24.11.201612.12.2016

Let’s Blitz Vortrag: Johannes Schneider & Jost Hochuli am Fb Gestaltung der HS Darmstadt

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Gleich zwei interessante Vorträge gibt es in Kürze am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt. Zu Gast sind Ulrich Johannes Schneider (Leipzig), der über Druckkunst und Lesbarkeit referiert sowie Jost Hochuli (St. Gallen, CH), der Einblicke in das Büchergestalten, Ärgernisse, zwei Typografen und einen Buchbinder gibt.

Vortrag von Ulrich Johannes Schneider (Leipzig)
Was hat Gutenberg falsch gemacht? – Über Druckkunst und Lesbarkeit
Donnerstag, 24.11.2016, 12.00 Uhr

Gutenbergs Seitengestaltung folgte der Handschriftenkultur, und erst spätere Drucker realisierten Satzspiegel im Sinne besserer Lesbarkeit. Der Vortrag zeigt das langsame Beugen alter Regeln zugunsten einer radikal neuen Textästhetik.

Die digitale Revolution ist alles durchdringend und wird zum Spiegel einer Entwicklung, die vor 500 Jahren die ästhetisch-intellektuelle Konvention der Druckseite erzeugte. Analog zu heute wurde damals die europäische Lesekultur in allen Bereichen des Lebens radikal umgestaltet. Bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts bestand für die gedruckte Seite keine feste Gestaltung.

Innovative Formate modifizierten die Regeln der zum Teil von der Handschriftenkultur geprägten Textproduktion. Gegenwärtig erleben wir nun eine neue Modifikation: Druckseiten verwandeln sich mittels digitaler Technologien in offene, elastische Formate.

Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider (*1956) ist Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig und Professor für Philosophie an der Universität Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Wissensgeschichte. Als Moderator des Thomasius-Clubs, Ausstellungskurator und Autor setzt er sich auf vielfältige Weise für die Vermittlung von Wissenschaft ein.

 

Vortrag von Jost Hochuli (St. Gallen, Schweiz)
So oder so. Über Ärgernisse usw.
Montag, 12.12.2016, 16.00 Uhr

Über die Verluderung der Sprache an typografischen Kongressen und in der typografischen Fachliteratur, über den Bluff der Designforschung, über die miserablen Ausbildungen zum MA an den meisten Designschulen und über den gestalterischen Bluff, der sich im manieristischen, überkandidelten Kunstgewerbe manifestiert, das sich unter dem Titel Buchgestaltung wichtigtuerisch breitmacht.

In zweiten Vortrag spricht Jost Hochuli über typografische Arbeiten von Max Caflisch und Max Koller, die im Gegensatz zu vielen heutigen von äußerster Kargheit der verwendeten Mittel sind, aber nach z.T. mehr als 40 Jahren noch so frisch und direkt wirken wie seinerzeit. Dazu die Vorstellung des Buchbinders Franz Zeier, der seine Mittel ebenfalls bis zum Letzten reduziert hat – was ihn in eklatanten Gegensatz brachte zu den »Kunstbuchbindern«, die sich nicht genug tun können in aufwendigsten Einbänden.

Jost Hochuli (*1933) ist Schweizer Grafiker und Buchgestalter aus St. Gallen. 1952 bis 1954 besuchte er die Kunstgewerbeschule in St. Gallen, danach folgte eine Schriftsetzerlehre. 1959 eröffnete er sein Atelier für Gebrauchsgrafik in St. Gallen. Als Autor publiziert er zur Buchgestaltung, u.a. „Das Detail in der Typografie“. Jost Hochuli betreut als Gestalter Buchprojekte, kuratiert Ausstellungen und hält Vorträge und Workshops im In- und Ausland. Er ist Träger es Gutenberg-Preises der Stadt Leipzig sowie des Jan-Tschichold-Preises.

Plakatgestaltung: Thomas John, Christian Himmelspach, Dominik Schmitt und Christopher Tröster

 

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