografie, Illustration und Kunst. Unter fachkundiger Anleitung produzieren sie innerhalb von fünf Tagen ein Magazin über den Hamburger Oberhafen. Das Projekt wird in Kooperation mit der HAW Hamburg (Department Design), der HFBK, der Uni Hamburg (IJK) und der FH Münster (FB Design) durchgeführt.

 

Über Indiemags

Indiemags sind Herzensprojekte – und das gilt auch für die Indiecon. Sie wird von einem Kollektiv aus Freunden und Kollegen um Die Brueder ausgerichtet. Das Event ist non-profit und entsteht vor allem in der Freizeit. Unterstützung bekommt die Indiecon in diesem Jahr von der Ganske Verlagsgruppe, der Medienstiftung Hamburg-Schleswig-Holstein, der Kreativgesellschaft Hamburg und Heftwerk.

www.indieforever.de
www.indiemagday.de

Fotos: © Malte Spindler, Die Brueder, Indiecon 2014

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