29.04.2010

Stilvorlagen #5 Eine Vortragsreihe zu zeitgenössischem Grafikdesign am Department für Design der HAW

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Auch in diesem Sommer haben die Studenten des Departments Design der HAW Hamburg eine Vortragsreihe zu zeitgenössischem Grafikdesign organisiert.

Stilvorlagen #5
Eine Vortragsreihe zu zeitgenössischem Grafikdesign
am Department für Design der HAW

29. April, Jan Banning (NL)
06. Mai, Steffen Schuhmann und Simone Schöler/anschlaege.de (D)
20. Mai, Nicolas Bourquin/onlab (D/CH)
27. Mai, Albert-Jan Pool (D/NL)
10. Juni, ATAK und Fil (D)
24. Juni, Michal Sahar (IL)


Kommentare zur Zeit – Unter diesem Leitmotiv findet im Sommer 2010 zum fünften Mal die Vortragsreihe Stilvorlagen in der Aula des Departments Design, Armgartstraße 24 statt. Jeweils donnerstags um 18 Uhr geben namhafte Designerinnen und Designer Einblicke in ihre Arbeits- und Lebensphilosophie und thematisieren in diesem Jahr vor allem die gesellschaftlich relevanten und politischen Aspekte ihrer Arbeit. Zu Gast sind Jan Banning, anschlaege.de, Nicolas Bourquin, Albert-Jan Pool, Atak und FIL sowie Michal Sahar.
Auch in den vergangenen Jahren referierten sowohl nationale als auch internationale
Persönlichkeiten wie Niklaus Troxler, Ruedi Baur, Luna Maurer und Eike König. Die Vortragsreihe über aktuelle Designpositionen wird von Studierenden des Studienganges Kommunikationsdesign unter Leitung von Prof. Heike Grebin organisiert.
Alle Veranstaltungen sind öffentlich und beginnen um 18 Uhr!

HAW Hamburg
Department Design
Aula der Armgartstraße 24
22089 Hamburg.
Eintritt 2 bis 6 Euro (nach Wunsch).

www.stilvorlagen.de


Vortrag 1
29. 4. Jan Banning
(NL)

»Vielleicht haben die Menschen genug Lifestylethemen konsumiert
und sind ihrer müde.« Jan Banning

In diesem Jahr wird die Vortragsreihe Stilvorlagen von dem Fotografen Jan Banning eröffnet. Er gibt unter anderem Einblicke in seine aktuelle Arbeit »Comfort Women«, ein Porträt indonesischer Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges unter japanischer Besatzung zur Prostitution gezwungen wurden. Jan Banning dokumentiert autoritäre Machtstrukturen und Auswirkungen des Krieges und setzt damit ein Mahnmal gegen das Vergessen von Opfern und Schuld. Mit der Schnittmenge aus formal herausstechender Fotografie und dem Mut, soziokulturelle Schattenseiten in den Fokus zu rücken, erschafft er einen eindrucksvollen ‚Kommentar zur Zeit‘.
Eine der bekanntesten Arbeiten Jan Bannings ist die Serie »Bureaucratics«, die Formen öffentlicher Verwaltung in verschiedenen Kulturen gegenüberstellt. Dafür reiste er unter anderem nach Indien, Liberia, Russland und in die USA. In seiner Studie »Agent Orange« porträtiert er die Opfer des im Vietnamkrieg eingesetzten gleichnamigen Entlaubungsmittels. Die Fotografien stellen immer den Menschen in den Fokus und verlieren sich nicht in bloßer Zur-Schau-Stellung des Schreckens.

Jan Banning wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Art of Photography Show Award (2009), dem World Press Photo Award (2004) und dem Unicef Photo of the Year (2001). Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Magazinen veröffentlicht, wie The New Yorker, Time Magazine und Geo, als auch international ausgestellt und in Buchform publiziert.

Jan Banning 1954 geboren / Studium der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte / seit 1981 als Fotograf tätig / 2001 Unicef Photo of the Year / 2004 World Press Photo Award

Vortrag 2
6. 5. anschlaege.de
(D)

»Wir entwerfen eine bessere Welt!« anschlaege.de

Das Besondere an dem Designkollektiv anschlaege.de ist der ungebremste Drang Neues, nie Dagewesenes zu schaffen. Für sie ist Design Funktionalität und Sprachrohr derer, die Grenzen überschreiten, etwas bewegen und unserer Zeit ein Gesicht geben. Was sie selbstbewusst ‚Phorschung‘ nennen, ist das Ergebnis ihrer Auffassung von Kommunikation und Gestaltung. Ihre Projekte beziehen sich meist auf den öffentlichen Raum und die Schaffung neuer kreativer Zentren.
Nach ihrem aufsehenerregenden Debüt »Dostoprimetschatjelnosti« (Sehenswürdigkeiten), einem Projekt zur Wiederbelebung Ostberliner Plattenbauten, entschlossen sich die Berliner Designer Axel Watzke, Christian Lagé und Steffen Schuhmann im Jahr 2004 zur Gründung von anschlaege de. Seitdem gehören gesellschaftsrelevante Kampagnen, ein eigenes Magazin und Plakatgestaltung zum Programm.
anschlaege.de, zu deren Kunden unter anderem Kampnagel, die Kulturstiftung des Bundes und das ZDF gehören, wurde mehrfach ausgezeichnet bei der Wahl der »100 Besten Plakate« – unter anderem für das Projekt barmbek.tv – und ist Träger des Preises »Schönste Deutsche Bücher«.

anschlaege.de / Axel Watzke, Christian Lagé und Steffen Schuhmann / 2004 gegründet / Kunden: Kampnagel, Kulturstiftung des Bundes, Goethe Institut, ZDF, Maxim-Gorki-Theater / 2007 Preis »Schönste Deutsche Bücher 2007«, Stiftung Buchkunst für »Aurith-Urad« / 2007 Preis »100 Beste Plakate« für »barmbek.tv« / 2006: Förderpreis der Europa-Universität Viadrina für »verbuendungshaus fforst«

Vortrag 3
20. 5. Nicolas Bourquin
(CH/D)

»Content is king at Nicolas Bourquin ’s Onlab« (eye magazine)

Nicolas Bourquin ist Designer, Kreativdirektor, Publizist, Künstler und Mitbegründer des Grafikbüros »onlab« und des »etc. publications«-Verlags. Er will verstehen, vermitteln, Position beziehen – diese Herausforderungen sind es, die der Schweizer in seinen Arbeiten sucht. Die ästhetische und zugleich didaktische Inszenierung von komplexen Inhalten steht dabei im Vordergrund.
In seinem Vortrag bei den Stilvorlagen wird er auf die Neugestaltung des Magazins »Reporter ohne Grenzen« und auf verschiedene Projekte von »etc. publications« eingehen. Das von »onlab« optimierte visuelle Erscheinungsbild des wirtschaftlich angeschlagenen Schweizer Ortes Tramelan wird den gesellschaftlich relevanten und politischen Aspekt in seiner Arbeit beleuchten.
Bekannt wurde Nicolas Bourquin unter anderem durch die Gestaltung der Bücher »Los, Dos und Tres Logos« , »Data Flow« und dem Redesign der renommierten Architekturzeitschrift »Domus«. Der gebürtige Schweizer lebt und arbeitet in Berlin. Seine zahlreichen Plattformen erlauben es Bourquin, verschiedene Herangehensweisen und Systematiken für Auftrags-, Kooperations- und autonome Projekte zu entwickeln und umzusetzen.

Nicolas Bourquin / 1975 geboren / Studium Grafikdesign an der Hochschule für Gestaltung in Biel / 2000 Gründung des Grafikbüros »onlab« / 2003 Gründung des Verlags »etc. publications« / 2007 Corporate Identity / Corporate Design für seinen Heimatort Tramelan / Lehre an der Hochschule für Künste Bremen und der Bauhaus-Universität Weimar

Vortrag 4
27. 5 Albert-Jan Pool
(NL/D)

»Wie einfach ist einfach? Wie gut ist einfach?« Albert-Jan Pool

Pool startete 1995 nach dem Studium an der Königlichen Akademie in Den Haag seine Laufbahn als Grafikdesigner und Type Designer in Deutschland. Er arbeitete unter anderem als Type Director bei Scangraphic und URW in Hamburg, war 1999 Mitbegründer der Agentur »FarbTon Konzept und Design« und widmet sich seit 2005 vermehrt dem Schriftdesign, der Lehre und der Forschung. Auf Anregung von Erik Spiekermann gestaltete Pool die Schriften FF OCR-F (eine maschinenlesbare Schrift) und FF DIN, eine der erfolgreichsten Schriftarten von FontShop International.
Die FF DIN geht auf eine Musterzeichnung von 1906 zurück, die von den Preußischen Staatseisenbahnen zur Beschriftung von Schienenfahrzeugen normiert und 1925 als DIN-Schrift (Deutsche Industrie Norm) für die Beschriftung von Verkehrsschildern weiterentwickelt wurde. Zur gleichen Zeit, als das Bauhaus die Idee der »elementaren« Formensprache von Quadraten, Kreisen und Dreiecken propagierte und seinen Mythos kreierte, wurde die DIN Schrift als ein Hirngespinst von Ingenieuren abgetan.
Pool wird bei den Stilvorlagen die kontroverse Diskussion um die konstruierten Schriften untersuchen. Die Verbindungen zwischen Bauhaus und DIN führt zu einer bereits im 19. Jahrhundert beginnenden Reformbewegung von Pädagogen, Künstlern und Unternehmern: Fröbel, Soennecken, Gropius, Porstmann, Schwitters, Bayer, Schmidt, Tschichold und andere. So verschieden die Motive dieser Personen gewesen sein mögen, alle verband die Suche nach Systemen, in denen elementare Formen die Basis der Gestaltung bilden. Diese wiederum sollten helfen, die Menschen aufzuklären, ihre Bedürfnisse besser zu befriedigen und die Gesellschaft zu verbessern. Die Wirksamkeit und den Sinn der Vereinfachung – eine
stets aktuelle Diskussion seit der Moderne.

Albert-Jan Pool / 1960 geboren / Studium an der Königlichen Akademie in Den Haag / Arbeit unter anderem als Type Director bei Scangraphic und URW / Gestaltung der Schriften FF OCR-F (maschinenlesbare Schrift) und FF DIN / 1999 Mitbegründer der Agentur FarbTon Konzept und Design / Lehre an der Hanseatischen Akademie Hamburg und der Muthesius Kunsthochschule Kiel.

Vortrag 5
10. 6. ATAK und Fil
(D)

Kluge Polit-Comedy und neodadaistischer Blödsinn auf höchstem Niveau!

Die beiden Ex-Punker ATAK und Fil haben zum 200. Geburtstag von Heinrich Hoffmann das Kinderbuch »Struwwelpeter« sowohl textlich als auch bildlich neu interpretiert. Wie eine Metalband, die ihre Lieblingssongs covert, haben die beiden den Kinderbuchklassiker mit verschärfter Moral und derberen Bildern neu aufleben lassen. Durchzogen von politisch unkorrektem Humor und umweht vom feinen Hauch böser Kinderstreiche.
ATAK (Georg Barber) ist ein Pionier der deutschen Comicszene. Ausgebildet als Schrift- und Grafikmaler in der DDR, entwickelte er schon früh eine Affinität zu Comics und Graphic Novels und gründete 1989 mit einigen Gleichgesinnten die Berliner Comic-Gruppe »Renate«. Mittlerweile ist er Professor für Illustration in Halle und lebt als Comiczeichner, Künstler, Illustrator und Grafiker in Berlin.
Seine Illustrationen sind durchdrungen von tiefgründigem Realismus und fantasievoller Vielschichtigkeit und spielen mit kindlichen Motiven, Farben und Figuren. Sie bedienen sich immer wieder neuer Wege und Ausdrucksformen.
Der geborene Berliner Fil (Philip Tägert) begann bereits mit vierzehn Jahren Comic- Strips zu veröffentlichen und ist damit sehr erfolgreich. Seine Arbeiten erkennt man am spitzen Humor und dem subproletarischen Charme seiner Figuren. Die Geschichten von »Didi und Stulle«, Fil wohl bekanntesten Helden, erscheinen regelmäßig im Berliner Stadtmagazin »zitty«, im »Kölner Stadtanzeiger« und als Sammelbände im Reprodukt-Verlag. Auch als Bühnenentertainer zieht er erfolgreich mit seiner »Fil & Sharkey Show« durch die Lande. Im Gepäck sind der Handpuppen- Hai Sharky, eine Gitarre und seine typische, ironische Berliner Schnauze.

ATAK / 1967 geboren / 1989 Mitbegründer der Comic-Gruppe und des Magazins »Renate« / Studium an der Hochschule der Künste Berlin / Mitglied im AGI (Alliance Graphique Internationale) / Professor für Illustration an der Burg Giebichenstein, Halle

Fil / 1966 geboren / Früher auch der scheue Phil oder der schaue FIL ist ein deutscher Comic-Zeichner!

Vortrag 6
24. 6. Michal Sahar
(IL)

»We don’t confront old forms, we consider them foundations for fresh ideas.« Michal Sahar

Das Hauptaugenmerk der Grafikerin und Type Designerin Michal Sahar liegt seit Langem auf der Gestaltung von Büchern und Katalogen im Kunst- und Kulturbereich. Um die Jahrtausendwende begann sie sich intensiv mit Schriftgestaltung auseinanderzusetzen.
2002 wurde gemeinsam mit Danny Meirav die »Independent Type Designers Cooperative« Ha’Gilda (die Gilde) gegründet. Diese Kooperative, die sich etwa in dem Projekt »The Classical Guild« mit der Überarbeitung und Modernisierung alter hebräischer Schriften befasste, wurde 2007 vom I. D. Magazine in eine internationale Top 40-Liste von Designgemeinschaften gewählt. Sahar betreibt außerdem zusammen mit Koby Levy ein Grafikbüro in Tel Aviv und unterrichtet Typografie an der Bezalel Academy Jerusalem.
Michal Sahar entwirft neben englischen und arabischen Schriften vor allem hebräische Fonts. »Darom«, auch »South« genannt, zählt sowohl zu Sahars ersten als auch erfolgreichsten hebräischen Schriften und findet heute in vielen Bereichen Verwendung.
Bei den Stilvorlagen wird Sahar über ihr bewusstes Engagement um die Bewahrung der hebräischen Schriftkultur sprechen, das sie aufgrund der lokal eingeschränkten Verbreitung der Nationalsprache als Beitrag zur modernen israelischen Gesellschaft versteht. Es ist eine professionelle und kulturelle Herausforderung, Schriften in einem heterogenen multilingualen Raum zu entwerfen, in dem mehr als drei Sprachen koexistieren.

Michal Sahar 1970 geboren in Tel Aviv / Studium an der Bezalel Academy Jerusalem /2002 Gründung der Ha’Gilda Independent Type Designers Cooperative / 2007 I. D. Magazine: In den Top 40 der International Design Cooperatives

… das wird’s dann für die Stilvorlagen N°5 gewesen sein.
Im nächsten Sommer geht es weiter mit Stilvorlagen N°6!


www.stilvorlagen.de

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