06.04.2017 – 08.04.2017

TYPO Labs 2017 / Interview mit Jürgen Siebert

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Nachdem die Font-Technik-Konferenz TYPO Labs im Mai 2016 zum ersten Mal erfolgreich stattgefunden hat, folgt im Frühjahr 2017 die nächste Edition, welche vom 6. bis 8. April 2017 in Berlin unter dem Motto »New Dimensions in Type Engineering« ihre Pforten öffnen wird. Bis 31.12.2016 kann man noch eines der begehrten Early-Bird-Tickets erwerben (auch als Weihnachtsgeschenk für alle Typo-Begeisterten eine tolle Idee).

Wir haben Jürgen Siebert, Marketing-Direktor von Monotype und den TYPO Talks, ein paar Fragen zu den TYPO Labs gestellt.

Die TYPO Labs haben im vergangenen Jahr zum ersten Mal stattgefunden und waren sofort ein großer Erfolg. Was hat euch dazu bewogen, eine Konferenz wie diese ins Leben zu rufen? Und worin liegt das Erfolgsrezept?

Weil ich die Schrift-Industrie bereits seit 30 Jahre beobachte, und die 30 davor aus Geschichtsbüchern kenne, fiel mir auf, dass es alle 15 bis 20 Jahre zu einem technologischen Umbruch kommt. Nach dem Blei-, kam der Fotosatz … dann PostScript-Schriften … zuletzt OpenType und Webfonts, und jetzt stehen wieder große Veränderungen bevor: OT Variations, Color-Fonts und Emoji zum Beispiel. 

Was mir bei PostScript/TrueType und bei OpenType/Webfonts nicht gefiel: Es dauerte mehrere Jahre, bis der Segen dieser tollen Technologien beim Verbraucher ankamen, also in Apps, Browsern und Betriebssystemen. Der Grund dafür war, dass sich die relativ kleine Schriftindustrie bei den Großen keine Gehör verschaffte. Und das wollen wir ändern. Als TYPO und als Monotype. Zum Glück hat Monotype seit Jahren gute Kontakte zu Adobe, Apple, Microsoft und Google, so dass wir mit den TYPO Labs alle diese Player unter einem Konferenzdach zusammenbringen können. 

Die gemeinsame Premiere des neuen FontStandards OpenType Variations auf der ATypI in Warschau diesen Sommer macht mir große Hoffnung, dass zukünftige Font-Standards schneller – weil gemeinsam – implementiert werden und auch die kleinen Foundries sofort ihre tollen Ideen beisteuern können.

Plant ihr für die zweite Edition Änderungen/Verbesserungen/Neuheiten?

Da der Schwerpunkt der TYPO Labs sehr scharf fokussiert ist – es geht einfach nur zu 100% um Font-Engineering – macht es nicht viel Sinn, wie im letzten Jahr geschehen, parallele Vorträge anzubieten. Also wird es bei den TYPO Labs 2017 nur noch eine Vortragsbühne geben. Dafür verlängern wir die Konferenz von zwei auf drei Tagen. Um dieser Änderung gerecht zu werden, haben wir eine neue Location ausgewählt, mit einem zentralen Vortragssaal (eine ehemalige Kapelle) und mehreren Nebenräumen zum Networken, wo aber auch der ein oder andere Workshop stattfinden kann. Wie letztes Jahr legen wie wieder großen Wert auf Lümmelecken, denn wie Georg Seifert, der Entwickler der Typedesign-Software Glyphs, gesagt hat: »Auf Vorträge könnte ich verzichten … aber dass diese Leute alle mal zusammenkommen, das ist großartig.«

 

Nächstes Jahr finden die TYPO Labs zeitlich getrennt von der TYPO Berlin (25.–27.05.2017) statt, letztes Jahr folgten die Konferenzen direkt nacheinander – benötigen die Besucher mehr Zeit, um das Gelernte zu verarbeiten?

Wir sehen keine große Überschneidung beim TYPO-Berlin- und beim TYPO-Labs-Publikum, allenfalls bei einer Handvoll Rednerinnen und Rednern. Die TYPO Labs wenden sich an Font-Macher, die TYPO Berlin an Font-Benutzer. Dass beide Konferenzen im vergangenen Jahr in einer Woche stattfanden hatte rein praktische Gründe: Die Labs-Idee kam uns zu spät, wir hatten keinen Etat dafür und mussten sie irgendwie zusammen mit der TYPO Berlin stemmen. Das ging dann nur mit jeder Menge organisatorischer Synergien. Daher werden sich die 2. TYPO Labs im kommenden Jahr nicht nur zeitlich emanzipieren, sondern auch stilistisch.

 

Aus dem Pressetext: Unter der Devise »New Dimensions in Type Engineering« widmet sich die Konferenz den jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Font-Technologie. Erste Programmpunkte sind bereits gesetzt. So gibt Dan Rhatigan, Senior Manager Adobe Type (New York) einen Überblick zur neuen OpenType-1.8-Technologie: Welche Erfahrungen haben Schriftentwerfer bereits mit variablen Schriften gesammelt? Welche Umgebungen unterstützen die neue Technologie bereits? Und: Wie nützlich sind die ersten Produkte? Auch die Entwickler der beliebtesten Schriftentwicklungs-Tools sind wieder mit dabei, darunter Glyphs (vertreten durch Rainer Erich Scheichelbauer und Georg Seifert), FontLab (Thomas Phinney, Yuri Yarmola, Adam Twardoch) und DTL FontTools (Frank Blokland). Außerdem sprechen Jeff Wu, General Manager von Arphic Technologies aus Taiwan und die US-Font-Entwickler Bob Taylor, Tom Rickner und Sampo Kaasila. Für die Moderation konnten die Designerinnen Marina Chaccur und Liron Lavi Turkenich gewonnen werden.

Alle Referenten, Aussteller und auch der Veranstalter Monotype haben ein gemeinsames Ziel: Den Wissenstransfer bei der Font-Entwicklung zu beschleunigen und damit einer kleinen Industrie, die elementare Bausteine für die digitale visuelle Kommunikation liefert, mehr Gehör zu verschaffen. Insbesondere Social Media und das Messaging befeuern die Weiterentwicklung unserer Schrift. Damit diese Kommunikation nahtlos über alle Betriebssysteme hinweg funktioniert, müssen vor allem die Entwickler von Browser und Betriebssysteme ins Boot geholt werden. Die TYPO Labs haben hierfür die nötige kritische Masse, was bereits die Premiere im letzten Jahr bewies.

Jetzt anmelden und Early Bird-Tickets für die TYPO Labs 2017 sichern. Einzel-Tickets sind jetzt für 296 Euro, Gruppen-Tickets ab drei Personen für je 277 Euro hier erhältlich.

Twitter (@TYPO_Labs)
typotalks.com/labs
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Fotos: © Norman Posselt

 

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